"germanisches" Recht -was ist überliefert?

Öffentlich einsehbar! Für unsere germanischen Freunde und ihren rekonstruierten Glauben. Schließlich waren Kelten und Germanen immerschon unzertrennlich.
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Re: "germanisches" Recht -was ist überliefert?

Beitragvon Sedocoinios » So 20. Jul 2014, 21:24

puh! Also wieviel mehr "echte Überlieferung" willst du noch? Dann dürften wir die keltischen Quellen ja fast alle gleich wegschmeissen... davon sind selbst die frühesten ja noch ein halben Jahrtausend später...
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Re: "germanisches" Recht -was ist überliefert?

Beitragvon Sucher » Mo 21. Jul 2014, 09:09

Nein, nein, Samonios. Nix wegschmeißen!

Ich denke vielmehr, dass nicht nur die wissenschaftliche Seite der Medaille ihre Berechtigung hat, sondern eben auch die "volkstümliche".

Wir alle wissen doch, dass die geschriebene Geschichte immer die "Geschichte der Sieger" ist. Und dass die "Geschichte der Unterlegenen" sich in Märchen und Sagen offenbart. Nun stelle ich wieder einmal die Frage in den Raum, ob Märchen und Sagen wirklich weniger seriös sind, als die ganz klar manipulierte, subjektive und zielgerichtete Geschichtsschreibung, die der Wahrung von Interessen diente.
Auch in der Archäologie stehen Interpretationen absolut im Vordergrund, wobei wohl nichts anderes übrigbleibt. Aber überlegt doch nur mal was dabei herauskäme, wenn man später mal von unseren Bestattungsbräuchen auf das tägliche Leben schließen würde......

Unter dem Strich bleibt für mich: Beide Möglichkeiten der Betrachtungsweise sind legitim und notwendig.
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Re: "germanisches" Recht -was ist überliefert?

Beitragvon Schneewoelfin » Mo 21. Jul 2014, 09:49

M. Seidt (Sucher) hat geschrieben:Auch in der Archäologie stehen Interpretationen absolut im Vordergrund, wobei wohl nichts anderes übrigbleibt. Aber überlegt doch nur mal was dabei herauskäme, wenn man später mal von unseren Bestattungsbräuchen auf das tägliche Leben schließen würde......


jap!
2008 machte der GI/MR Stammtisch mal nen Ausflug in die Miltenberger Gegend. Auf dem Greinberg dort ist eine Viereckschanze mit Teutates-Altar im Zentrum.
Auf dem Weg zur Schanze steht ein Dolmen, unter dem eine leere Fischdose lag. Wir spekulierten darüber, was die zukünftigen Archäologen da wohl hineininterpretieren würden/werden :dielaughing:

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Re: "germanisches" Recht -was ist überliefert?

Beitragvon Sedocoinios » Mo 21. Jul 2014, 22:01

naja Goten , burgunden, salier, Franken, Barjuwaren hätten wir ja was... wäre altnordisches recht als Ergänzung evtl noch interessant... nur muss man da bedenken daß sich die dortigen Traditionen nicht mit denb südgermanischen decken müssen... soetwas wie einen 2Pan-garmanischen Gedanken" gab es damals nämlich wohl nicht, eher die übliche Kleinstaaterei..
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Re: "germanisches" Recht -was ist überliefert?

Beitragvon Sucher » Mo 21. Jul 2014, 22:12

Wie sonst, als in Form von "Kleinstaaterei" hätten die Stämme denn existieren können?
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Re: "germanisches" Recht -was ist überliefert?

Beitragvon Schneewoelfin » Di 22. Jul 2014, 09:43

so, wie manche indigenen Völker heute noch: in einer Konsensgesellschaft...?
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Re: "germanisches" Recht -was ist überliefert?

Beitragvon Werdandi » Do 24. Jul 2014, 12:18

Samonios, danke für die Tips.Den Lex Salica hab ich gesucht, der war mir irgendwie abhanden gekommen. Da gibt es im Web auch Text dazu. Die Bücher kaufe ich mir nuicht, weil für den "Privatgebrauch" ist mir das zu viel Geld. Ev. red ich mal mit dem Landesmuseum unds schaue, ob die die Bücher zum ausleihen haben oder wissen ,wo ich die leihen kann.
Mir ging es gerade um diese ersten Rechtstexte. Eben weil, wie Samonios schon schieb, die noch relativ unverdorben sind.
Und ja, man kann durchaus von überliefert sprechen, weil diese Texte altes Stammesrecht, tradiert sozusagen, zum Grundbaustein haben. Das ist nicht auf meinem Mist gewachsen, das sagen Leute, die das studiert haben.
Was die einzelnen "Völker" betrifft ,so ist eine Differenzierung eigentlich unnötig, da die Rechtsgrundlagen ziemlich ähnlich waren und es auch ewenig Sinn macht zu fragen: welche Rechtssprechung hatten die Langobarden ca um die Zeitenwende. Das ist zu sehr im Detaill ,sollte aber wohl auch jedem klar sein, oder?
Island ist, wie es sooft vorkommt, eine Sonderregel, möchjte ich mal sagen. In Island hat sich viel "nordisches" bis heute erhalten. Siehe den Trollbeauftragften beim Straßenbau.
Dadurch ,daß Island per Abstimmung christlich geworden ist,hatten sie allerdings auch die Möglichkeit einen Teil ihrer alt hergebrachten Dinge mit zu übernehmen. So war z.B. die Kindsaussetzung Bestandteil der "neuen christlichen" Gesetze...
Gerade die Kleinstaaterei hat so ihre Tücken mit sich gebracht. Richtig stark wurden die "Germanen" erst, als sie größere Länder bildeten. Siehe Franken und Burgunder.
Ab hier wird aber auch erst das Recht interessant weil eben viele kleinere Stämme in den größeren Reichen aufgegangen sind. Im Gegensatz zu der weitverbreiteten Annahme, daß diese nun hemmungslos unterdrückt wurden, trugen die "Herrscher" doch schon gewisse Sorge, den inneren Frieden zu erhalten. Was sich auch in den gegebenen Gesetzen äußert.
Was nun die "Wikinger" betrifft, so sind PM und Geo-Epoche schön und gut aber letztlich waren die Wikinger nun mal kein Volk. Nicht mal ein Stamm. ;)

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Re: "germanisches" Recht -was ist überliefert?

Beitragvon Sucher » Do 24. Jul 2014, 15:23

Werdandi hat geschrieben:Ich würde da gerne zusammentragen, was wir denn wirklich wissen, was also überliefert ist.
Ich hoffe, daß der Eine oder Andere Lust und Interesse hat und in seinem Wissenschatz etwas findet ,was er teilen mag.
Bin schon gespannt!

PS: googlen kann ich , ich möchte auch keine Linklisten bitte. Ich fände es schön, wenn sich eine Diskussion darüber entspinnen würde.


Da habe ich mich wohl zu sehr davon inspirieren lassen und deshalb ausschließlich in meiner Gedanken- und Gefühlswelt gestöbert. War nicht böse gemeint.

Ansonsten geht es mir mit den "Wikingern" wie Werdandi. Mir sträuben sich jedesmal die Haare, wenn im Zusammenhang von denen mit einem "Volk" gesprochen wird.
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Re: "germanisches" Recht -was ist überliefert?

Beitragvon Schneewoelfin » Do 24. Jul 2014, 20:58

Hallo Werdandi und Sucher,

was den Begriff "Wikinger" angeht, hat er mMn eine ähnliche Geschichte, wie "Celtoi".
"Celtoi" bedeutet ja die "Edlen" und wurde hauptsächlich von den gegnerischen Schreiberlingen für die vielen Völker, die dazu gerechnet werden, verwendet
Zur Wortherkunft "Wikinger" sagt das Wiki ( ;) )
"Das Wort Wikinger leitet sich vermutlich von dem altnordischen Substantiv víkingr (Maskulinum) ab, das „Seekrieger, der sich auf langer Fahrt von der Heimat entfernt“ bedeutet.[2]"
hat also mit den Völkern auch nicht mehr zu tun, als "Celtoi", wurde aber dann verallgemeinernd verwendet - das haben beide Bezeichnungen gemeinsam :)

Sollte ich da etwas verwechseln .... bitte ich um Aufklärung.

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Re: "germanisches" Recht -was ist überliefert?

Beitragvon Sucher » Do 24. Jul 2014, 21:12

Aaallsooo.....
Ich habe mir ja da wieder mal so eine eigene Meinung zurechtgebastelt....

Bei den skandinavischen Familien gab es wohl schon eine Erbteilung. D.h. der älteste Sohn (in Ausnahmefällen wohl die älteste Tochter) erbte den Hof o. ä.

Die Nachgeborenen oder Illegitimen gingen fast leer aus. Wenn nicht die Verpflichtung bestanden hätte, diesen Leerausgehenden (evtl. aus gemeinsam aufgebrachten Mitteln) ein seetüchtiges Boot zur Verfügung zu stellen. Dadurch gab es eine ehrenvolle Alternative dazu, als auf dem Gehöft des älteren Bruders Knecht zu sein: Die Jungs gingen auf große Fahrt. Ziel des Unternehmens war, wohlhabend und damit für Frauen attraktiv heimzukehren und einen eigenen Hof zu begründen. Wenn das Land in Skandinavien alle war, dann eben in Grönland oder auf Orkney oder auf den Hebriden oder sonst wo......
Wenn der Sinn nicht nach einem Gehöft stand, dann ging ja auch auf dem Gebiet des Handels Richtung Osten etwas....

Bei den keltischen Familien dürfte es wohl nicht anders ausgesehen haben. Aber da gab es ja mittlerweile die Möglichkeit, "zum Römer" zu gehen. Also bildeten die (durch die Erbteilung) Zukurzgekommenen die sogenannten Auxilliartruppen. Das klappte bei Kelten so gut, wie bei Germanen (wieder ein Faktor, der eher eint, als differenziert).

So stelle ich mir das vor.
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