Keltische Straßennetze

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Keltische Straßennetze

Beitragvon Vailos » Di 15. Okt 2013, 06:43

Eine interessante Untersuchung, in der festgestellt wird, dass die langen, geraden Straßen aus der Keltenzeit mitnichten später von den Römern angelegt wurden, sondern schon vorher von den Kelten selbst. Ein Kurzbericht des britischen „The Telegraph“ ( http://www.telegraph.co.uk/culture/books/booknews/10367457/Roman-roads-were-actually-built-by-the-Celts-new-book-claims.html ), ich habe ihn auf die Schnelle übersetzt (Übersetzungsschwächen bitte ich zu entschuldigen):

Die Befunde von Graham Robb, Biograph und Historiker, stellen 2000 langes Denken über die Eisenzeit Britanniens und Europas und die Stereotypen über die Kelten als barbarische, abergläubische Stämme in Frage.
In Wirklichkeit wären die Druiden, die keltischen wissenschaftlichen und religiösen Führer, die die intellektuell fortgeschrittensten Denker ihrer Zeit waren, diejenigen, die die geraden Straßen des 4. Jh. vor Chr., hunderte Jahre bevor italienische Armeen über den Kontinent marschierten, entwickelten. So die Behauptung.
„Sie hatten ihr eigenes Straßensystem, nach denen die Römer später ihres richteten und darauf bauten“, meint Robb und fügt hinzu, dass die Straßen in GB um das 1. Jh vor Chr überbaut wurden.
„Oft ist sich gefragt worden, wie die Römer es erreichten, den Fosse-Weg, der von Exeter nach Lincoln führt, zu bauen. Sie hätten den Zielpunkt kennen müssen, aber sie eroberten diesen Teil Britanniens erst Jahrzehnte später. Wie hätten sie das bewerkstelligen sollen, wenn sie nicht einer keltischen Straße gefolgt wären?“

Herr Robb, ein früherer Mitarbeiter des Exeter College, Oxford, kam auf diese Theorie bei der Planung einer Radtour , die über Heraklea, eine alte Strecke die tausend Meilen in einer geraden Linie von der Spitze der iberischen Halbinsel in die Alpen führt und dabei auffiel, dass diese entlang von Sonnenwendlinien durch mehrere keltische Siedlungen führt.
Er kartographierte die Positionen hunderter anderer Dörfer und Städte in Frankreich, GB und Irland und fand heraus, dass die Kelten diese als Widerspiegelung des Weges ihres Sonnengottes organisierten, ein Netzwerk schufen, dass den Sonnenwendlinien der Landschaften des Kontinents folgte.
„The Ancient Paths“, die morgen erscheint, behauptet, dass die Druiden Fähigkeiten zur Landkartenherstellung besaßen, etwas, von denen Historiker glaubten, dass sie erst Jahrhunderte später entstanden und vermutet damit „früheste genaue Karten der Welt“. Aber die wissenschaftlichen und mathematischen Erfolge seien lang vergessen worden, da es keine schriftlichen Beweise gibt, und so sei ihre Geschichte durch Stereotypen von Baumbewohnenden Wilden ersetzt worden.
„Dass das alles mit Kelten und Druiden zu tun haben sollte, erschien mir sehr unglaubwürdig, darum verbrachte ich fünf Jahre damit, es nicht zu glauben und es zu widerlegen“, meinte Robb. „Aber - sie waren eine sehr fortgeschrittene Zivilisation“.
„Es gibt einen tieferliegenden Sinn, dass die Zivilisation, die gewinnt, überlegen sein muss, aber so einfach ist es nicht. Sicher gilt den Römern unsere Bewunderung, aber auch ihre Leistungen kamen nicht aus dem Nichts, so wäre es schön, wenn es eine differenziertere Sicht auf die allmächtigen Römer gäbe“


Das Buch von Graham Robb gibt es nur auf Englisch und ich habe es auch nicht gelesen. Ich habe aber starke Zweifel, dass das Anlegen der Straßen irgendwelche mythologischen Vorstellungen aufgreift, sondern sehe da eigentlich eher einen Pragmatismus der Bauingenieure der Kelten.

Wenn man eine große lange Straße baut, braucht man Fixpunkte. Entweder hat man sich an auffälligen Landmarken orientiert, oder eben, wie anscheinend die Kelten, an dem Sonnenlauf. Was es jedoch nicht minder faszinierend macht – auf die Idee muss man erst einmal kommen und diese umsetzen.

Auf jeden Fall zerstört diese Untersuchung tatsächlich ein weiteres Mal das übliche Bild der Keltique, wonach die Kelten in rührseliger Naturverbundenheit in romantischen Dörfern inmitten von dunklen Wäldern lebten. Sie schufen sich Kulturlandschaften, was auch gerade in der französischen Archäologie unbestreitbar nachgewiesen wird.

Ein weiteres Beispiel dieser eindrucksvollen Straßen, die sich über Kilometer schnurgerade hinziehen, findet man auch im Siegerland – die sog. Eisenstraße. Die Verwandtschaft zum britischen "Fosse-Weg" ist unverkennbar, interessant wäre mal die Untersuchung, nach welchen Gesichtspunkten diese angelegt ist.

BildEisenstraße Siegerland

Zum Vergleich der "Fosseway"
Bild
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Re: Keltische Straßennetze

Beitragvon Sedocoinios » Mi 16. Okt 2013, 15:08

Das stimmt :-)

Das ist aber nicht SOOOO neu. Ich hab schon vor über 10 Jahrten ein Buch zum gallischen Krieg gelesen dessen Autorin Cäsars Truppenbewegungen rekonstruiert hatte und dabei von einem voll funktionsfähigen und gut ausgebauten Sraßennetz ausgegangen ist.

Es bricht aber langsam auch in die Köpfe der Leute außerhalb der Fachwissenmschaft bahn...
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Re: Keltische Straßennetze

Beitragvon Sucher » Mi 16. Okt 2013, 17:55

An eine Nachbildung von Sonnensystemen durch Straßennetze glaube ich nicht.

Besiedelte Orte wurden dort gegründet, wo es Wasser gab und wo die klimatischen Verhältnisse die Aussicht auf Überleben versprach und wo wichtige Rohstoffe vorkamen. Dann wurde Vieh gezüchtet, das Land bebaut und Handwerk wurde ausgeübt.
Was nicht selbst verbraucht wurde, ging in den Handel. Was nicht selbst erzeugt werden konnte, aber nötig war, kam durch den Handel.
Handel wiederum benötigt Wege und Straßen. Wege und Straßen verbinden also Erzeuger und Abnehmer: Besiedelte Orte mit den dort wohnhaften Menschen.
Erzeugung von Gütern aller Art und der Handel damit (inklusive natürlich der Transport) ist so alt, wie die Menschheit. So alt sind ergo auch Wege und Straßen. Wie kommt dann nur jemand auf die Idee, dass die Römer das Straßenwesen in Europa "erfunden" haben sollten?
www.abnoba-bogenbau.de

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Re: Keltische Straßennetze

Beitragvon Freyja » Mi 16. Okt 2013, 18:28

Ein alter Keltenweg führt von der A5, kommend vom Süden in Richtung Norden (Kassel), fast direkt an der Autobahn entlang.
Dies war schon zu ewigen Zeiten ein Handelsweg und an der heutigen Raststätte Wetterau war der Umschlagplatz von Waren aus dem Süden und Norden.
Es gibt etliche keltische Wege, die heute noch existieren, in der Wetterau, im Taunus, man beachte nur den heutigen Limes, waren schon zu Keltenzeiten Handelswege.
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Re: Keltische Straßennetze

Beitragvon Vailos » Mi 16. Okt 2013, 18:39

Waren die auch so lang und gerade?
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Re: Keltische Straßennetze

Beitragvon Freyja » Mi 16. Okt 2013, 18:51

Vailos hat geschrieben:Waren die auch so lang und gerade?


An der Autobahn entlang - Ja. Als ich mit Sucher und Andrea zu Samhain Richtung Norden gefahren bin, hatte ich den Weg den beiden auch gezeigt.
Mal sehen, vllt finde ich noch Bilder, wenn nicht, frage ich mal den Prof. vom Ärchöologischen Museum.
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Re: Keltische Straßennetze

Beitragvon Werdandi » Mi 16. Okt 2013, 20:16

Ich denke mal die Kelten wussten auch ,daß die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten die Gerade ist....

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Re: Keltische Straßennetze

Beitragvon Vailos » Mi 16. Okt 2013, 20:46

Im Flachland mag das ja stimmen. In bergischen Gegenden ist es erst einmal ungewöhnlich. Und ein Nachdenken darüber, warum ab und dann eben nicht natürliche Wegverläufe genommen wurden, kann nicht schaden. Erzählt uns vielleicht etwas über die Denkweise...
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Re: Keltische Straßennetze

Beitragvon Freyja » Mi 16. Okt 2013, 21:35

Vailos hat geschrieben:Im Flachland mag das ja stimmen. In bergischen Gegenden ist es erst einmal ungewöhnlich. Und ein Nachdenken darüber, warum ab und dann eben nicht natürliche Wegverläufe genommen wurden, kann nicht schaden. Erzählt uns vielleicht etwas über die Denkweise...


Denk mal ganz pragmatisch. Wenn ich eine Abkürzung gehen kann, nutze ich die auch. Lieber "über" den Berg gelaufen und evtl. 2 Std gespart, als Aussenherum gelaufen ;)
Glaubst du die Kelten hätten nicht so gedacht ;)
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Re: Keltische Straßennetze

Beitragvon Vailos » Mi 16. Okt 2013, 21:42

Freya, auch die Kelten sind weitgehend die Wege gegangen und haben sie dort angelegt, wo die Geländetopographie das einfachste Fortkommen erlaubt. Deswegen waren früher auch die meisten Wege auf Höhenrücken, damit man sich nicht talwärts durch die Sümpfe quälen musste.

Nun ist es aber so, dass es etliche Ausnahmen gibt. Wo strikt die natürliche Gleändetopographie vernachlässigt, bzw diese angepasst wurde. Und Straßen nach Sonnenwendpunkten angelegt.
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