Das La-Tene Handwerk

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Das La-Tene Handwerk

Beitragvon Bran » Do 24. Apr 2014, 05:21

Das La-Tene Handwerk

Im Gegensatz zu Werkzeugen, die wohl der Lederverarbeitung dienten und Webstühlen, die man fand und demnach rekonstruieren konnte, fand man kaum Leder oder Stoffe.
Da diese aus organischen und daher verfallenden Materialien bestanden wurden von diesen Leder- und Stoffarbeiten, die wohl den Großteil der Handwerkskunst ausmachten zu wenig Funde gemacht um wirklich weitrechende Aussagen zu treffen.

Im Gegensatz dazu gibt es doch zumindest viele Holzfunde so das man sich wenigstens ein recht deutliches Bild von der Arbeit der Zimmermänner und Schreiner machen kann. Mit meist mit einfachen Zapfen und Loch Verbindungen wurden Balken und Bretter, welche wohl mit Keilen aus den gefällten Bäumen herausgearbeitet, verbunden.
Überreste von Toren, Brücken etc. wiesen oft auch kunstvolle Bearbeitungen auf.

Holz wurde aber nicht nur für Bauzwecke verwendet sondern auch für Ausrüstungsgegenstände wie Schalen, Gefäße, Fässer und Waffen- bzw Werkzeugstiele. Bei der Art der Verarbeitung liegt die Vermutung nahe das sie damals auch eine Art "Drechselbank" zur Verfügung hatten.

Bekannt waren damals die Kelten ja auch für ihre Wagen, speziell was die Radherstellung angeht haben sie da eine besondere Glanzleistung entwickelt. Während in der damaligen Welt Felgen zumeist aus mehreren Teilen gefertigt wurden schafften die Kelten es diese aus nur einem Stück zu fertigen, was gute Kenntnisse über die Beschaffenheit der verschiedenen Holzsorten voraussetzt.
In enger Zusammenarbeit mit dem Schmied wurden erst Nabe, Speichen und Radkranz zusammengesetzt, dann brachte der Schmied außen den erhitzten Eisenreifen an, der sich durch das auskühlen zusammenzog und dem ganzen die nötige Stabilität verlieh.
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Re: Das La-Tene Handwerk

Beitragvon Sucher » Do 24. Apr 2014, 07:40

Im "Keltendorf" in Steinbach (Rheinland-Pfalz) wird der Nachbau einer Drechselbank aus keltischer Zeit gezeigt.
Die Funde aus dem unberaubten Fürstengrab von Eberdingen-Hochdorf (Baden-Württemberg) zeigen deutlich, dass unsere keltischen Vorfahren das Feuerschweißen beherrschten.
Darüber hinaus weisen Fundstücke in Reinheim-Bliesbrück (Saarland) darauf hin, dass die Kunst der Zimmerleute sich in den vergangenen 2000 Jahren nicht nennenswert verändert hat.

Wir können nur immer wieder voll Hochachtung auf die handwerklichen Leistungen und Fähigkeiten unserer Ahnen schauen.

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Re: Das La-Tene Handwerk

Beitragvon Vailos » Do 24. Apr 2014, 15:22

Bran hat geschrieben:Bekannt waren damals die Kelten ja auch für ihre Wagen, speziell was die Radherstellung angeht haben sie da eine besondere Glanzleistung entwickelt. Während in der damaligen Welt Felgen zumeist aus mehreren Teilen gefertigt wurden schafften die Kelten es diese aus nur einem Stück zu fertigen, was gute Kenntnisse über die Beschaffenheit der verschiedenen Holzsorten voraussetzt.
In enger Zusammenarbeit mit dem Schmied wurden erst Nabe, Speichen und Radkranz zusammengesetzt, dann brachte der Schmied außen den erhitzten Eisenreifen an, der sich durch das auskühlen zusammenzog und dem ganzen die nötige Stabilität verlieh.


Hier möchte ich ein wenig erweitern. Die Leistung ist unumstritten - aber die Kelten haben die Wagen nicht selbst entwickelt, sondern von europäischen Vorgängerkulturen aus der Bronzezeit übernommen. Die schon erstaunlich kunstfertig waren.

Beispiel:
Bild

Kultwagen von Acholzhausen um 1050 v.KW. (Urnenfelderkultur)

Die ersten Wagen waren schon im 4.Jahrtausend in Europa unterwegs, es gibt entsprechende Abbildungen in der Megalithkultur.


Was übrigens das "einfache" Verbinden mit Zapfungen betrifft: Die Kelten kannten durchaus schon Nägel. Immerhin haben sie ja u. A. Köpfe an Türpfosten genagelt. Der Grund, warum diese Verbindungsart nicht ganz so häufig eingesetzt wurde, wie man erwarten könnte, ist derselbe Grund, warum man auch das Fachwerk bis ins 20 Jh. nicht genagelt, sondern verzapft hat. Verzapfte Verbindungen sind zwar aufwändiger, aber wesentlich dauerhafter und flexibler als genagelte Verbindungen. Und das Zapfen kommt bei dauerhaften Holzverbindungen auch heute noch immer wieder vor, aus den bekannten Gründen.
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Re: Das La-Tene Handwerk

Beitragvon Sedocoinios » Do 24. Apr 2014, 16:01

Ich hab letztens ein Bild einer keltischen Drehbank in der Hand gehabt... auch sowas kannten die Kelten also schon, zumindest in ihrer Spätphase... die ersten Zerspanungsmechaniker!
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Re: Das La-Tene Handwerk

Beitragvon Werdandi » Do 24. Apr 2014, 19:38

Naja..ob das Nutzen von Holzzapfen nur wegen der Dauerhaftigkeit war... eisen war kostbar.Selbst im Mittelalter hat man aus diesem Grund immer noch Nägel aus Holz verwendet.

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Re: Das La-Tene Handwerk

Beitragvon Sucher » Do 24. Apr 2014, 19:53

Bei uns im Ort gibt es Fachwerkhäuser, die 200 Jahre und mehr überstanden haben. Mit Holznägeln und hölzernen Verzapfungen.
Ob das mit metallenen Verbindungen ohne Verzinkung u. ä. auch funktioniert hätte?

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Re: Das La-Tene Handwerk

Beitragvon Vailos » Do 24. Apr 2014, 20:08

Nicht selbsttragend. Weniger, weil sie nicht verzinkt sind, sondern weil Nägel (und auch Holzschrauben!) sich nach einer Zeit durch die Bewegungen der Konstruktion und dem An-und Abschwellen des Holzes bei verschiedenen Feuchtigkeitsgraden wieder selbst heraustreiben. Und dann alles locker wird.
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Re: Das La-Tene Handwerk

Beitragvon Sucher » Do 24. Apr 2014, 20:28

Also ein Plädoyer für Holznägel und Holzverzapfungen, wie sie unsere keltischen und germanischen Ahnen (ihr kennt meine Einstellung dazu?) bereits verwendet haben?
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Re: Das La-Tene Handwerk

Beitragvon Vailos » Do 24. Apr 2014, 21:11

Vor allem ein Plädoyer für gutes und dauerhaftes Handwerk... :^^:
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Re: Das La-Tene Handwerk

Beitragvon Bran » Fr 25. Apr 2014, 05:44

Werdandi hat geschrieben:Naja..ob das Nutzen von Holzzapfen nur wegen der Dauerhaftigkeit war... eisen war kostbar.Selbst im Mittelalter hat man aus diesem Grund immer noch Nägel aus Holz verwendet.


Das stimmt so nicht ganz. Zum einen deshalb:

Vailos hat geschrieben:Nicht selbsttragend. Weniger, weil sie nicht verzinkt sind, sondern weil Nägel (und auch Holzschrauben!) sich nach einer Zeit durch die Bewegungen der Konstruktion und dem An-und Abschwellen des Holzes bei verschiedenen Feuchtigkeitsgraden wieder selbst heraustreiben. Und dann alles locker wird.


Außerdem war Holz in beweglichen Teilen flexibler, Eisen und auch Stahl brach einfach schneller, Legierungen und unterschiedliche Glühverfahren gab es noch nicht in der Qualität von heute. Metalteile mussten immer wieder von Rost befreit und eingefettet werden, was bei eingebauten, oder eingeschlagenen Teilen schlicht nicht machbar war. Auch hätten sich Holzräder auf Metallnarben, selbst mit Schmierung, wie eine Fräse durch das weichere Material gearbeitet, da die Oberflächen bei runden Teilen noch nicht die Qualität hatten wie heute wenn sie von einer Drehbank kommen. Rundschmieden geht, habe ich selber mal gelernt, ist aber kein Vergleich zu einer Drehbank.
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