War der gallische Krieg in Wahrheit ganz anders?

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War der gallische Krieg in Wahrheit ganz anders?

Beitragvon Sedocoinios » Do 18. Sep 2014, 08:00

Durch viele Diskussionen im Geschichtsforum habe ich mich wieder dem Thema gallischer Krieg zugewand und möchte, nach etwas Recherche, eine Theorie von mir anbieten nach der Ich den gallischen Krieg nachträglich etwas anders interpretiueren möchte...

Cäsar war in seinen Büchern immer darauf bedacht sich als patriotischen römischen Republikaner und genialen Feldherrn und Strategen darzustellen... wir erfahren allerdings vieles nicht was in Wahrheit hinter den Kulissen ablief und was ins Feld der Diplomatie, des Verrats und derpolitischen Intrige gehört...

Daher stelle ich einmal folgende provokante These auf: ..

er war nicht so sehr nicht so sehr aeine geniale Eroberung Cäsars (die er natürlich auch war) sondern eher ein genialer politischen Putsch Cäsars mit Hilfe verbündeter gallischer Aristokraten von innen gegen die zur damaligen Zeit vorherrschenden gallischen Adelscliquen, deren Häupter und Gefolgsleute er geschickt ausschaltete und mit Emporkömmlingen ersetzte, die Cäsar zwar für seine Unterstützung Dank schuldeten, aber mit ihrer neuen Position alles in allem zufriedener waren als mit ihrer vorherigen Stellung in der zweiten Reihe.

Ich habe mal einige Quellen genauer rausgesucht... nominell ist der Status Galliens nach der Eroberung durch Cäsar etwas schwammig... esxwar je nach definition erobertes oder befriedetes und daher an den Statthalter der Narbonensis abgabenverpflichtetes Gebiet offiziell in neue Provinzen eingeteilt wurde die Comata erst durch Augustus der aus ihr die drei offiziellen Provinzen Lugdunensis, Belgica und Aquitania machte... vorher scheint die Comata keinen eigenen Statthalter gehabt zu haben und wurde wie es scheint vom Statthalter der Narbonensis mitverwaltet...

in wie weit man sich dies vorstellen muss werde ich versuchen etwas genauer aufzuschlüsseln...

z.B. prägten zumindest die Veneti der Aremorica und die Nervii weiterhin eigene Münzen, was auf eine gewisse politische Selbstständigkeit hindeutet, nach Strabon hatten auch die Vocontii und Volcae eine gewisse Autonomie... desweiteren scheint Gallien wirtschaftlich nach Cäsar aufgeblüht zu sein... Die Zollstreitigkeiten zwischen Aedui und Sequani die den Verkehr auf der Saone gelähmt hatten waren beendet so ,daß nun, ohne störende Stammesfehden , ein Fluss- und Seehandel zwischen den größeren Städten sehr gut gedeihte, (Cassius Dio XLIV, 42) ebenso blühten die Allobroger mit iher Stadt Vienna auf...

ich bin mir nicht sicher wann der Landtag von Lugdunum begründet wurde aber später war der dortige Senat der Stämme Galliens scheinbar eine gut funktionierende politische Institution..., Cäsar scheint ein solches gallisches Concilium als zu seiner Zeit bereits existente Institution anzudeuten, da laut ihm Vercingetorix auf einer solchen Versammlung von allen Großstämmen und ihren Klienten Truppenkontingente für Alesia anforderte... sollte dies zutreffen dann hätten die Römer hier sogar eine prä-römische gesamtgallische Institution übernommen und zu ihren Gunsten personell neu besetzt

archäollogisch ist bezeugt ,daß zu dieser Zeit mit römischem knowhow das Strassennetz extrem gut ausgebaut wurde und in allen größeren Städten Bäder und Thermen errichtet wurden...

Zu Cäsars Verbündeten sagt Sueton etwas interessantes... die tüchtigeren unter ihnen durften sogar seinen Familiennamen annehmen so ,daß eine eigene neue Aristokratie, die provincialen Julier entstand... daneben wurden fast überall Cäsars Veteranen angesiedelt und diese hatten römisches Bürgerrecht...während ie meisten Gallier als Peregrini galten hatten einige Städte wie Nimes sogar das Ius Latii verliehen bekommen... sogar in Italien selbst scheinen sich Cäsars gallische Günstlinge schnell in hohen Positionen wiedergefunden zu haben "Die Gallier legten ihre Hosen ab und griffen zum breiten Purpurstreifen" (Sueton.Iul.80) sie wurden also Senatoren...

Das alles steht recht übersichtlich bei Birkhan S.234-247...

Eine ausgebeutete Region nit abgeschlachteter Bevölkerung sieht jedenfalls meiner Meinung nach anders aus...

geheime Unterstützung oder Verabredung mit Cäsar waren evtl. sogar Gründe warum sich nicht alle Gallier gegen Cäsar zusammenschlossen und warum sie nicht ihr gesamtes Heer bei Alesia aufgeboten haben... ich vermute sogar ,daß viele Gallier sich entweder bewußt und aus Kalkül von Vercingetorix und seinen Verbündeten fernhielten oder sogar Cäsar aktiv unterstützt haben... für Die Eburonen Piktonen und Atrebaten beschreibt Cäsar quasi zwischen den Zeilen sogar daß diese Stämme offenbar gespalten waren in einen Cäsarfreundlichen und einen Cäsarfeindlichen Teil...selbiges kann man für die Aedui annehmen die, zunächst mit Cäsar verbündet, diesen später verrieten (das wird aber nicht für den gesamten Stamm gegolten haben!)

auffällig ist zudem daß die Remi, Lingones und Treveri sich offenbar nicht am Bündnis gegen Cäsar beteiligten... Cäsar erwähnt auch nach Alesia beim Aufstand des Commius nicht daß ihn größere gallische Kontingente unterstützt hätten, ich gehe aber fast davon aus daß dies doch so war... auffällig ist ja auch ,daß Commius so großzügig begnadigt wurde und sogar nach Britannien auswandern und dort ein eigenes Reich gründen durfte... das ist wohl als Botschaft Cäsars an seine unsicheren Verbündeten zu verstehen.
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Re: War der gallische Krieg in Wahrheit ganz anders?

Beitragvon Schneewoelfin » Do 18. Sep 2014, 10:49

Hi Samonios,


nachdem, wie Cäsar´s Charakter durch die Jahrhunderte der Geschichte ´rüberkommt, halte ich Deine These für ziemlich stimmig. Es kommt mir so vor, wie eine Interpretation des "divide et impera" - "kaufe und herrsche".

LG Schneewölfin
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Re: War der gallische Krieg in Wahrheit ganz anders?

Beitragvon Sucher » Do 18. Sep 2014, 12:17

Vielen Dank für diese interessanten und spannenden Aspekte, Samonios.

Geschichte ist halt auch nicht nur schwarz und weiß...........
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