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Gallische Jenseitsvorstellungen

BeitragVerfasst: Di 27. Jun 2017, 08:19
von Vailos
Torc hat sich intensiver noch einmal mit den gallischen Jenseitsvorstellungen beschäftigt und eine Arbeit veröffentlich. Er ist persönlich nicht überzeugt von der These der Inkarnation bei den Kelten, sondern vertritt die These, dass es bei den Kelten eine Unterweltsvorstellung gegeben haben muss.

Ich bin persönlich nicht überzeugt davon, und habe zu diesem Text auch jede Menge Fragen.Ich hoffe, dass ich die Tage Zeit habe, diese auch zu stellen, ich stelle erst einmal den Text ein:

Gallische Jenseitsvorstellungen
Über die keltischen Jenseitsvorstellungen im Allgemeinen ist relativ viel überliefert, wenngleich diese Quellen teilweise auch sehr ambivalente Aussagen treffen. So sind Hinweise für sowohl zyklische Weltbilder mit Tod und Wiedergeburt, als auch für eine Jenseitswelt, wie wir sie aus dem germanischen und griechischen Glaubenssystem beispielsweise kennen, überliefert. In diesem kurzen Essay folgt der Versuch einer Rekonstruktion der speziell gallischen Jenseitsvorstellungen anhand der archäologischen und linguistischen Quellen, die uns aus der antiken Keltiké vorliegen. Weiterhin werden zu Vergleichszwecken inselkeltische Mythen herangezogen.
Die philologischen Quellen der antiken Keltiké und ihrer Beobachter setzen sich sowohl aus originär gallischen Inschriften, als auch Berichten griechischer und römischer Autoren zusammen.
Analysieren wir zunächst die originär gallischen Quellen.
Als erste Quelle liegt die Inschrift von Chamalières vor. Es handelt sich dabei um eine 4x6 cm große Bleitafel, die 1971 gefunden wurde. Interessant sind hier die ersten drei Zeilen:
andedíon uediíumí diíiuion risun-
artiu mapon arueriíatin
lopites sníeddic sos brixtía anderon
[…]
„Ich rufe Maponos arueriiatis durch die Kraft der Götter der Unterwelt. Und foltere jene mit der Magie der Infernalen“
In diesem Teil eines Fluches beruft sich der Autor also auf göttliche Wesen der Unterwelt. Dies bietet uns einen Hinweis darauf, dass es im gallischen Glaubenssystem durchaus eine Unterwelt gab, welcher die angerufenen Wesenheiten zugehörig waren. Die Inschrift könnte auch inhaltliche Aussagen über deren Beschaffenheit ermöglichen. So werden diese unterweltlichen Wesen im weiteren Verlaufe der Fluchtafel zur Schädigung mehrerer Personen aufgerufen, woraus man schließen kann, dass die Unterwelt mit Leid und Krankheit im Zusammenhang steht. In späteren inselkeltischen Mythen wird die Unterwelt als sehr ambivalent beschrieben. Die Darstellungen reichen von paradiesischen Verhältnissen hin zu Leid. Schilderungen, die aussagen, dass die Toten Frost und Krankheit im Jenseits ausgesetzt seien, könnten jedoch auf die Christianisierung zurückzuführen sein.
Eine weitere Quelle liefert hier die fragmentierte Bleitafel von Larzac, welche 1983 entdeckt wurde.
Auch hier handelt es sich um eine sogenannte Defixiones – eine Fluchtafel – mit magischem Inhalt. Relevant für diese Untersuchung ist das Fragment 2b mit dem Text:
aia […] cicena
nitianncobuedlidat
iasuolsonponne
antumnos nepon
nesliciatia neosoude
neiauodercos nepon
Das Wort antumnos bedeutet so viel wie Unterwelt und steht konträr zu dem Wort uodercos „die sichtbare Welt“. Der Text kann leider nicht genau übersetzt werden, aber die Gegenüberstellung dieser zwei Wörter aus dem Text bietet ein weiteres Indiz für das Vorhandensein einer diesseitigen und jenseitigen Welt in Form einer Unterwelt. Das Konzept einer Unterwelt ist also aus originär gallischen Quellen belegt, jedoch nicht ihre genaue Funktion und Struktur.
Griechische und römische Autoren wie Cäsar, Poseidonios und Lucan berichten von der Transmigration der Seele als „druidische“ Lehre. Demnach glaubten die Druiden - und somit die Gallier - an die Wanderung der Seele von einem Körper in den anderen. Diese Vorstellung wäre analog zur pythagoreischen Jenseitsvorstellung. Es ergeben sich aus den entsprechenden Textstellen jedoch einige Kritikpunkte, die nicht unberücksichtigt bleiben dürfen. Zum einen ist es nicht auszuschließen, dass die Quelle für Cäsars und Lucans Aussagen letztlich bei Poseidonios zu suchen ist, und damit einhergehend nur Poseidonios Interpretation vom keltischen Glaubenssystem wiedergegeben wird. Damit fiele der quellarische Wert der entsprechenden Überlieferungen eher gering aus, zumal die archäologischen Befunde ein solches Glaubenssystem nicht unterstützen würden, wie später zu sehen sein wird. Auch erscheinen die anekdotenartigen Schilderungen des gallischen Brauchtums, die mit diesem Konzept der Seelenwanderung in Verbindung gebracht werden, nicht sonderlich plausibel. Diodor von Sizilien beschreibt z. Bsp., dass die Gallier Briefe zu ihren Toten in das Feuer warfen, damit die Verstorbenen diese lesen. Diese Praxis hat eher den Charakter einer jeder anderen Grabbeigabe, die dazu gedacht ist, den Toten in das Jenseits zu begleiten. Eine weitere Anekdote findet sich bei Valerius Maximus, der berichtet, dass die Gallier sich ihre Schulden im Jenseits bezahlen ließen:
Außerhalb ihrer (den Stadtmauern Massalias) Mauern begegnet jener alte Brauch der Gallier, die nach der Überlieferung Geld verleihen, das ihnen im Jenseits zurück gezahlt wird, halten sie doch die Seele der Menschen für unsterblich. Schön dumm würde ich sie nennen, wenn nicht jene Behosten dasselbe glaubten wie der mit griechischem Mantel bekleidete Pythagoras.
Viele sehen damit die pythagoreische Vorstellung bei den Galliern bestätigt. Dies ist jedoch kritisch zu sehen, da man sich der kulturellen Subjektivität des entsprechenden Autoren bewusst werden muss. Die Unsterblichkeit der Seele kann sich auch auf andere Jenseitsvorstellungen beziehen und müssen nicht dem zyklischen Weltbild Pythagoras' entsprechen.
An dieser Stelle sollen die inselkeltischen Mythen erwähnt werden wie die Geschichte Taliesins und Túan mac Cairill. In diesen Erzählungen durchlebt der entsprechende Protagonist mehrere Transformationen als Mensch oder Tier. Dies könnte auf eine Seelenwanderung deuten, was jedoch nicht sehr eindeutig ist. Nicht zuletzt, da es sich um mythische Geschichten handelt, die keinerlei Parallele in profaner Literatur oder in der Archäologie haben. Das Konzept der irischen Sidhé hingegen, spräche für eine Jenseitsvorstellung, die mit einem Weiterleben in der Unterwelt verbunden ist. Diese Sidhé oder Feenhügel sind Zugangspunkte zur Unterwelt, über die mythische Figuren, als auch Menschen – lebendig und tot – zwischen den Welten Kontakt aufnehmen können. In weiteren Mythen wie der Reise des Bran werden Reisen zwischen der Welt der Lebenden und der Anderswelt beschrieben, sodass auch hier das Konzept einer Unterwelt im Sinne eines Totenreiches erkennbar wird.
Weiterhin beschreibt Cäsar einen Unterweltgott ähnlich des römischen Dis. Auch Lukan berichtet vom gallischen Ogmios als eine Gottheit der Unterwelt, die die Seelen der Toten in die Unterwelt führt. Daraus ist eine gewisse Ambivalenz zu erkennen zu den zuvor behandelten Aussagen. Denn eine Unterwelt samt Gottheiten, die die Toten dort hinführen erscheint wenig plausibel, wenn die Seelen der Verstorbenen einen neuen Körper suchen.
Zu den archäologischen Quellen zählen hauptsächlich die Gräber, die aus der antiken Keltiké stammen. Auffällig ist die strikte Trennung vom Gräberfeld zur Siedlung, also die Trennung zwischen den Toten und Lebenden. Teilweise ist sogar eine steinerne Einhegung im archäologischen Befund nachvollziehbar. Auch die Gräber selbst bieten Aufschluss über die Jenseitsvorstellung. Oft befinden sich unter den Grabbeigaben alltägliche Gegenstände, aber auch Objekte von Wert für das Individuum (z. Bsp. Schmuck, Amulette etc.). Paradebeispiele stellen hier die Fürstengräber dar, welche monumentale Anlagen mit teilweise ebenso monumentalen Grabbeigaben bereithalten. So zum Beispiel das Fürstengrab von Hochdorf, welches einen bronzenen Kessel mit 500 Litern Fassungsvermögen enthielt, welcher zudem mit Met gefüllt war. Dazu gehörten ein Trinkservice und Schöpfkellen.
Diese Arten der Beigaben sind nur sinnvoll, wenn sie einem gewissen Zwecke dienen, der über die Darstellung von Prestige hinausgeht. Viel eher ist es vorstellbar, dass auch im Leben nach dem Tod ein gewisser Luxus gewünscht war und verfügbar sein musste. Das spräche dafür, dass man sich das Leben im Jenseits eher wie im germanischen Helheim vorstellte. Dass das Leben mehr oder weniger auf der anderen Seite weiterging und man sich eine gewisse Kontinuität im Lebensstil wünschte.
Ein weiterer, oft diskutierter Fund im Zusammenhang mit keltischen Jenseitsvorstellungen stellt der Kessel von Gundestrup dar. Auf diesem ist eine Abbildung von einem göttlichen Wesen vorhanden, welches Krieger in einen Kessel taucht und so wiederbelebt. Die reinkarnierten Krieger ziehen dann auf Rössern in die Schlacht. Dies könnte als ein Hinweis auf ein zyklisches Weltbild gesehen werden, doch spricht ein entscheidender Beleg dagegen. Im zweiten Zweig des Mabinogi wird erzählt, dass es Kessel gibt, wo die Götter tote Krieger für eine Schlacht wiederbeleben können. Diese Soldaten können jedoch nicht sprechen, was ein Indiz dafür ist, dass es sich nicht um eine vollendete Reinkarnation im Sinne es zweiten Lebens handelt, sondern nur um eine Wiederkehr für diesen einen Zweck- die Schlacht. Parallel dazu stünde Ragnarök in der nordischen Mythologie.
Interessant ist jedoch die Erwähnung von Kesseln der Fülle in der irischen Unterwelt, welche stets Schweine wiedergebaren, die am Tag zuvor am Bankett in der Anderswelt verspeist wurden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Beweislage für eine zyklische Jenseitsvorstellungen bei den antiken Galliern nur marginal ist, da der einzige Gewährsmann Poseidonios zu sein scheint. Auch die materiellen und literarischen Hinterlassenschaften sprechen nur bedingt für diese Art der Jenseitsvorstellung. Viel eher scheint es sich so zu verhalten, dass die Gallier glaubten, dass der Mensch nach seinem Tode, oder viel mehr die Seele, in eine jenseitige Welt eintrat, dort also quasi reinkarniert wurde. In dieser jenseitigen Welt führte man sein Leben mehr oder weniger weiter, so wie es der Überlieferung nach auch im germanischen Helheim war. Wolfgang Meid setzt die keltische Jenseitsvorstellung zur Phase der Körperbegräbnisse auch mit der altindischen „Väterwelt“ gleich. Dort lebten die Verstorbenen weiter und wurden durch die Opfergaben der Lebenden genährt. Es ist vorstellbar, dass die Essenz dieser Gaben im Rahmen des Ahnenkultes im Zusammenhang mit den Kesseln der Fülle standen, die immer neue Speisen für die Toten in der Unterwelt bereitstellten.
Literatur:
Green, M. 1992: Dictionary of Celtic Myth and legend.
Lambert, P.-Y. 2003: La langue gauloise.
Maier, B. 2001: Die Religion der Kelten – Götter Mythen Weltbild.
Meid, W. 2014: Gaulish Inscriptions – Their interpretation in the light of archaeological evidence and their value as a source of linguistic and sociological information.
Meid, W. 2007: Die Kelten.

Re: Gallische Jenseitsvorstellungen

BeitragVerfasst: Di 27. Jun 2017, 08:39
von Sucher
Mich interessiert, aus welcher Zeit die beiden zitierten Fluchtäfelchen sind.

Re: Gallische Jenseitsvorstellungen

BeitragVerfasst: Di 27. Jun 2017, 09:01
von Vailos
Ja, eine der Fragen.

Re: Gallische Jenseitsvorstellungen

BeitragVerfasst: Di 27. Jun 2017, 10:24
von Mac
Gallorömische Zeit, frühestens um 30-20 BC, spätestens 2. Jh. AD. Aber ich meine irgendwo mitbekommen zu haben, dass beides aus dem 1. Jh. sei.

Mehr kann ich selber nicht sagen, die Funde wurden auf Französisch veröffentlicht. Und mit der Sprache hab ich's so gaaar nicht.

Weitere Fragen?

Re: Gallische Jenseitsvorstellungen

BeitragVerfasst: Di 27. Jun 2017, 11:35
von Torc
Also Lazarc datiert definitiv ins 1. Jhd. n Chr. und Chamalières hat irgendwie keine sinnige Datierung. Jedenfalls wurde in den mir vorliegenden Quellen keine genannt. Es ist aber anzunehmen, dass es ins 1. Jhd vor bzw. nach Chr. datiert. Inwiefern man da aber von einer römischen Prägung sprechen kann, ist nicht geklärt, zumal so Begriffe wie uodercos überhaupt nicht von den Römern stammen. Auch ist fraglich, wie sehr die römische Prägung im 1. Jahrhundert gallo-römischer Phase ausgeprägt war. Ob es sich auf grundsätzliche Glaubensfragen überhaupt schon ausgewirkt hat.

Re: Gallische Jenseitsvorstellungen

BeitragVerfasst: Di 27. Jun 2017, 11:48
von Sucher
Ich kann mir vorstellen, dass das, was wir heute "Römische Prägung" nennen, nicht durchgängig im gleichen Maß vorhanden war.

Zur Verdeutlichung meiner Meinung:
Ein junger irischer Poet von heute kann sich in seinem Wirken sehr wohl ausdrücklich auf sein irisches Erbe beziehen, obwohl die angelsächsisch/normannische Prägung Irlands lange Zeit zum Wirken hatte.
Ein schottischer Sänger kann im Jahr 2017 in ungebrochen schottisch-gälischer Tradition vortragen, obwohl die englische Prägung Schottlands schon lange wirksam ist.
Die US-amerikanische Prägung ist in Westdeutschland genausowenig gleichmäßig vorhanden, wie die sowjetrussische Prägung im Osten Deutschlands.

Klar ist in allen beispielhaft angesprochenen Fällen ein Einfluss da. Aber eben nicht absolut und nicht gleichmäßig.

Re: Gallische Jenseitsvorstellungen

BeitragVerfasst: Mi 28. Jun 2017, 09:48
von Mac
Das ist ja das Problem. Wir müssen dann den Fundzusammenhang heranziehen. Benutzte Schrift, Form der Inschrift etc.pp.

Hier in diesem Fall:

Keltische Anteile:
Sprache: Gallisch
Inhalt: Alles was keine römischen Entsprechungen hat. siehe Torc's Aufsatz.

Römische Anteile:
Schrift: römisch
Textform: Defixion (römisch/griechisch vielfach belegt)
Beschriebmaterial: Defixionstäfelchen (römisch/griechischer Brauch)

Die römischen Anteile sind jetzt mal eindeutig. Besonders die Benutzung der Schrift. Es mögen sich vielleicht inhaltlich keltische Vorstellungen zeigen, aber die äußere Form lässt auf jemanden mit einer gewissen multikulturellen Bildung schließen. Lesen und Schreiben waren in der Gallia nun nicht gerade verbreitete Talente. Ich sehe hier eine Vermischung, wobei die äußere Form römisch ist (1. Jh. in Gallien jetzt nicht unerwartet), die inhaltliche Ebene aber genuin gallisch. Da wir keine Jahresgenaue Datierung haben, können wir jetzt spekulieren und schätzen.
Ich gebe mal zu bedenken:
Nehmen wir mal die archäologische Standard-Generationenlänge von 30 Jahren. Dann können diese Inschriften frühestens von Leuten der Kinder- und Enkelgenerationen der Zeitgenossen von Caesars Eroberung sein, spätestens von der 6./7. Generation nach dem Gallischen Krieg sein. Bedenken wir nun mal, wie sich andere Kulturen (danke Micha für deine Beispiele!) nach Eroberungen, Besatzungen oder kulturellen Einschnitten (Christianisierung z.B.) Verhalten haben... Die Tendenz die äußere Form anzupassen, während Inhalte sich (außer unter gezieltem Zwang - und das kann auch genauso verhärten) nur langsam ändern, ist da, neben den inhomogenen Graden der Anpassung, klar zu beobachten.

Ich schreib hierzu weiter, wenn ich von der Arbeit zurück bin. Muss nu leider los. Immer wenn man grad drin is im Thema...

Re: Gallische Jenseitsvorstellungen

BeitragVerfasst: Mi 28. Jun 2017, 20:58
von Vailos
Dank Dir, Mac

Ich fände es nicht schlecht, wenn wir einfach mal unter Hilfestellung von Torcs Arbeit noch mal wirklich alles sammeln, was von gallischen Jenseitsvorstellungen genau überliefert und beschrieben ist, unter Hinzuziehen von archäologischen Befunden und vielleicht auch ein kurzes, aber kritsiches Schielen nach Irland. So dass man vielleicht wirklich mal Struktur in diese Frage bekommt - wir diskutieren ja schon Jahre darum.

Ich bin ganz ehrlich, der Text von Torc überzeugt mich nicht davon, dass es generell Unterweltvorstellungen gegeben hat. Auf der anderen Seite hinterfrage ich auch meine bislang zu strikte Haltung der Seelenwanderung. Vielleicht müssen wir die Antworten weniger strikt finden und dem größten "Möglich" annähern - dass dann freilich so gut begründet, wie es geht.

Ein Problem zum Beispiel meiner bisherigen Haltung sind Bücher wie Berresford-Ellis, der sehr viel über Jenseitsvorstellungen schreibt und erzählt -vor allem aus Irland. Das Problem ist, dass er keine Quellen im Buch angibt, so dass man sich nicht selbst kritisch damit auseinandersetzen kann. Hier ist dann einfach noch einmal Quellenforschung angesagt, und die Fragen wann, wo und wie.

Auch würde ich mir mal Querdenken wünschen - wie zum Beispiel eine Sache die mir so aufgefallen ist: Alle Wiedergeburtsvorstellungen sehe ich ganz laienhaft vor allem im Kontext von Kriegern. Gundestrupkessel, Lukans Diskurs, die Maulerei von Cäsar, dass die Wiedergeburt dur eine druidische Erfindung sei, um die Tapferkeit anzuspornen bis hin zu der von Torc erwähnten Sage aus Irland mit den Kriegern, die durch den Kessel gehen und wiedergeboren werden.

Ist das etwas, was man mehr Bedeutung zumessen sollte? Keine Ahnung.

Aber ich werde viele Fragen stellen.

Re: Gallische Jenseitsvorstellungen

BeitragVerfasst: Mi 28. Jun 2017, 21:19
von Mac
Um meinen Gedanken von heute mittag zuende zu bringen... Man sollte sich eben den Zusammenhang etwas weiter erschließen.

Im Falle von Gallien allerdings bitte ohne Irland und Britannien.

Schon mal jemand dran gedacht, dass wir bereits bis kurz vor Caesar in der Archäologie mehrere Umwälzungen in der Keltischen Welt bezüglich kultischer Dinge wie Begräbnisriten und verschiedener Kultplatzformen haben und die räumliche Verteilung eine Kultvariationsbreite erlaubt? Ich mein ja nur... was wenn die externen Quellen alle recht haben für bestimmte Regionen und Zeiträume? Es also - und davon geh ich ja eh aus - ein ganzes Cluster von Kulten ist, wie man ja auch in der Germanenforschung sagt und was ja für die Kelten schon irgendwie immer implizit ist. Es könnte durchaus sein, dass die Variationsbreite größer ist als gedacht oder bis jetzt im Bewusstsein angekommen. Vielleicht verliert man durch den Blick auf Klassifizierungen genau diese Pluralität aus den Augen.
Und nimmt man das an, können auch kontradiktorische Aussagen nebeneinander existieren ohne vom Gesamtkanon (gesamter Korpus der Kultbandbreite) abzuweichen.

Re: Gallische Jenseitsvorstellungen

BeitragVerfasst: Mi 28. Jun 2017, 23:00
von Torc
Jaja... the bloody Irish.

Ich habe jetzt schon mehrmals angemerkt, dass man einfach mal davon wegkommen sollte, alles aus der inselkeltischen - und vor allen Dingen MITTELALTERLICHEN - Literatur zu nehmen und sich daran dann entlang zu hangeln. Der Quellenwert ist teilweise echt bescheiden, wenn man da nicht ganz penibel arbeitet, für generalisierte Vergleiche taugt das gar nichts. Ich muss gestehen, dass ich es mir in meinem Essay diesbezüglich auch einfach gemacht habe, aber man sollte doch nah bei den eigentlich gallischen Quellen bleiben, wenn man solche Fragestellungen bearbeiten will.

So sehr ich dir auch zustimme bezüglich der Pluralität im Kult, so muss ich aber auch sagen, dass das methodisch ein deftiges Problem wird. Klar kann man sagen, dass es das alles gab, nur weil das irgendwer mal so aufgeschrieben hat, aber das würde ich dann doch etwas kritisch sehen.