Beseelte Natur im Asatru

Öffentlich einsehbar! Für unsere germanischen Freunde und ihren rekonstruierten Glauben. Schließlich waren Kelten und Germanen immerschon unzertrennlich.
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Beseelte Natur im Asatru

Beitragvon Zymeth » Mo 18. Feb 2013, 20:38

Nachdem die Frage in einem anderen Thread aufgeworfen wurde, hier mal meine Gedanken zu der Beseeltheit oder Unbeseeltheit der Umwelt aus der Sicht eines Asatru.

An keltischen Maßstäben gemessen würde ich die Natur aus germanischer/nordischer Sicht als geradezu tot bezeichnen. Es gibt keine Seelen einzelner Flüsse, Gebirge oder Pflanzen, oder besser gesagt: nirgendwo steht etwas davon. Ich persönlich gucke mir hier etwas von den Kelten ab, aber wenn man nach der Edda und nordischen Sagen geht, wird von Naturgeistern nie gesprochen.
Tatsächlich wird die Umwelt sogar eher als feindlich dargestellt, Trolle und Riesen als Verkörperung der Naturgewalten stehen in einem ständigen Kampf mit Helden und Göttern, die das einfache Volk vor ihnen beschützen. An besonderen, verwunschenen Orten hausen Bestien, Hexen usw., die unvorsichtigen Menschen auflauern und sie auf die eine oder andere Art ums Leben bringen. Wie viel davon im Nachhinen christlich verfälscht wurde, lässt sich nicht sagen, aber ich denke, am Tenor änderte das nicht viel.
Bei einer Religion, die grundlegend auf Kampf eingestellt ist, deren Vorstellung vom Himmel den Heldentod vorraussetzt, ist es natürlich nicht verwunderlich, dass die Natur als Feind dargestellt wird, meist mit symbolischen Charakteren, die Stellvertreter für etwas Größeres sind. Die neun Töchter Rans zum Beispiel, die Wellen, die die Meeresoberfläche insgesamt verkörpern. Vergleichbar mit Halbgöttern und Geschöpfen in der griechischen Mythologie.
"Etwas Größeres" bringt mich noch auf den Punkt, dass Asatru stärker "verallgemeinert" als Celtoi, ein Ringschluss begründet in und führend zu dem bedeutend kleineren Pantheon. Nerthus verkörpert den Boden, wo bei den Celtoi eine Anzahl Götter für die verschiedenen Landschaften zuständig wären. Das führt zu einer größeren Distanz zwischen Erfahrendem und Gottheit als bei den Celtoi, dafür erfährt man die gleiche Gottheit, egal wo man ist.

Soweit meine Gedanken, sicherlich nicht vollständig und vielleicht nicht vollkommen verständlich, aber zu mehr will sich gerade mein Hirn nicht durchringen.
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Re: Beseelte Natur im Asatru

Beitragvon Rabenvogel » Mo 18. Feb 2013, 21:34

Vielen Dank für den Einblick in Deine Gedanken den Du uns gewährt hast.

So wie Du es beschrieben hast habe ich das noch nie gesehen, aber ich habe mich dahingehend wohl zu wenig mit dem alten Germanen beschäftigt. Interessant wäre es auch ob das nur die nördlichen Germanen so sahen oder auch die südlichen. Dabei gehe ich davon aus das sich die südlichen germanischen Stämme und die angrenzenden nördlichen keltischen Stämme mehr oder minder stark gegenseitig beeinflusst haben.
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Re: Beseelte Natur im Asatru

Beitragvon Rabenvogel » Mo 18. Feb 2013, 21:39

Gerade erinnere ich mich an eine Frau die ich vor vielen Jahren mal bei einen Treffen des Rabenclans bei dem ich damals Mitglied war kennengelernt habe. Sie hat sich selbst als Vanatrú bezeichnet hat und durchaus naturverbunden war. Aber das nur am Rande.
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Re: Beseelte Natur im Asatru

Beitragvon Zymeth » Mo 18. Feb 2013, 22:00

Rabenvogel hat geschrieben:So wie Du es beschrieben hast habe ich das noch nie gesehen, aber ich habe mich dahingehend wohl zu wenig mit dem alten Germanen beschäftigt. Interessant wäre es auch ob das nur die nördlichen Germanen so sahen oder auch die südlichen. Dabei gehe ich davon aus das sich die südlichen germanischen Stämme und die angrenzenden nördlichen keltischen Stämme mehr oder minder stark gegenseitig beeinflusst haben.


Davon kannst du getrost ausgehen, das war definitiv so.

Ich denke mal, dass im Süden (und ja auch zeitlich früher) die Einstellung zur Natur weniger streitbar war, da diese nicht ständig versucht hat, einen umzubringen. Fruchtbarere Böden und mildere Winter lassen die Umwelt gleich viel freundlicher wirken. Und natürlich stehen in den Sagen immer nur Extrembeispiele, das Alltagsleben wird sich mehr um das Kleine gekümmert haben. Auch wenn ich denke, dass auch da, wie bei den Römern, der zur übergeordneten Macht gebetet wurde und nicht, flappsig gesagt, zum Geist des Ackers.

Rabenvogel hat geschrieben:Gerade erinnere ich mich an eine Frau die ich vor vielen Jahren mal bei einen Treffen des Rabenclans bei dem ich damals Mitglied war kennengelernt habe. Sie hat sich selbst als Vanatrú bezeichnet hat und durchaus naturverbunden war. Aber das nur am Rande.


Vanatru sind i.A. die Naturverbundenen unter den Nordisch-Gläubigen, da den Vanen u.a. das Meer zugeordnet wird. Aber ich bitte hier, Naturverbundenheit nicht mit dem Glauben an Naturgeister o.ä. zu verwechseln.
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Re: Beseelte Natur im Asatru

Beitragvon Rabenvogel » Mo 18. Feb 2013, 22:09

Zymeth hat geschrieben:Davon kannst du getrost ausgehen, das war definitiv so.


Gehe ich auch mal aus. Ich wohne hier in Baden-Württemberg wo es wohl sogar zu massiven Vermischungen gekommen sein dürfte.

Vanatru sind i.A. die Naturverbundenen unter den Nordisch-Gläubigen, da den Vanen u.a. das Meer zugeordnet wird. Aber ich bitte hier, Naturverbundenheit nicht mit dem Glauben an Naturgeister o.ä. zu verwechseln.


Das kann ich bestätigen. Sie war sehr naturverbunden, aber auf andere Art wie ich. Die Vanen sind ja wenn ich es recht verstanden habe die Götter des Herdfeuers, des Ackerbaus etc. denen dann bestimmte Eigenschaften (z. B. Fruchtbarkeit und Erdverbundenheit) zugeschrieben wurden. Das ist allerdings doch noch ein gutes Stück weg von dem keltischen Weg. Wobei ich momentan bei letzteren auch einiges am Grübeln bin.
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Re: Beseelte Natur im Asatru

Beitragvon Zymeth » Mo 18. Feb 2013, 22:21

Rabenvogel hat geschrieben:Das kann ich bestätigen. Sie war sehr naturverbunden, aber auf andere Art wie ich. Die Vanen sind ja wenn ich es recht verstanden habe die Götter des Herdfeuers, des Ackerbaus etc. denen dann bestimmte Eigenschaften (z. B. Fruchtbarkeit und Erdverbundenheit) zugeschrieben wurden.


Ist schwierig. Fruchtbarkeit ja, Erde auch, aber der Gott für Ackerbau wäre eigentlich Thor, und der ist nun definitiv Ase. Vanen und Asen sind sich sehr ähnlich, man kann nicht wirklich sagen, dass die einen nur dies und die anderen nur jenes betreuen würden. Aber da kommt man halt ganz schnell in den Bereich persönlicher Interpretation. Für mich sind die Vanen vergleichsweise unwichtig, aber ich bin auch nicht so der Naturfreund.
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Re: Beseelte Natur im Asatru

Beitragvon Rabenvogel » Mo 18. Feb 2013, 22:56

Na ich kann was Asatru und Germanen betrifft nur weitgehend im Dunkeln umher tappen. Deshalb wohl auch meine Einschätzung vorhin.
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Re: Beseelte Natur im Asatru

Beitragvon Vailos » Di 19. Feb 2013, 08:39

Hallo Zymeth,

danke für die interessanten Gedanken. Ich habe dazu ein paar Fragen:

1. Wovon gehst Du bei „Asentreu“ aus? Beschreibst Du da rein die Mythologie aus der Edda?
2. Die germanischen Glaubensvorstellungen unterlagen ja wie die Keltischen dynamischen Entwicklungen. Ist es nicht möglich, dass sich diese ähnlich aus animistischen Grundtendenzen entwickelten? Wenn man so den Nerthuskult bei den Ostseestämmen betrachtet, oder die frühere Verehrung des „erdentsprossenen“ Tuisto, zeigen sich ja durchaus Tendenzen, Orte als beseelt zu betrachten.
3. Was ist mit dem umfassenden Geisterglauben, der ja durchaus immer ein Hinweis auf eine anderes Verhältnis zur Natur und Naturörtlichkeiten hinweist?
4. Wie ist die starke Naturspiritualität bei eigentlich allen Asatru von Heute zu erklären?

Fragen über Fragen....
Die Sicht, die wir auf die Kelten haben, sagt mehr über uns aus, als über die Kelten selbst.


Ich bin glücklich. So einfach ist das.
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Re: Beseelte Natur im Asatru

Beitragvon Artheduin » Di 19. Feb 2013, 08:48

Zymeth hat geschrieben:Soweit meine Gedanken, sicherlich nicht vollständig und vielleicht nicht vollkommen verständlich, aber zu mehr will sich gerade mein Hirn nicht durchringen.


Danke für Deine Ausführungen; ich kann mir sehr gut vorstellen, dass im kalten Norden den Menschen eher der Sinn nach einem Überlebenskampf stand als sich die Frage nach dem spirituellen Gesichtspunkt der Natur zu stellen.
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Re: Beseelte Natur im Asatru

Beitragvon Artheduin » Di 19. Feb 2013, 08:50

Vailos hat geschrieben:Wenn man so den Nerthuskult bei den Ostseestämmen betrachtet, oder die frühere Verehrung des „erdentsprossenen“ Tuisto, zeigen sich ja durchaus Tendenzen, Orte als beseelt zu betrachten.


Eine interessante Frage; vielleicht kann Werdandi den Nerthuskult etwas beleuchten?
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