Von den Göttern und der Welt

Öffentlich einsehbar! Was historisch bei den alten Völkern nachzuweisen ist und als Grundlage für Rekonstruktionen dienen kann.
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Re: Von den Göttern und der Welt

Beitragvon Vailos » Mi 6. Nov 2013, 19:56

Kei Problem ;)
Ich hatte bisher auch geglaubt, dass Salustiger vor allen ein Ding der Griechen gewesen sei. Und er wurde mir auch sehr unschmackhaft gemacht, weil es da so einen bestimmten, sehr nervigen Hellenismusanhänger gab, der mir immer Zitate um die Ohren gehauen hat.
Mittlerweile habe ich aber erkannt, dass das Ding tatsächlich sich nicht auf einen bestimmten antiken Teil, in diesem Fall die Griechen beschränkt, sondern sich Gedanken insgesamt zum Polytheismus gemacht hat, also auch dem römischen, gallorömischen, germanischen usw. Was ja in der Antike sowieso nie so getrennt wurde, wie wir es heute tun.

Und bin halt neugierig, wie ein Polytheist in der Spätantike Polytheismus sieht und auffasst, welche Weiterentwicklungen es damals schon gegeben hat.

Vieles, was Sal, der Lustige formuliert, kommt mir nämlich verdammt bekannt vor, und könnte unseren heutigen Auseinandersetzungen entstammen...

Ich finde es ein spannendes Entdecken, woraus man vielleicht auch was für uns heute lernen kann. Und sei, dass er Dinge, um die wir heute ringen, längst auf den Punkt gebracht hat.

Aber natürlich - ist nur etwas für Leute, die auch Interesse und Spaß daran haben!
Die Sicht, die wir auf die Kelten haben, sagt mehr über uns aus, als über die Kelten selbst.


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Re: Von den Göttern und der Welt

Beitragvon Sedocoinios » Mi 6. Nov 2013, 20:43

Absolut meins. Ich halte nichts davon alles was arrogant, elitär und dualistisch zu sein scheint auf die armen Christen zu schieben... da muss man sich doch fragen woher haben dies denn? Von den Juden? Oder doch eher von den pöhsen Römern?

Ich finds gut und interessant die alten Platoniker, Stoiker und Epikureer zu lesen... keltisch? Ob etwas keltisch war war den Kelten damals glaube ich Wurst.
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Re: Von den Göttern und der Welt

Beitragvon Vailos » Do 7. Nov 2013, 08:16

III


Von den Mythen, dass sie göttlich sind, und warum

Es ist die Frage, warum die Alten diese Erkenntnisse beiseite ließen und sich der Mythen bedienten. Diese Frage verdient, untersucht zu werden. Zuerst haben sie den Nutzen, dass ihr Inhalt untersuchbar ist und den Geist beschäftigt.
Die Göttlichkeit der Mythen kann aus der Eigenschaft derer bewiesen werden, welche sie erschufen. Es waren begeisterte Dichter, die Weisesten der Philosphen, welche in die Geheimnisse einführten, und von den Göttern selbst in ihren Offenbarungen. Zu untersuchen ist jedoch die Frage, warum Mythen göttlich sind, und es ist Aufgabe der Philosphen, dies zu untersuchen. Weil alle Wesen jenes lieben, welches Ähnlichkeit mit ihnen hat, und eine Abneigung gegen jenes hat, was ihnen unähnlich ist, so muss die Vorstellung von dem Göttlichen ihnen ähnlich sein, damit sie ihnen gewogen sind, die Gnade dieser Wesen denen zuteil wird, welche sie benennen. Dies konnte nur über die Mythen geschehen.
Nun vertreten die Mythen die Götter selbst und die Güte der Götter - abhängig immer von dem Unterschied des Beschreibbaren und des Unbeschreiblichen, der Erkenntnis und dem Verborgenen; das, was klar ist, und das, das versteckt ist. So teilen die Götter allen Menschen ihr Wirken und Anwesenheit mit, welche mit den Dingen verknüpft sind, und haben nur den verständigen Menschen das geistige Vergnügen vorbehalten.

Sie stellen also das Wirken der Götter dar. Für den Einen stellt sich die Welt als Mythos dar, in dem Körper und Ding sichtbar sind, Verstand und Seele jedoch verborgen. Ausserdem erzeugt der Wunsch, die ganze Wahrheit über das Göttliche zu lehren, tiefste Verachtung bei den Törichten, welche nicht verstehen können und der Eifer zum Verstehen nicht vorhanden ist. Anstatt dass dies die Mythen, welche Wahrheiten verbergen, die Verachtung von Törichten zu verhindern weiß und zum Wohle zwingt, Philosophie zu üben.

Doch nun stellen wir uns die Frage, warum in den Mythen Geschichten von Raub, Ehebruch, Vatermord und dergleichen Absurditäten eingefügt sind. Finden wir hier nicht die Verwunderung darüber, dass die sichtbare Absurdität der Seelen dargestellt wird, die Worte verschleiert und die Wahrheit als ein Geheimnis scheinen lässt?

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Re: Von den Göttern und der Welt

Beitragvon Freyja » Do 7. Nov 2013, 09:33

Samonios hat geschrieben:Absolut meins. Ich halte nichts davon alles was arrogant, elitär und dualistisch zu sein scheint auf die armen Christen zu schieben... da muss man sich doch bfragen woher haben dies denn? Von den Juden? Oder doch eher von den pöhsen Römern?

Ich finds gut und interessant die alten Platoniker, Stoiker und Epikureer zu lesen... keltisch? Ob etwas keltisch war war den Kelten damals glaube ich Wurst.


Das freut mich, Samonios, dass es dir Freude macht. Ich habe nie behauptet, dass die alten Schriften arrogant, elitär oder gar dualistisch sind und das sie sich für mich christlich anfühlen, darf gestattet sein. Es ist meine Empfindung und hat mitnichten etwas mit den "alten" Schriften zu tun. Es mögen hochintelligente Menschen gewesen sein, immerhin waren sie Philosophen, doch ich "persönlich" kann damit nichts anfangen. Es ist eben nicht meine Welt. Ich habe nicht studiert, bin ein ganz einfacher, normaler Mensch dem Werte im Hier und Jetzt wichtiger sind, als alte Schriften. Mir ist das zu hoch und beim Lesen ermüde ich schnell, gerade weil es mir zu komplex ist. Ich bin eben für die einfachen Dinge des Lebens und schwierige Kost war noch nie meins. Doch deshalb mildere ich nicht, die Arbeit, bzw. das, was uns von den alten Schriften übrig geblieben ist. Auch finde ich es toll, dass es Altertumsforscher und Menschen in der heutigen Zeit gibt, die sich damit beschäftigen und uns daran teilhaben lassen. Und das mit dem "keltisch" habe ich ja geklärt. Manchmal ist die Wahrnehmung auf das geschriebene Wort eben gespalten und verwirrt :D
Freyja
 

Re: Von den Göttern und der Welt

Beitragvon Artheduin » Do 7. Nov 2013, 16:59

Vielen Dank für Deine Bodenhaftung, Freyja. Wir sind (fast) alle keine Philosophen, sondern allenfalls Laien und unser Forum ist auch keines mit wissenschaftlichem Anspruch, sondern wir helfen uns mit unseren Erkenntnissen und/oder Erfahrungen gegenseitig auf unserem Weg weiterzukommen.

Nicht falsch verstehen; ich negiere hier niemandens Intention auf wissenschaftliches Arbeiten oder auf wissenschaftliche Philosophie. Ich möchte hier nur unterstreichen, dass wir in allen unseren Bestrebungen alle unsere Mitglieder mitnehmen müssen. Niemand darf aufgrund von unterschiedlichen intellektuellen Ansprüchen (nicht Fähigkeiten!) abgehängt werden.

Für wissenschaftliche Keltologie verweise ich gern auf unsere europäische Koryphäe Prof. Raimund Karl:
http://www.bangor.ac.uk/history/about_the_school/staff/lecture_staff/raimund_karl/index.php.en

Prof. Raimund Karl
School of History, Welsh History and archaeology
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Ray ist für eine Brücke zwischen CR und wissenschaftlicher Keltologie sehr offen.
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Re: Von den Göttern und der Welt

Beitragvon Werdandi » Do 7. Nov 2013, 17:09

Weisst du Arti, (sorry aber der ganze Name ist so ungewohnt, nicht böse sein), ich finde es prima, daß Du auf Ray verweist und auch den Brückenschlag zwischen Herz und Verstand. Danke Dir sehr.

Anál nathrach, orth’ bháis’s bethad, do chél dénmha
das wyrd schon
Ich bewahre meinen Glauben, bis der Himmel auf mich fällt und mich zerschmettert, bis die Erde sich öffnet und mich verschlingt, bis das Meer über mir zusammenschlägt.
Erst wenn die Drachen wieder frei fliegen ist mein Tun in dieser Welt beendet. Dann kehre ich heim zu Dir um die Fäden des Schicksals neu zu weben.
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Re: Von den Göttern und der Welt

Beitragvon Artheduin » Do 7. Nov 2013, 17:27

Werdandi hat geschrieben:Weisst du Arti, (sorry aber der ganze Name ist so ungewohnt, nicht böse sein)............


Damit kann ich leben! :D

"Flüstermodus an" Da sind wenigstens nicht soviel L im Nick :lachtot: "Flüstermodus aus"
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Re: Von den Göttern und der Welt

Beitragvon Vailos » Do 7. Nov 2013, 18:47

Ich hatte in einem anderen Forum den Fall, dass es ständig zu Auseinandersetzungen zwischen der "wissenschaftlichen Fraktion" und der "Herzfraktion" gekommen ist.
Die "Herzfraktion" argwöhnte stets, dass die Leute, die sich sehr wissenschaftlich mit Glaube, Ursprung usw auseinandergesetzt hat, sie als nicht "wahrhaftig Gläubige" ansieht. Dass ein wirklicher Heide mindestens die theologischen Grundlagen von Aristoteles bis Montaigne, und sämtliche Quellen über Germanen und Kelten herunterrasseln können muss, damit er ein wahrhaftiger Heide ist.

Das ist natürlich vollkommener Unfug.

Leider war es so, dass sich Leute, die einfach nicht mehr mitkamen, oder auch keinen Kopf für solche tiefsinnigen Sachen hatten, sich zurückgesetzt fühlten. Und dementsprechend wurden sie auch teilweise trotzig und aggressiv.

Und das ist auch sehr bedauerlich.

Mich würde sehr freuen, wenn bei uns die gute Tradition weiterlebt, dass BEIDES seinen Platz hat und haben muss. Und bin da aufgrund der vorausgegangenen Aussagen sehr zuversichtlich.

Denn erstens ist es ja so, dass jemand wie ich, der sich eben gerne Gedanken zu so etwas macht, nicht schlauer ist, als irgendjemand hier. Und zweitens findet der Glaube auch bei mir und den etwas „wissenschaftlicher“ orientierten Leuten genau da statt wie bei allen anderen auch. Im Herzen.

Für mich ist das eben ein Steckenpferd, ich mag es, zu forschen, Philosophien zu ergründen, mich mit schwierigen wissenschaftlichen Texten auseinanderzusetzen. Und wo sollte ich mein Steckenpferd teilen, wenn nicht hier.
Ich freue mich über jeden, der da ein bisserl mitgehen möchte, ich bin aber auch überhaupt nicht böse oder enttäuscht, wenns keiner mag.

Und insgesamt stelle ich einfach fest: Auch wenn Saluschtios sicher die Meisten hier nicht anspricht – für eine nette gepflegte Unterhaltung war er doch schon einmal gut. Das war die bisherige Arbeit auf jeden Fall wert.
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Re: Von den Göttern und der Welt

Beitragvon Sedocoinios » Fr 8. Nov 2013, 13:36

Danke Vailos, ich schliesse mich an!
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Re: Von den Göttern und der Welt

Beitragvon Sirona » Mo 11. Nov 2013, 20:25

Im Recon bin ich immer sehr froh, das sich Leuts mit komplexeren Sachverhalten auseinandersetzen und dieses Wissen uns allen zur Verfügung stellen! Sicher trägt jeder irgendetwas bei, was ich an dieser Bewegung auch liebe. Aber man muss auch gerecht sagen, einige machen das mehr als andere und machen sich die Mühe, das auch noch für alle aufzubereiten. Das finde ich großartig und wollte das nochmals hier betonen.

Auch wenn ich nicht immer gleich Zugang finde ist das Nette ja an Foren und Threads, das sie sich über die Zeit entwickeln können. Herz hin oder her schöpft der Recon nah der Quellen. Das ist ein Grundsatz, der nicht trennt sondern in einem sowohl als auch Prinzip verstanden werden sollte. Ich bin da für jeden dankbar, der da was fördert unabhängig, ob ich damit immer was anfangen kann oder nicht.
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