Fasbräuche und keltische Heiligtümer im 8.Jh.?

Öffentlich einsehbar! Für unsere germanischen Freunde und ihren rekonstruierten Glauben. Schließlich waren Kelten und Germanen immerschon unzertrennlich.
Hinweis: Dieser Bereich ist öffentlich einsehbar und kann von Suchmaschinen durchsucht werden.

Fasbräuche und keltische Heiligtümer im 8.Jh.?

Beitragvon Vanatrix » Di 15. Mär 2016, 00:26

Ich war neulich nochmal zum Recherchieren über ältere Brauchtumsreste der Fasnacht und habe mich daher auf Ecgwines Blog (den ich an anderer Stelle wegen der helvetischen Göttern und des Gedichtes Trinoxtion Giamonii) den Spurkalien gewidmet.
Dabei ist mir etwas aufgefallen, was besonders für unsere kelto-germanischen Nemeter-Freunde hier im Forum spannend sein dürfte. Agjowiniz zeigt dort die vollständige Überlieferung des Indiculus von 743 auf. Dort heißt es unter Punkt 6:

VI. de sacris silvarum quas nimidas vocant.
6. die Heiligtümer der Wälder, die sie nimidas nennen;


Könnte es sein, dass sich hinter den "Nimidas" - ein germanisch betrachtet völlig undurchsichtiges Wort! - eine fränkisch verschliffene keltische Bezeichnung der Nemetoi verbürgt?
Wäre ein interessanter Hinweis auf das mögliche Fortleben gallischer Kulte im fränkischen Reich, auch wenn ich nicht gleich das Klischee von im Wald hausenden Druidenlehrmeistern aus einem vergangenen Zeitalter bedienen möchte. :grandpa:

http://ecgwine.blogspot.de/2012/10/de-spurclibus.html
~~Das Göttliche ehren, Gutes tun, Sich in Tapferkeit üben~~
***
~~Vollständig in der Gegenwart leben, Tradition und Ahnen würdigen, die Stimme des Morgen vernehmen ~~
Benutzeravatar
Vanatrix
Büschlein
Büschlein
 
Beiträge: 310
Registriert: Do 25. Jul 2013, 12:08
Wohnort: Tübingen
Hat gedankt: 116 Mal
Wurde bedankt: 13 Mal
Glaube: Weltoffener Christ
Lebensweg: Druide

Re: Fasbräuche und keltische Heiligtümer im 8.Jh.?

Beitragvon Sucher » Di 15. Mär 2016, 09:33

Zur Wortähnlichkeit Nimidas - Nemeton würde ich gerne mal die Meinung von Samonios lesen.
www.abnoba-bogenbau.de

Bild

Cuimhnich có leis a tha thu (Gedenke der Menschen, von denen Du abstammst)
Benutzeravatar
Sucher
Vorstand
Vorstand
 
Beiträge: 2664
Registriert: Mi 6. Feb 2013, 11:55
Wohnort: Bruchsal
Hat gedankt: 69 Mal
Wurde bedankt: 301 Mal
Persönlicher Text: Langbogenbauer
Glaube: Celtoi
Lebensweg: Krieger. Aber kein Soldat.
Touta: Touta der Nemeter

Re: Fasbräuche und keltische Heiligtümer im 8.Jh.?

Beitragvon Vailos » Di 15. Mär 2016, 15:13

Für solche Fragen ist die Seite "indogermansch.org" recht aufschlussreich. Sie bestätigt die indogermanische Wurzel des keltischen Nemetons und des angelsächsischen Nimidas:

http://indogermanisch.org/pokorny-etymo ... /nem-2.htm
Die Sicht, die wir auf die Kelten haben, sagt mehr über uns aus, als über die Kelten selbst.


Ich bin glücklich. So einfach ist das.
Benutzeravatar
Vailos
Vorstand
Vorstand
 
Beiträge: 1780
Registriert: Mi 6. Feb 2013, 00:13
Hat gedankt: 235 Mal
Wurde bedankt: 194 Mal
Glaube: gallischer Polytheismus
Lebensweg: Denker und Kämpfer
Touta: Touta Treveron - Mediomatriker

Re: Fasbräuche und keltische Heiligtümer im 8.Jh.?

Beitragvon Vanatrix » Di 15. Mär 2016, 20:30

..."asächs" bedeutet "altsächsisch", also handelt es sich wohl gar nicht um fränkisches, sondern altsächsisches Brauchtum, das hier beschrieben wird?
(Die Abkürzung für "angelsächsisch" wäre "ags"...)

M.E. hat Pokorny den Begriff hier einfach dem Indiculus entnommen, was auch die lateinische Übersetzung zeigt; seine Verortung in irgendeinen bestimmten germanischen Dialekt oder inwieweit er auf eine gemeinsame indoeuropäische Wurzel oder eine keltische zurückgeht bleibt demnach Spekulation. Leider kann sich dadurch also nicht klären lassen ob das Wort noch anderweitig germanisch bezeugt ist und ob es sich nun tatsächlich um ein Lehnwort handelt. Von diesem Punkt aus ist ein Wort germanischer Herkunft eher unwahrscheinlich - spannend ;)
~~Das Göttliche ehren, Gutes tun, Sich in Tapferkeit üben~~
***
~~Vollständig in der Gegenwart leben, Tradition und Ahnen würdigen, die Stimme des Morgen vernehmen ~~
Benutzeravatar
Vanatrix
Büschlein
Büschlein
 
Beiträge: 310
Registriert: Do 25. Jul 2013, 12:08
Wohnort: Tübingen
Hat gedankt: 116 Mal
Wurde bedankt: 13 Mal
Glaube: Weltoffener Christ
Lebensweg: Druide

Re: Fasbräuche und keltische Heiligtümer im 8.Jh.?

Beitragvon Vailos » Mi 16. Mär 2016, 06:19

Ich würde es auch nicht im Fränkischen verorten. Ich habe etwas missverständlich geschrieben - asächsisch bedeutet natürlich "altsächsisch".

Im Angelsächsischen jedoch kommt der Begriff "Nimid" vor, der allerdings sonst laut G. Krutzler, G. Dobesch und einem gewissen Green wohl aus dem altirischen "Nemed" entlehnt ist (Heiligtum, später wie Pokorny "Privileg)

Den Begriff "Nimidas" ansich halte ich persönlich für eine latinisierte Mehrzahl, was sich aus dem Kontext des Satzes ergibt.

Meine Vermutung (natürlich auf Laienbasis):

Bonifatius entstammt aus dem angelsächsischen Raum, der stark von der irischen Mission beeinflusst war. Sprich, der altirische Begriff "Nemed" bzw die angelsächsische Adaption "Nimid" müssten Bonifatius geläufig gewesen sein. Der Begriff "Nimid", der zu der Zeit für Heiligtum", speziell "Waldheiligtum" stand, ist von Bonifatius mitgebracht worden und so in den Text gelangt.

Es ist also fraglich, ob die heidnischen Altsachsen ihre Kultplätze tatsächlich ebenfalls "Nimid" nannten - vielleicht nannten sie diese Plätze in ihrer Sprache einfach "Waldheiligtum", und Bonifatius übersetzte dies mit dem ihm dafür geläufigen Begriff "Nimid".

Die Tatsache, dass es im Germanischen sonst keine Entsprechung oder Verwandheit mit "Nimidas" gibt, würde meiner Meinung nach für diese Vermutung sprechen.

(Quelle: G. Krutzler Kult und Tabu - Wahrnehmung der Germania bei Bonifatius)
Die Sicht, die wir auf die Kelten haben, sagt mehr über uns aus, als über die Kelten selbst.


Ich bin glücklich. So einfach ist das.
Benutzeravatar
Vailos
Vorstand
Vorstand
 
Beiträge: 1780
Registriert: Mi 6. Feb 2013, 00:13
Hat gedankt: 235 Mal
Wurde bedankt: 194 Mal
Glaube: gallischer Polytheismus
Lebensweg: Denker und Kämpfer
Touta: Touta Treveron - Mediomatriker

Re: Fasbräuche und keltische Heiligtümer im 8.Jh.?

Beitragvon Vanatrix » Fr 18. Mär 2016, 00:33

Klingt soweit nachvollziehbar, ich stoße mich nur noch an der Formulierung "die SIE Nimidas" nennen (so auch in Latein)...
Aber auch ein Bonifatius kann natürlich daneben hauen.

In die andere Richtung ließe sich natürlich auch vermuten, wenn die Angelsachsen den Begriff von irischen Kelten übernommen haben, weshalb nicht auch die Rheingermanen von den gallischen... das nun kommt aber tatsächlich darauf an, ob sich der Indiculus eher über Franken oder über Sachsen erstreckt.

Aber so oder so hat das schon was: Nimid, Nemmet, als germanischer Sakralbegriff :^^:
~~Das Göttliche ehren, Gutes tun, Sich in Tapferkeit üben~~
***
~~Vollständig in der Gegenwart leben, Tradition und Ahnen würdigen, die Stimme des Morgen vernehmen ~~
Benutzeravatar
Vanatrix
Büschlein
Büschlein
 
Beiträge: 310
Registriert: Do 25. Jul 2013, 12:08
Wohnort: Tübingen
Hat gedankt: 116 Mal
Wurde bedankt: 13 Mal
Glaube: Weltoffener Christ
Lebensweg: Druide

Re: Fasbräuche und keltische Heiligtümer im 8.Jh.?

Beitragvon Mc Claudia » Do 31. Mär 2016, 14:30

Klingt interessant.

Hat jemand die Notrufnummer von David Stifter? :ugeek:

Gefunden hab ich auch nix. Keine Ahnung. Vielleicht ist es auch einfach ein für die Germanen damals zutreffender Begriff, der dann zeitlich verschwunden ist?
Ymborth anwiredd yw aur ac arian.
"Die Nahrung des Unrechts sind Gold und Silber."
(Kymrisches Sprichwort)
Benutzeravatar
Mc Claudia
Setzling
Setzling
 
Beiträge: 77
Registriert: Mo 18. Mai 2015, 11:00
Wohnort: Wien
Hat gedankt: 0 Mal
Wurde bedankt: 9 Mal
Persönlicher Text: polytheistische Freidenkerin
Glaube: Celtic Recon
Lebensweg: Philosophin
Touta: Vindobona

Re: Fasbräuche und keltische Heiligtümer im 8.Jh.?

Beitragvon Sedocoinios » Mi 6. Apr 2016, 04:02

https://nemitonottingham.wordpress.com/tag/nemeton/

Der Mann geht, wenn Ochs richtig verstehe auch von einem gallischen lehneort aus..
"Ich will Zwietracht sähen zwischen den Königen, den Anführern, den tugendhaften Helden und den freien Bauern bis sie sich gegenseitig töten Mann für Mann wenn sie nicht mit mir kommen um mein Fest zu teilen."
Benutzeravatar
Sedocoinios
Gebüsch
Gebüsch
 
Beiträge: 943
Registriert: Mi 6. Feb 2013, 22:04
Wohnort: Sigena
Hat gedankt: 10 Mal
Wurde bedankt: 88 Mal
Glaube: Celtos
Lebensweg: Künstler
Touta: Ubii

Re: Fasbräuche und keltische Heiligtümer im 8.Jh.?

Beitragvon Sedocoinios » Mi 6. Apr 2016, 05:21

Corinna scheungraber und Friedrich b. Grünzweig bahandeln nimida in "die altgermanischen toponyme" als genuin altsächsische Form die sie von einer Wurzel *nemeth/nemeda ableiten....
"Ich will Zwietracht sähen zwischen den Königen, den Anführern, den tugendhaften Helden und den freien Bauern bis sie sich gegenseitig töten Mann für Mann wenn sie nicht mit mir kommen um mein Fest zu teilen."
Benutzeravatar
Sedocoinios
Gebüsch
Gebüsch
 
Beiträge: 943
Registriert: Mi 6. Feb 2013, 22:04
Wohnort: Sigena
Hat gedankt: 10 Mal
Wurde bedankt: 88 Mal
Glaube: Celtos
Lebensweg: Künstler
Touta: Ubii

Re: Fasbräuche und keltische Heiligtümer im 8.Jh.?

Beitragvon Mc Claudia » Mi 6. Apr 2016, 07:19

Hihi, cool! Die Germanen haben sich von den Kelten einen coolen Begriff geklaut. Gefällt mir! :D
Ymborth anwiredd yw aur ac arian.
"Die Nahrung des Unrechts sind Gold und Silber."
(Kymrisches Sprichwort)
Benutzeravatar
Mc Claudia
Setzling
Setzling
 
Beiträge: 77
Registriert: Mo 18. Mai 2015, 11:00
Wohnort: Wien
Hat gedankt: 0 Mal
Wurde bedankt: 9 Mal
Persönlicher Text: polytheistische Freidenkerin
Glaube: Celtic Recon
Lebensweg: Philosophin
Touta: Vindobona

Nächste

Zurück zu Germanischer Rekonstruktionismus

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

Information

Das Team • Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]

cron