Rekonstruiertes Gallisch oder Neu-Gallisch?

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Rekonstruiertes Gallisch oder Neu-Gallisch?

Beitragvon Torc » Mo 26. Mai 2014, 22:28

Moin,

dass es schon seit Jahren eine Gruppe gibt, die sich der Rekonstruktion des antiken Gallisch widmet, ist ja bereits bekannt. Vor kurzem ist nun eine Weiterentwicklung der rekonstruierten Trümmersprache zu einem Neu-Gallisch erfolgt. Da mich dieses Thema seit einigen Tagen nicht mehr loslässt wollte ich mal fragen, wie ihr diese Problematik betrachtet. Wäre das Neu-Gallisch eine Sprache, die wir als Celtoi vertreten und verwenden könnten/würden? Inwiefern ist das rekonstruierte Gallisch eigentlich seriös und für uns verwertbar und wenn es bezüglich dieser Aspekte Unterschiede zum Neu-Gallisch gibt, wie äußern sich diese?
Einfach mal von mir aus reger Interesse in die Runde gefragt.

Mich persönlich überzeugen beide, das rekonstruierte Gallisch, als auch das konstruierte Neu-Gallisch, da es meiner Meinung nach auf seriöser Philologie basiert und sich in seiner Weiterentwicklung klar in Analogie zur Entwicklung anderer noch bestehender keltischer Sprachen verhält. Ich denke auch, dass sich diese Arbeit gut mit dem Geist der Celtoi in Verbindung bringen lässt, da es eben Altes neu aufgearbeitet und für uns zur Verfügung stehend ist, womit wir gut arbeiten können. Ich bin der Überzeugung, dass das Neu-Gallisch eine sehr gute Alternative zu irischem Gälisch, Walisisch oder Bretonisch z. Bsp. darstellt, die wir in unserem Alltagsleben als Celtoi gut verwenden können, um unsere Gebete darin zu verfassen und zu sprechen, oder einfach schöne Lyrik zu verfassen für die Begabten unter uns. :D

Was meint ihr dazu? Hier der Link zur Seite des Neu-Gallischen: http://www.moderngaulish.com/homepage
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Re: Rekonstruiertes Gallisch oder Neu-Gallisch?

Beitragvon Sucher » Mo 26. Mai 2014, 22:37

Das alte Gallisch hat für mich einen eigenartigen Reiz. Den empfinde ich immer wieder, wenn ich damit in Berührung komme.

Mehr allerdings nicht.

Mir würde es im Strumpf nicht einfallen, meine Zwiesprache mit den Göttern in einer anderen Sprache, als meiner eigenen zu führen. Nur in meiner Alltagssprache bin ich autentisch. Außerdem lebe ich im Jahre 2014 in Deutschland. Warum, um des Himmels Willen, soll ich jetzt auf einmal in einer Sprache kommunizieren, die von fast allen, die mich umgeben, nicht verstanden werden kann und wohl auch nie verstanden werden wird?

Das käme mir fast genau so vor, wie das Latein der christlichen Priester, die damit eine Exklusivität dem gemeinen Volk gegenüber hervorkehren wollten.

Auch die großbürgerlichen Schichten des letzten und vorletzten Jahrhundert verwendeten Latein und Altgriechisch als "Geheimsprache", um sich den "gewöhnlichen" Menschen gegenüber abzugrenzen.

Nein. Das ist nicht Meines. Fühle Dich aber durch meine Meinung bitte nicht gekränkt. Denke einfach darüber nach, was nötig ist und was uns weiterbringt. Dann wird daraus etwas.

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Re: Rekonstruiertes Gallisch oder Neu-Gallisch?

Beitragvon Werdandi » Mo 26. Mai 2014, 23:13

ich kann da Sucher nur beipflichten. Wer Sprachen mag und sich dafür interessiert:finde ich prima! Aber warum sollte mein Glauben von einer Sprache abhängig sein oder umgekehrt? Ich persönlich denke, daß meine Götter mich auch ohne Worte verstehen ;) und das manchmal viel besser,als mir lieb ist ;)

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Re: Rekonstruiertes Gallisch oder Neu-Gallisch?

Beitragvon Sirona » Di 27. Mai 2014, 07:22

Für mein Morgenritual benutze ich eine rekonstruierte gallische Grußformel an Nemetona bei deren Übersetzung mir McClaudia geholfen hat. Ich mag sie bes. gerne chanten. Im rituellen Sinne passt das aus bestimmten Gründen für mich gut. Ansonsten bleibe ich aber bei meiner Alltagssprache. Ich bin ehrlich mir wäre das ansonsten auch zu kompliziert bin ich nicht sprachbegabt. Auch die Argumente meiner Vorredner sehe ich ähnlich. Aber im Rahmen bestimmter Ritualelemente könnte ich mir das gut vorstellen und würde mich auch nicht überfordern. Meine kl. Grußformel habe ich z.B. so verinnerlicht das ich sie gar nicht mehr bewußt übersetzen muss.
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Re: Rekonstruiertes Gallisch oder Neu-Gallisch?

Beitragvon Vanatrix » Di 27. Mai 2014, 16:05

Aber warum sollte mein Glauben von einer Sprache abhängig sein oder umgekehrt?


Ich verstehe nicht wie man hier auf Abhängigkeiten oder Beziehungen zum Glauben kommen will. Dass bestimmte Sprachen Träger von heiligen Worten (Mantras, Begriffe, Erzählungen) sind ist doch - vor allem bei kulturspezifischen Religionen - eigentlich völlig normal?

Dass bestimmte Kreise der abendländischen Elite dieses Konzept zur Machtausübung missbrauchen steht auf einem völlig anderen Blatt. Aber das betrifft die Celtois ja (hoffentlich) nicht.
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Re: Rekonstruiertes Gallisch oder Neu-Gallisch?

Beitragvon Torc » Di 27. Mai 2014, 16:16

Ich kann euch durchaus verstehen, es war ja auch nur eine reine Interessensfrage meinerseits. Auch interessierte mich mehr der Aspekt, ob ihr das Neu-Gallisch als authentisch empfindet bzw. "historisch" legitim und somit ohne Bedenken der Authenzität betreffend auch mal für kurze Formeln verwendbar ist, wie diese schöne Formel hier in antikem Gallisch: Issok kanti rissu - Ison sin bissi-et
Luge dessumi-is, Luge dessumi-is, Luge dessumi-is Luxe

Ich wollte auch nicht auf eine Übernahme als Alltagssprache hinaus, sondern so wie Erinn es beschrieb für rituelle Praktiken oder kleine Gebetsformeln.
Für mich persönlich stellt diese Sprache schon einen gewissen Reiz dar, da ich eher sprachlich begabt bzw. begeistert bin. Mag aber vielleicht auch an meiner merkwürdigen Art von Perfektionismus liegen, wegen derer ich mir in den Kopf gesetzt habe eine keltische Sprache zu lernen und zu sprechen. :D

Grüße
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Re: Rekonstruiertes Gallisch oder Neu-Gallisch?

Beitragvon Sedocoinios » Di 27. Mai 2014, 18:02

also gallisch gelernt hab och nie so richtig...

allerdings fühlt es sich "richtig" an überlieferte Formeln zu verwenden und einige unserer Ritualformelnj sind ja neuübersetzungen ins rekonstruierte Gallisch... und die wirken auf gallisch gleich VÖLLIG anders als auf Deutsch... davon abgesehen lassen sich viele Dinge, d.h. Sachverhalte ganz anders verstehen wenn man sich ein wenig mit Philologie befasst, also u.a. vergleichende Sprachwissenschaft betreibt... wir übersetzen z.B. ohne groß nachzudenken Devos als Gott, Mat als Gut, Butus als Welt etc. aber setzt man sich tiefer mit Wortgeschichte und Bedeutungen außeinander kommt man zu Bedeutungen und Subebenen, die so in einer freien deutschen Übersetzung definitiv nicht bestehen.
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Re: Rekonstruiertes Gallisch oder Neu-Gallisch?

Beitragvon Torc » Sa 7. Jun 2014, 12:58

Für alle Interessenten ein von mir geschaffener Anfängerkurs für Neu-Gallisch: http://www.celticcafe.at/index.php?topic=376.0

Schaut mal rein, wenn ihr mögt. ;)

Slánas
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Re: Rekonstruiertes Gallisch oder Neu-Gallisch?

Beitragvon Vailos » So 8. Jun 2014, 07:23

Torc hat geschrieben:Schaut mal rein, wenn ihr mögt. ;)


Ich habe die Ausführungen und die Beschäftigung damit schon im Celtic Cafe gelesen. Und kann mich dieser Aufforderung nur anschließen. Das ist sehr interessant.
Die Sicht, die wir auf die Kelten haben, sagt mehr über uns aus, als über die Kelten selbst.


Ich bin glücklich. So einfach ist das.
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