Bei Teutates!

Öffentlich einsehbar! Was historisch bei den alten Völkern nachzuweisen ist und als Grundlage für Rekonstruktionen dienen kann.
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Re: Bei Teutates!

Beitragvon Torc » Mo 18. Mai 2015, 12:19

Eine sehr gute Frage...
Hängt auch stark mit dem Weltbild zusammen, wie man es nun bezeichnen will, wäre vllt. einen eigenen Diskussionsstrang wert.
Man wäre nicht weise, würde man sich nicht ab und an wie ein Narr verhalten.
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Re: Bei Teutates!

Beitragvon Sedocoinios » Di 19. Mai 2015, 15:59

naja... sprachlich könnte man Antumnos/Andounna als "Innen-Welt", "Nicht-Welt" oder eben "Unterwelt" übersetzen...

aber es ist doch so: in der irischen Sagenwelt betritt ein Held eine Höhle oder ein Grabmal... und befindet sich aufeinmal in einer "Inneren Welt"...

In Wales sitzt Pwyll auf dem Gorsedd Arberth, auf einmal "switcht" er in die andere Welt...

sicher, es gibt daneben auch die Vorstellung von der Meeresreise oder dem verirren im Nebel... aber ,das Motiv der Anderswelt als "Unterwelt" im Sinne einer Welt "Unter der Erde" oder "unter dem Meer" ist ja durchaus überall mit dabei.

Interessant wäre: Wie deuten oder verstehen wir dieses "Bild" ?
"Ich will Zwietracht sähen zwischen den Königen, den Anführern, den tugendhaften Helden und den freien Bauern bis sie sich gegenseitig töten Mann für Mann wenn sie nicht mit mir kommen um mein Fest zu teilen."
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Re: Bei Teutates!

Beitragvon Sirona » Mi 20. Mai 2015, 09:12

Wir haben mittelalterliche Bände in Form von Sagen und Legenden, das auch lebende Menschen in die Anderwelt gelangen können. Das eins ins andere überlappt. Sehr interessante Weltensicht.

Vllt gab nicht nur eine Jenseitsvorstellung?

Wir haben Hinweise auf Ahnenkult und Vergöttlichung von Ahnen. Vllt werden manche nicht alle zu Ahnengeistern. Wir haben Grabbeigaben, die evtl. von einer Vorstellung zeugen, das die Toten zu einem anderen Ort reisen. Denke ich u.a. an die verhüllten Inventarien mancher Grabkammern. Ceaser spricht ggf. von Widergeburt nach einer Anzahl von Jahren (könnte man zumindest so auslegen: "Der Kernpunkt iherer Lehre ist, das die Seele nach dem Tod nicht untergehe, sondern vom einen nach dem Tod zum anderen wandere...").

Das der Tod bei den Kelten verschiedene Stadien umfassen könnte, drückt für mich auch Lukan aus: "Wenn das, was ihr singt, richtig ist, so ist der Tod nur die Mitte eines langen Lebens"

Allerdings mögen unterschiedliche Anderwelt/Jenseitsvorstellungen variieren je nach Zeit und Region...
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Re: Bei Teutates!

Beitragvon Sedocoinios » Mi 20. Mai 2015, 09:17

Die Anderswelt ist halt nicht nur eine andere Welt sondern durchdringt die unsere... Handlungen in der Anderswelt werden in unserer gespiegelt und umgekehrt...

insofern ist die Anderswelt nicht nur die Welt der Toten sondern ein größerer Teil der gesamten welt der sich uns normalen Menschen aber nur zum 'Teil erschließt, die wir nur in kleinen Stücken fassen können... das ein Mensch in der Anderswelt wandert kommt vor, ist aber stets ein besonderes Ereignis... den Göttern hingegen stehen offenbar beide Welten jederzeit offen... sie können nach belieben in unserer Welt agieren oder Ereignisse in unserer Welt hervorrufen oder steuern, während uns die Anderswelt, bis auf kurze Besuche, weitgehend verwehrt ist.
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Re: Bei Teutates!

Beitragvon Vailos » Do 21. Mai 2015, 20:05

Dem stimme ich absolut zu, Samonios!

Torc hat geschrieben:Gibt es auch eine Quelle dazu, Vailos?
Soweit ich weiß gab es ursprünglich auch keine Vorstellung von einer Art Unterwelt bei den Römern, das kam dann erst später, wobei es nie eine wirkliche Trennung gab zwischen den Welten.
Könntest Du auch weiter ausführen, wie man sich dieses "anders da sein" vorstellen muss?


Ich bin hier noch eine Antwort schuldig.

Nein, Eine direkte Quelle kann ich dir nicht nennen, es ist ja schließlich eine persönliche These von mir. Die ich aufgrund von Zusammenfassungen wissenschaftlicher Betrachtungen und ethnologischen Beobachtungen heutiger anderer Kulturen stelle.

Das "anders da sein" ist der Versuch einer beschreibung, wie die Ahnen unter uns weilen und Bestandteil unseres Lebens sind. Sie sind nicht mehr physisch da, aber dennoch ein Teil unseres Geistes. Weiß nicht so recht, wie ich es nbesser formulieren kann....

Wir müssen ja immer beachten, dass wir es immer noch mit einer für uns völlig fremden Geisteswelt zu tun haben.
Die Sicht, die wir auf die Kelten haben, sagt mehr über uns aus, als über die Kelten selbst.


Ich bin glücklich. So einfach ist das.
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Re: Bei Teutates!

Beitragvon Sucher » Do 21. Mai 2015, 21:04

Vielleicht kommen wir weiter, wenn wir das Gesetz der Energieerhaltung mit einbeziehen?

Unser Organismus verfällt, wenn wir gestorben sind. Die ihm innewohnende Energie geht an die Natur zurück; wird Wärme, Humus, Nahrung.
Was geschieht mit der Energie unseres Geistes?

In der Medizin haben wir kapiert, dass Geist und Körper eine Einheit bilden. Die Psychosomatik ist ein schönes Beispiel dafür.

Im Glauben scheinen wir noch nicht so weit zu sein........
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Re: Bei Teutates!

Beitragvon Torc » Do 21. Mai 2015, 21:36

Okay, dann macht es ja nichts, wenn da unsere Meinungen etwas auseinander gehen, Vailos. ;)

Ich denke ich verstehe schon wie Du das meinst, ich denke sogar, dass unsere Ansichten da nicht so weit entfernt sind, wenn ich mir mal meinen praktizierten Ahnenkult anschaue.

Der Energiekreislauf ist da sicher von Bedeutung, Sucher. Aber ob Körper und Geist EINE Einheit bilden, auch nach dem Zerfall des Körpers? Hmmm... das ist eine sehr schwierige und philosophische Frage, für die es sicherlich keine allgemeine Antwort gibt.
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Re: Bei Teutates!

Beitragvon Sucher » Fr 22. Mai 2015, 09:08

Torc hat geschrieben:Aber ob Körper und Geist EINE Einheit bilden, auch nach dem Zerfall des Körpers?


Das muss ja nicht notwendigerweise so sein, Torc.
Ich wollte in erster Linie damit zum Ausdruck bringen, dass auch der Geist nicht verloren gehen muss. Und wenn der noch aktiv bleibt, weil er eben nicht verloren geht, dann könnte eine Anderswelt durchaus sein Aufenthaltsort sein. Vielleicht ohne den Körper?
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Re: Bei Teutates!

Beitragvon Sedocoinios » Fr 22. Mai 2015, 11:44

Dann werfe ich jetzt mal ein altirisches Ding mit ein, ja?

"eine übergreifende Geburt die den Lauf der Natur überwunden hat und auf wundersame Art von Adam durch alle Zeit bis zum Weltenschicksal andauert.Es bringt das Wesen einer Geburt an ein jedes Wahres Ding bis hin zum letzten einsamen Menschen (i.e. die letzte lebende Person am Rande des Gerichts"

Das Zitat ist aus dem Sanas Cormac und beschreibt das was die alten Iren ein "Tuirigin" nannten...
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Re: Bei Teutates!

Beitragvon Sirona » Fr 22. Mai 2015, 14:28

Um nochmal auf das Wesen der Anderswelt zurückzukommen und welche Denkweisen sich dahinter vllt zeigen, finde ich folgendes Zitat sehr interessant:

"Um in diese Welt hineingeboren zu werden, muss man zuvor in der Anderswelt sterben und umgekehrt." Philostratus von Tyana 2. Jahrh. u.Z. über die Kelten

Dieser griechische Philosoph beschreibt, "das bei den Kelten die Feier einer Geburt von der Trauer über den Tod in der Anderswelt begleitet wurde und das sie den Tod im Hinblick auf die dazugehörige Geburt in der Anderswelt freudig begrüßten". (aus "Die Druiden" von Berresford Ellis)
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