Über den Tellerrand - griechische Mythen

Öffentlich einsehbar! Was historisch bei den alten Völkern nachzuweisen ist und als Grundlage für Rekonstruktionen dienen kann.
Hinweis: Dieser Bereich ist öffentlich einsehbar und kann von Suchmaschinen durchsucht werden.

Über den Tellerrand - griechische Mythen

Beitragvon Vailos » So 23. Jul 2017, 05:25

Ein Blick über den Tellerrand: Die Mythen um Hades.

Hier wunderbar auf Arte modern und gut verständlich für jedermann erzählt, mit einigen Anmerkungen, die einige Sachen besser verstehen lassen.

https://www.youtube.com/watch?v=U9fEU7oAIjE

Mir als Laien hat das noch einmal sehr geholfen, ein Grundverständnis antiker Mythen zu erlangen, und konnte auch für unseren Bereich interessante Parallelen und Aspekte entdecken:

- Auch hier wieder die grundlegende Zweiteilung des Jahres.
Die Zeit, auf dem Colignykalender Anmatos, ungünstig genannt, ist die Zeit, wo Persephone bei Hades in der Unterwelt weilt und ihre Mutter Demeter sich weigert, im Olymp zu weilen und dadurch die Menschen hungern zu lassen - Winter
Die Zeit, auf dem Colignykalender Matos, günstig genannt, ist die Zeit, wo Mutter und Tochter, also Demeter und Persephone zusammen verbringen, dadurch die Erde fruchtbar ist und die Menschen satt sind - Sommer

- Neulich hatten wir ja die Diskussion über die mögliche Kosmologie der Kelten, nämlich der Dreiteilung Oben, Unten und das Meer. Das findet sich hier auch: Die drei Brüder Zeus, Hades und Poseidon. Zeus, der Herrscher der Hohen, Hades, der Herrscher der Unterwelt und Poseidon, der Herrscher des Meeres.
Ob sich in diesem merkwürdigen irischen Zitat da eine griechische Vorstellung mit eingeschlichen hat?

- Die Relativität der Götter. Genauso falsch, wie zum Beispiel die irische Göttin Morrigan als düstere Göttinn des Todes zu bezeichnen, ist es genauso falsch, Hades als einen "Totengott" zu klassifizieren. Alle Götter stehen sinnbildlich für viele Aspekte: Morrigan ist auch bekannt für ihren Segen, und Hades ist ein Gott von Tod UND Leben. Hades ist eigentlich sogar eine sehr traurige Gestalt.

- die verschiedenen Jenseitswelten im Reich Hades. Welche wir aus der Edda und wikingerzeitlichen Vorstellungen kennen, aber auch im Christentum für die eigene Vorstellung uminterpretiert wurde. Es erschließt sich da auch ganz gut das Erstaunen und Herumrätseln der Griechen, als sie mit Jenseitsvorstellungen der Kelten konfrontiert wurden, die erst einmal mit Wiedergeburtsvorstellungen daherkamen (genau haben wir es ja noch nicht geklärt).

- Interessant, was die Griecen bewog, sich das Leben nach dem Tod so freudlos und voll Schrecken zu erzählen. Selbst die Welt der "guten" Seelen, Elysium, ist ein Ort der Trauer. Das wird aber am Schluss erklärt: der große Schrecken der Griechen war nicht der Tod, sondern das Vergessen. Was auch aus einigen kultischen altgriechischen Handlungen erkennbar ist. Wir haben hier also das altbekannte Motiv der Ahnenehrung - die eben wider dem Vergessen im Gedächtnis am Leben gehalten werden müssen.


Insgesamt kann ich diesen kurzen, 20 minütigen Film wärmstens empfehlen. Man nehme sich eine Tasse Kaffee, setze sich in Ruhe vor den PC und lasse sich einfach eine Geschichte erzählen. Die hinterlegten Bilder sind nicht so relevant - man kann dabei auch ruhig die Augen schließen.
Die Sicht, die wir auf die Kelten haben, sagt mehr über uns aus, als über die Kelten selbst.


Ich bin glücklich. So einfach ist das.
Benutzeravatar
Vailos
Vorstand
Vorstand
 
Beiträge: 1813
Registriert: Mi 6. Feb 2013, 00:13
Hat gedankt: 240 Mal
Wurde bedankt: 196 Mal
Glaube: gallischer Polytheismus
Lebensweg: Denker und Kämpfer
Touta: Touta Treveron - Mediomatriker

Re: Über den Tellerrand - griechische Mythen

Beitragvon Mac » So 23. Jul 2017, 10:41

Vailos hat geschrieben:
- Auch hier wieder die grundlegende Zweiteilung des Jahres.
Die Zeit, auf dem Colignykalender Anmatos, ungünstig genannt, ist die Zeit, wo Persephone bei Hades in der Unterwelt weilt und ihre Mutter Demeter sich weigert, im Olymp zu weilen und dadurch die Menschen hungern zu lassen - Winter
Die Zeit, auf dem Colignykalender Matos, günstig genannt, ist die Zeit, wo Mutter und Tochter, also Demeter und Persephone zusammen verbringen, dadurch die Erde fruchtbar ist und die Menschen satt sind - Sommer


Klappt nicht: Aufm Colignykalender zieht sich das im Wechsel durch's ganze Jahr. Die Bezeichnungen mat/anmat kannst du nicht auf eine Zweiteilung des Jahres beziehen.

Vailos hat geschrieben:- Neulich hatten wir ja die Diskussion über die mögliche Kosmologie der Kelten, nämlich der Dreiteilung Oben, Unten und das Meer. Das findet sich hier auch: Die drei Brüder Zeus, Hades und Poseidon. Zeus, der Herrscher der Hohen, Hades, der Herrscher der Unterwelt und Poseidon, der Herrscher des Meeres.
Ob sich in diesem merkwürdigen irischen Zitat da eine griechische Vorstellung mit eingeschlichen hat?


Eingeschlichen? Es war fester Bestandteil der frühmittelalterlichen christlichen Kosmologie, das hat sich nicht eingeschlichen, das war damals Basiswissen. Davon ab: Ur-indoeuropäisches Erbe.

Vailos hat geschrieben:- Die Relativität der Götter. Genauso falsch, wie zum Beispiel die irische Göttin Morrigan als düstere Göttinn des Todes zu bezeichnen, ist es genauso falsch, Hades als einen "Totengott" zu klassifizieren. Alle Götter stehen sinnbildlich für viele Aspekte: Morrigan ist auch bekannt für ihren Segen, und Hades ist ein Gott von Tod UND Leben. Hades ist eigentlich sogar eine sehr traurige Gestalt.


Auch nix Neues, aber richtig.


Ich finde viel interessanter, dass die den Vorspannstil von der Serie "Marco Polo" übernommen haben. :D
Mac
Büschlein
Büschlein
 
Beiträge: 339
Registriert: So 11. Sep 2016, 21:58
Wohnort: Vicus Bonnensis
Hat gedankt: 20 Mal
Wurde bedankt: 43 Mal
Lebensweg: Trickster
Touta: Batavi

Re: Über den Tellerrand - griechische Mythen

Beitragvon Vailos » So 23. Jul 2017, 11:31

Mac hat geschrieben:
Klappt nicht: Aufm Colignykalender zieht sich das im Wechsel durch's ganze Jahr. Die Bezeichnungen mat/anmat kannst du nicht auf eine Zweiteilung des Jahres beziehen.


Zefix Kann man denn noch nicht einmal mehr Olmstett und der Sternwarte Recklingahausen glauben? Dort habe ich die Info her. Dass erst einmal die Monate in anmat/mat geteilt wurden, weiß ich, dort wird aber behauptet, dass auch dass Jahr entsprechend zweigeteilt wurde....ich erinnere mich noch an die langen Listen....
Wenn ich mal Zeit und Kopf sowie meine alten Aufzeichnungen vom alten PC zusammengekruschtelt habe, eröffne ich einen Thread dazu. Willi wills wissen....

Mac hat geschrieben:Eingeschlichen? Es war fester Bestandteil der frühmittelalterlichen christlichen Kosmologie, das hat sich nicht eingeschlichen, das war damals Basiswissen. Davon ab: Ur-indoeuropäisches Erbe.


Die kosmologische Einteilung oben, unten und das Meer? Ich kenne aus dem Mittelalter die Trinität, aber diese kosmologische Vorstellung habe ich ausser diesem Zitat aus Irland, was man auf die Kelten versucht hat zu übertragen, noch nicht gehört...

Mac hat geschrieben:Auch nix Neues, aber richtig.


Weiß ich. HIER wissen wir das. Aber in weiten Teilen des Neuheidentums längst nicht angekommen. ;) Und so entscheidend, dass man nicht oft genug drauf hinweisen kann.
Die Sicht, die wir auf die Kelten haben, sagt mehr über uns aus, als über die Kelten selbst.


Ich bin glücklich. So einfach ist das.
Benutzeravatar
Vailos
Vorstand
Vorstand
 
Beiträge: 1813
Registriert: Mi 6. Feb 2013, 00:13
Hat gedankt: 240 Mal
Wurde bedankt: 196 Mal
Glaube: gallischer Polytheismus
Lebensweg: Denker und Kämpfer
Touta: Touta Treveron - Mediomatriker

Re: Über den Tellerrand - griechische Mythen

Beitragvon Mac » So 23. Jul 2017, 12:28

Vailos hat geschrieben:
Mac hat geschrieben:
Klappt nicht: Aufm Colignykalender zieht sich das im Wechsel durch's ganze Jahr. Die Bezeichnungen mat/anmat kannst du nicht auf eine Zweiteilung des Jahres beziehen.


Zefix Kann man denn noch nicht einmal mehr Olmstett und der Sternwarte Recklingahausen glauben? Dort habe ich die Info her. Dass erst einmal die Monate in anmat/mat geteilt wurden, weiß ich, dort wird aber behauptet, dass auch dass Jahr entsprechend zweigeteilt wurde....ich erinnere mich noch an die langen Listen....
Wenn ich mal Zeit und Kopf sowie meine alten Aufzeichnungen vom alten PC zusammengekruschtelt habe, eröffne ich einen Thread dazu. Willi wills wissen....


Hmm... Kann es sein, dass du schlicht die Sachen durcheinander wirfst? Die Markierung zieht sich durch, dennoch haben wir durch eine ANDERE Markierung ne Zweiteilung. Da hast du auch direkt mal einen der Gründe, warum wir das Ding bis heute nicht wirklich verstehen. Es fehlen Infos, die man nicht aus dem Ding selber lesen kann.
Mac
Büschlein
Büschlein
 
Beiträge: 339
Registriert: So 11. Sep 2016, 21:58
Wohnort: Vicus Bonnensis
Hat gedankt: 20 Mal
Wurde bedankt: 43 Mal
Lebensweg: Trickster
Touta: Batavi

Re: Über den Tellerrand - griechische Mythen

Beitragvon Vailos » So 23. Jul 2017, 13:12

Hmm, ok. Wie gesagt, ich möchte das gerne noch einmal genauer beleuchten, habe allerdings grad nicht so den Kopf dafür. In meiner Erinnerung (ich hatte mich im alten Forum vor etlichen Jahren mal intensiver eingelesen) habe ich noch eine Audröselung, wie der Coligny Kalender prinzipiell funktioniert - die Problematik bestand meiner Erinnerung dannach, wann man ihn ansetzt. Und in dieser Aufdröselung wurde meiner Erinnerung nach eben auch diese Zweiteilung festgestellt.

Aber - wie gesagt, das ist jetzt meine Erinnerung, nichts Fundiertes. Danke auf jeden Fall noch einmal für deinen Hinweis.
Die Sicht, die wir auf die Kelten haben, sagt mehr über uns aus, als über die Kelten selbst.


Ich bin glücklich. So einfach ist das.
Benutzeravatar
Vailos
Vorstand
Vorstand
 
Beiträge: 1813
Registriert: Mi 6. Feb 2013, 00:13
Hat gedankt: 240 Mal
Wurde bedankt: 196 Mal
Glaube: gallischer Polytheismus
Lebensweg: Denker und Kämpfer
Touta: Touta Treveron - Mediomatriker

Re: Über den Tellerrand - griechische Mythen

Beitragvon Sedocoinios » So 23. Jul 2017, 23:56

Das mit dem coligny kalender hab ich auch micht verstanden. Die zeit in der persephone in der unterwelt weilt ist doch die zeit in der die felder keine frucht tragen... Mat und anmat tage hingegen finden sich das ganze jahr hindurch in jedem monat. Wie man beides zusammenbringt geht mir nicht auf.

Was die alten iren und waliser angeht so muss man bedenken , dass deren klerus klassisch gebildet war. Denen waren viele der römisch- griechischen klassiker gut bekannt, inköusive der philosophie, historie und mythologie... Übrigens auch isländern wie snorri und seinen kollegen... Weswegen man davon ausgeht dass viele eddische elemente auch nicht autochthon sind und gar keine tradition hatten sondern von leuten mit klassischer buldung in imitation klassischer mythen neu verfasst wurden... Asateuar hören das meist nicht getne , aber es gibt vieles was dafür spricht.
"Ich will Zwietracht sähen zwischen den Königen, den Anführern, den tugendhaften Helden und den freien Bauern bis sie sich gegenseitig töten Mann für Mann wenn sie nicht mit mir kommen um mein Fest zu teilen."
Benutzeravatar
Sedocoinios
Gebüsch
Gebüsch
 
Beiträge: 944
Registriert: Mi 6. Feb 2013, 22:04
Wohnort: Sigena
Hat gedankt: 10 Mal
Wurde bedankt: 88 Mal
Glaube: Celtos
Lebensweg: Künstler
Touta: Ubii

Re: Über den Tellerrand - griechische Mythen

Beitragvon Vailos » Mo 24. Jul 2017, 03:39

Sedocoinios hat geschrieben:Das mit dem coligny kalender hab ich auch micht verstanden. Die zeit in der persephone in der unterwelt weilt ist doch die zeit in der die felder keine frucht tragen... Mat und anmat tage hingegen finden sich das ganze jahr hindurch in jedem monat. Wie man beides zusammenbringt geht mir nicht auf.


Die Monatsaufteilung funktioniert auch nicht, ich schrieb es oben. Beim Entschlüsseln fiel es Olmstedt und diesem Prof von der Sternwarte auf, dass der Kalender zusätzlich zweiteilig war. So habe ich es in Erinnerung. Ich mach dazu aber irgendwann ein Thema auf.
Die Sicht, die wir auf die Kelten haben, sagt mehr über uns aus, als über die Kelten selbst.


Ich bin glücklich. So einfach ist das.
Benutzeravatar
Vailos
Vorstand
Vorstand
 
Beiträge: 1813
Registriert: Mi 6. Feb 2013, 00:13
Hat gedankt: 240 Mal
Wurde bedankt: 196 Mal
Glaube: gallischer Polytheismus
Lebensweg: Denker und Kämpfer
Touta: Touta Treveron - Mediomatriker

Re: Über den Tellerrand - griechische Mythen

Beitragvon Sedocoinios » Mo 24. Jul 2017, 13:38

Von Coligny Kalender lass ich mittlerweile die Finger... und vom Olmstedt auch.
"Ich will Zwietracht sähen zwischen den Königen, den Anführern, den tugendhaften Helden und den freien Bauern bis sie sich gegenseitig töten Mann für Mann wenn sie nicht mit mir kommen um mein Fest zu teilen."
Benutzeravatar
Sedocoinios
Gebüsch
Gebüsch
 
Beiträge: 944
Registriert: Mi 6. Feb 2013, 22:04
Wohnort: Sigena
Hat gedankt: 10 Mal
Wurde bedankt: 88 Mal
Glaube: Celtos
Lebensweg: Künstler
Touta: Ubii

Re: Über den Tellerrand - griechische Mythen

Beitragvon Mac » Di 25. Jul 2017, 23:03

Sedocoinios hat geschrieben:Von Coligny Kalender lass ich mittlerweile die Finger... und vom Olmstedt auch.


Dito. Die Fachwelt ist da eher zurückhaltend mittlerweile.
Mac
Büschlein
Büschlein
 
Beiträge: 339
Registriert: So 11. Sep 2016, 21:58
Wohnort: Vicus Bonnensis
Hat gedankt: 20 Mal
Wurde bedankt: 43 Mal
Lebensweg: Trickster
Touta: Batavi

Re: Über den Tellerrand - griechische Mythen

Beitragvon Torc » Sa 5. Aug 2017, 16:05

Olmstedt kann man knicken, wenn es um den CK geht. Erst recht, wenn es um die linguistische Deutung geht, das ist mehr als unwissenschaftlich, was der da fabriziert hat. Ich habe sein Buch ja jetzt mal gelesen, weil ich mich selbst auch mit dem CK beschäftige und gut war das nicht. Da wird er auch ganz zu Recht von vielen Fachleuten zerpflückt. Zum CK und dessen Interpretation ist Helen McKay momentan der beste Ansprechpartner, ich kann die Fragen ja weiterleiten, die dann im Thread aufkommen.

Mac hat geschrieben: Dito. Die Fachwelt ist da eher zurückhaltend mittlerweile.

Fast noch ein Grund mehr meine BA darüber zu schreiben.^^
Man wäre nicht weise, würde man sich nicht ab und an wie ein Narr verhalten.
Benutzeravatar
Torc
Samenkorn
Samenkorn
 
Beiträge: 228
Registriert: Di 22. Apr 2014, 22:50
Hat gedankt: 6 Mal
Wurde bedankt: 28 Mal
Persönlicher Text: Metbrauer
Glaube: Bescothan

Nächste

Zurück zu Geschichtliche Glaubenspraktiken

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

Information

Das Team • Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]

cron