Keltische Lebensart, keltische Kultur?

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Keltische Lebensart, keltische Kultur?

Beitragvon Torc » Fr 1. Mai 2015, 23:16

Die Kelten spielen in unserem religiösen Leben eine große Rolle, aber wie sieht es mit dem völlig profanen Alltag aus?

Ist Eurer Meinung nach eine keltische Lebensweise oder Kultur heute existent oder überhaupt möglich? Wenn ja, wie äußert sich diese, mal ganz abseits des Religiösen? Wer von Euch würde seine Lebensweise und Kultur denn als keltisch betrachten?
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Re: Keltische Lebensart, keltische Kultur?

Beitragvon Sucher » Sa 2. Mai 2015, 12:12

Bei uns zu Hause kannst Du sowohl keltische Lebensart als auch keltische Kultur von heute erleben. Sowohl im Alltag als auch, wenn wir gern gesehene Gäste bei uns haben.

Ich sage das nicht nur so dahin. Wir leben das.
Näheres kannst Du übrigens der Präambel zur Satzung des Celtoi e. V. entnehmen. Und unseren selbstgewählten keltischen Tugenden. Letztere versuchen wir alle zu leben; klappt nur nicht immer.
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Re: Keltische Lebensart, keltische Kultur?

Beitragvon Torc » Sa 2. Mai 2015, 15:18

Naja, die Präambel ist da doch irgendwie nichtssagend. Mir geht es hier ein bisschen um Spezifizierung und nicht nur pauschale Aussagen. ;)

Was ist denn zum Beispiel keltisches Brauchtum von heute und damals? Was sind denn Werte, die wir als keltisch betrachten können? Also da muss man nu schon etwas genauer werden, was man meint.
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Re: Keltische Lebensart, keltische Kultur?

Beitragvon Sedocoinios » Sa 2. Mai 2015, 21:37

Gute Frage... was meinst du denn damit? Muss ich mir meine wohnung mit geschmacklosen Knotenmuster-tüchern schmücken und grässlichen Pagan-Metal oder kitschigen Folk hören... ist das "keltische Lebensweise"?

Muss ich meine Kinder mit 14 einem Initiationsritus unterziehen, darf ich meine Mutter, falls sie verwitwet ist, zwangsverheiraten? Soll ich meine Freundin als kleines dummerchen bezeichnen?

Du merkst, die Frage stößt mir ein wenig auf... wir sind kein Reenactment Verein der die alten Kelten nachspielt und wir wollen auch nicht die keltische Kultur von 50 v.Chr. zurückholen... was meinst du also genau mit deiner Frage? Wir haben keine heiligen Schriften, keinen Koran ,der uns genaue Verhaltenseisen vorgibt... nichteinmal Veden. Ich weiß malso erstmal noch garnicht genau was du eigentlich meinst mit deiner Frage...
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Re: Keltische Lebensart, keltische Kultur?

Beitragvon Torc » Sa 2. Mai 2015, 22:59

Ist Eurer Meinung nach eine keltische Lebensweise oder Kultur heute existent oder überhaupt möglich? Wenn ja, wie äußert sich diese, mal ganz abseits des Religiösen?

Sind doch eigentlich zwei simple Fragen, ich will also DEINE Meinung zu diesen zwei Fragen hören bzw. DEINE Antwort auf diese. Dass wir ein Reenactment Verein sind oder die Kultur von vor zig hundert Jahren hochholen, davon ist hier also keine Rede, es geht um das hier und jetzt.
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Re: Keltische Lebensart, keltische Kultur?

Beitragvon Sucher » So 3. Mai 2015, 10:47

Ich bin sicher, Dir erschöpfende Auskunft gegeben zu haben. Zumindest so erschöpfend, wie das hier im Internet möglich ist.
Ich habe aber auch dazugeschrieben, an welchem Platz ich Dir besser mit Informationen dienen könnte.
Es gibt Dinge, die mit ein paar getippten Buchstaben nicht zu erledigen sind.
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Re: Keltische Lebensart, keltische Kultur?

Beitragvon Rabenvogel » So 3. Mai 2015, 13:54

So jetzt will ich auch mal meinen Senf dazu geben. War mir mit den Tablet einfach zu kitzlig.

Was ist keltische Lebensart und keltische Kultur Heute im Jahr 2015? Wir leben nicht mehr in einer Zeit da die Kelten hier eine der großen und bestimmenden Kulturräume (es war ja alles andere als einheitlich) waren. Unsere Gesellschaft und auch Kultur wurde sehr stark durch das Christentum geprägt und dann durch die Aufklärung geläutert. Heute haben wir zudem immer mehr Einflüsse von Außen, aber auch immer mehr Dinge von Innen die wieder neu entdeckt bzw. wieder belebt werden. Doch auch wenn wir Heute etwas Altes wieder neu beleben, so bedeutet das eben nicht das wir es 1:1 umsetzen können. Es bedeutet das wir eine moderne für die heutige Zeit und Gesellschaft, ja die heutige Ethik passende Form entwickeln müssen. Alles andere wäre zutiefst reaktionär! Und das würde ich dann auch aus vollem Herzen und mit aller Kraft ablehnen!

Persönlich bezieht sich der keltische Teil im Leben für mich selbst vor allen auf meinen Glaubensweg. Aber eben auch auf die Menschen die ihn mit mir gehen. Ich persönlich brauche nicht überall keltische Symbole, Amulette etc. Den es ist mein Glauben der für mich diesen Weg ausmacht. Und es sind für mich die Menschen die diesen Weg mit mir gehen die diesen Weg ausmachen. Den eines haben mir die Jahre sehr gut gezeigt. Eine Gemeinschaft aus Menschen die man auch regelmäßig direkt sieht, denen man in die Augen blicken kann, ist um Welten mehr wert als ein reines Forum oder ähnliches. Das ist jetzt nicht gegen unser Forum hier gerichtet, aber ohne die Persönlichen Treffen die sich aus unserem Gemeinsamen Weg ergeben haben, wäre das Forum für mich recht wenig wert. Meine Ethik ist nebenbei stark humanistisch (nicht antireligiös) geprägt, aber das passt sehr gut zu den Werten welche wir uns erarbeitet haben.
Daheim in Schönbrunn im Kleinen Odenwald, zwischen Neckar und Kraichgau.

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Re: Keltische Lebensart, keltische Kultur?

Beitragvon Sedocoinios » So 3. Mai 2015, 16:12

Ich für meinen Teil sehe mir andere moderne Religionen an... wie leben Taoisten, Shintoisten, voodoo-People oder Hindus heute und wie verbinden sie ihre ererbte alte Religion mit der modernen welt.

Die keltische Religion ist ausgestorben, wird seit einigen hundert Jahren aber in verschiedenen Interpretationen wiederbelebt.

Eine unserer Thesen im alten Celtoi net war die, daß wir heute nur als celtoi leben können ,wenn wir uns Gedanken darüber machen, wie die alte Religion heute aussähe ,wäre sie nicht ausgestorben... daher der Vergleich zu lebenden vorchristlichen bzw. außerchristlichen Traditionen. Ich empfinde diesen Ansatz nach wie als den praktikabelsten und vernünftigsten. Er bedeutet aber auch in wesentlichen Punkten von der antiken Gesellschaftsform als Vorbild abzurücken... das finde ich auch richtig und wichtig so. Nur weil ich mich nicht als Christ oder Atheist begreife sondern mich eher im vorchristlichen verordne, muss ich deswegen nicht in Atavismus zurückfallen. Altheiden und Völkische werden daher bestreiten ,daß meine "keltische Religion" "true Celtic" ist. Nun, sollen sie. Die Götter werden es am besten wissen und bisher scheinen sie meinen Ansatz gutzuheißen... jedenfalls habe ich noch keine negative Rückmeldung von ihnen vernommen... ganz im Gegenteil, sie haben mich die letzten Jahre überreich gesegnet. Ich verstehe das als Beweis gegenseitiger Freundschaft.
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Re: Keltische Lebensart, keltische Kultur?

Beitragvon Sirona » Mi 6. Mai 2015, 18:48

Interessante Fragestellung. Das läßt mich überlegen was ist eigentlich "keltisch" und was ist Kultur?

Kultur umfasst alles was von Menschen gedacht und geschaffen werden kann. Wiki definiert finde ich sehr schön Kultur als das "lebendige Selbstverständnis von Menschen ihrer jeweiligen Zeit".
Die Kelten waren die Kulturträger der Hallstatt- und Latèneperiode. Sie waren nicht einfach plötzlich da sondern sind aus früheren Kulturen hervorgegangen. Genauso wie Kulturen ihnen nachgefolgt sind.

Gerade dieses Nachfolgen war und ist ein Prozess wechselseitiger Beeinflussungen. Kultur ist m.M. nie etwas in sich abgeschlossenes. Reste keltischer Kultur lassen sich bis in die Gegenwart finden beispielsweise in Form von Sprache und Kunst. Heutige moderne Kunst schöpft durchaus mit aus dem reichen Motivschatz der Hallstatt- und Latènezeit.

Uns sind auch Spuren der Mythologie der Kelten erhalten geblieben. Sie erzählen uns dabei auch etwas über ihre Denkweisen. Nicht alles kann ich 1:1. übertragen. Darauf haben bereits meine Vorschreiber hingewiesen und ich denke das, das Torc ebenso nicht vorhat mit seiner Frage in Bezug auf keltische Kultur für uns heute. Mir ist besonders in Fragen von Ethik und Moral bewußt, das diese eine lange Zeit der Reife über die Jahrtausende benötigt haben. Menschen aller Zeiten und überall auf der Welt haben daran mitgewirkt bis heute.

Wenn ich über die Mythen beispielsweise in Form der Heldengeschichten nachdenke, dann in dem Sinne, das sie mich zu neuen Deutungen inspirieren. Der Heldenmut eines Cú Chulainn inspiriert mich im Umgang mit eigenen schwierigen Aufgaben und Situationen. Was aber in diesem Sinne sicherlich nicht mehr das Gleiche ist wie zum Zeitpunkt der Entstehung dieser Geschichten.

Um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen: Ich würde "leben keltischer Kultur" gar nicht mehr so eng fassen wollen sondern lieber in einen Gesamtzusammenhang menschlicher kultureller Entwicklung stellen und dabei mehr auf Inspiration setzen wollen.

Oder anders ausgedrückt: Vllt kommt es auch einfach darauf an welche Prämisse ich voranstelle? Vllt bin ich schon deshalb heute "keltisch" weil ich mich mit ihrer Kultur befasse und inspirieren lasse? So wie sich auch andere inspirieren lassen wie die von Samonios erwähnten und für ihn unsäglichen Pagan Metal Künstler? ;)

Das Torc uns danach fragt, erinnert mich an meine eigenen Anfänge und Suchhaltung...
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Re: Keltische Lebensart, keltische Kultur?

Beitragvon Torc » Mi 6. Mai 2015, 21:42

Ich glaube ich muss hier noch einmal ansetzen. Natürlich geht es hier nicht darum Altes in die Moderne zu zwängen, wo es nicht hingehört, das ist hier gar nicht meine Intention. Kultur ist nichts statisches oder geschlossenes, ich denke das ist mir bewusster als manch anderem. Aber inwiefern schließen wir an die Kultur unserer Ahnen an, auf die wir uns in religiöser Sicht beziehen? Gibt es diese Schnittstellen abseits des Religiösen überhaupt, bzw. betrachtet man sie als solche oder nicht. Und "true keltisch" gibt es sowieso nicht, dies anzustreben ist mehr als irrsinnig.

Es geht mir hier eher um die Frage, um das mal anders zu formulieren, inwiefern wir unsere alltägliche profane Kultur von der der Kelten inspirieren lassen.
Ich möchte hier einmal ein mich betreffendes Beispiel anfügen, um das ganze etwas bildhafter zu machen.
Als ein sprachenbegeisterter Mensch, der sich auch relativ viel mit Linguistik und Sprachen im allgemeinen beschäftigt, spielt Sprache für mich eine große Rolle, nicht nur in der Kommunikation, sondern auch im Weltverständnis. In der Sprache lassen sich so viele Eindrücke der Kultur finden, manche zeigen sogar ein ganzes Weltbild auf. Man nehme nur mal die zwei gallischen Wörter für Hügel und Erdloch, sie sind die selben für Brust und Ohr. Man identifiziert begrifflich Teile des Menschen mit Erscheinungen der Natur, das sagt schon eine Menge aus. Mit dem Sprechen und dem Verständnis einer keltischen Sprache der Moderne wohnt mir schon ein großer Teil kulturelle Identität keltischer Prägung inne, eine Sprache ist nicht nur Vermittler zwischen Menschen, sondern zwischen dem Individuum und der Umwelt, man begreift sie durch unterschiedliche Sprachen auch völlig unterschiedlich, das ist vielen oft gar nicht bewusst.

Sucher sprach die Tugenden ja schon an, was hat es damit auf sich, sind die nicht auch keltisch inspiriert? Natürlich ist Kunst jetzt so eine Sache, ich bin handwerklich nicht begabt und deshalb auch nicht dazu in der Lage solche Sachen anzufertigen noch gewillt soetwas großartig zu tragen (außer einen Torques, den ich mir auch selbst machen werde). Aber inwiefern orientiert sich unser Denken, unser Verhalten, unser tägliches Brauchtum wie eben die Tugenden (Stichwort Gastfreundschaft, oder gutes Betragen als Gast) an dem, was wir uns von unseren Ahnen zum Vorbild nehmen können.
Initiationsriten sind ein schönes Thema, auch wenn manch einer nicht viel von halten mag, sind sie doch wichtig finde ich.
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