Der Gedanke des Heils

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Re: Der Gedanke des Heils

Beitragvon Sucher » Mi 19. Mär 2014, 12:19

Das sind wundervolle Gedanken, Erinn.

Du sprichst etwas an, was vor Jahrtausenden wahrscheinlich intensiver gelebt wurde, als wir das in unserer gesellschaftlichen Struktur heute machen. Aber es täte sowohl den Individuen, als auch der Gemeinschaft gut, darauf wieder mehr zu achten. Also auch hier wieder Wechselwirkung.

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Re: Der Gedanke des Heils

Beitragvon Vailos » Mi 19. Mär 2014, 20:58

Auch ich danke Erinn und Sucher für die schönen Gedanken. Das ist eigentlich auch die Richtung, wohin es geht.

Ich komme noch einmal auf die Historie zurück. Diesen Heilsgedanken hat seinerzeit Willhelm Grönbech aufgegriffen, und ihn aus der germanischen Geschichte und deren Mythen extrahiert. So ausgeschrieben ist der Heilsgedanke auch nicht überliefert. Auch die Antworten des Schreibers im Eingangspost basieren auf der Arbeit Grönbechs.

Zum ersten: Es ist schwierig, den Heilsgedanken in wenigen Worten zu definieren. Man kann es nicht einfach mit „Glück“ übersetzen, sondern es ist eine Mischung aus den Aspekten Glück, „gutes Karma“, Ehre, Lebenstüchtigkeit, Verantwortungsbewusstsein. Und das sind nicht nur Werte, die man nach aussen trägt, sondern auch gegenüber sich selber.

Grönbech führt mehrere Beispiele an. Einmal von Königsheil, von Glück, aber auch Beispiele wie den norwegischen König Olaf Ugaefa, der der Heillose genannt wurde. Nicht wegen mangelndem Kriegsglück, sondern wegen der Halbheit seiner Pläne.
Weiter: Im altisländischen gibt es den Begriff des heill hugr, welcher mit „ganzem Sinn“ übersetzt werden kann.
Es gibt noch mehrere Beispiele. Auffällig dabei, dass diese immer Aktiva sind. Heil wird nicht mit Schicksal gleichgesetzt oder in die Nähe gebracht.

Das alles greift im Übrigen auch Erinns Gedanken wieder auf.

Mein Fazit von dem bisher gelesenen ist, dass das Heil ist, was man sich selber sucht und suchen muss. Durch seine Tat und nach seinem Vermögen. Und deckt sich verblüffend zum Beispiel mit einer Aussage von Pelagius (heute immer noch unter Kirchenbann stehend!). Der zwar seine Aussage auf den christlichen Gott münzte, Berresford Ellis aber meint, dass sich bei ihm die vorgehenden keltisch-heidnischen Vorstellungen widerspiegelten und in seine Vorstellung vom Göttlichen mit einfloss. Die Auseinandersetzung mit der Kirche entspann sich darum, dass Pelagius die „Prädestination“ von Augustinus ablehnte (Erbsünde), und im Gegensatz meinte, dass der Mensch durch eigenes Tun sein Heil findet. Und ihm das Göttliche den freien Willen dazu gegeben hat. Der freie Wille taucht in der Keltique mehrmals auf und scheint ein grundlegender Bestandteil gewesen zu sein. Das wäre so eine Verbindung zum Heilsgedanke bei den historischen Kelten, die mir so auffällt. Und es gibt sicher weitere.

Was jetzt spannend wäre, was sagen denn eigentlich „unsere“ also die keltischen Mythen dazu?
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Re: Der Gedanke des Heils

Beitragvon Sedocoinios » Mi 19. Mär 2014, 23:16

gut ich versuche die Zitate mal zu ordnen...

es gibt zwei mögliche Herleitungen des Begriffs "Heil"

die erste hat mit Vorherbestimmung zu tun, daher auch der Zusammenhang mit Wahrsagung und Omen.Das Omen dient dazu anzuzeigen was eigentlich längst entschieden ist, eine dem Tynghed verwandte Form des Denkens.

Die andere ist interessanter denn da geht es um "Vollständigkeit"... Das Heil bedeutet das "Ganzsein" und die "Ganzheit" d.h. ist etwas nicht Heil ist man "unvollständig" und "Unheil" ist etwas das einem etwas von der Vollständigkeit nimmt oder einen daran hindert diese herzustellen.

Woher bekommt man nun "Heil"? Dazu scheint Heil etwas zu sein was sich der Mensch nicht einfach so "machen" kann... Die Vorstellung ,daß Gott oder die Feenfrauen ("nuckel") Heil verleihen können ist ja weit verbreitet, aber das "Heil" scheint auch die Gottheiten selbst zu betreffen, selbst sie stehen scheinbar nicht darüber -->Kosmotheismus!

Nett finde ich was bei den Römern anklingt daß scheinbar verschiedene Fortunae gegeneinander streiten...
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Re: Der Gedanke des Heils

Beitragvon Schneewoelfin » Mi 19. Mär 2014, 23:25

Ich möchte Erinn´s Gedanken aufgreiffen, denn meine gehen in die ähnliche Richtung:
In meiner Weltanschauung bedeutet "heil sein/heilig" sein, mit sich selbst in Harmonie zu sein.

Es gibt eine schöne indianische Geschichte, die ich leider nicht mehr finde, in der Grossvater Bär erzählt, dass die Menschen früher noch in Harmonie mit sich und der Natur lebten. Die Tiere beobachteten dann, dass sie mehr und mehr in Dishamonie fielen. Bis dahin lebten sie im wald, der Natur und mit ihr. Danach brauchten sie Kleidung - weil sie nicht mehr in der Natur geschützt waren, fingen an, Waffen zu fertigen und zu benutzen, in Häusern zu leben etcetc...

MMn ist der Mensch i-wann in Disharmonie mit sich selbst und dadurch mit dem Universum, der Natur geraten und hat sich einen nicht nur Kleidungs-Panzer, sondern auch emotionalen Panzer zugelegt, da er jetzt verletzlich war.
Dieser Panzer kann durch ebenso heftige Emotionen aufgebrochen werden, dadurch erleben wir intensive Freude und auch Leid, anstatt zufrieden und glücklich zu sein - das auch zum Thema `Karma`

Lebt man wieder in Harmonie (zB durch "Schattenarbeit") wird man wieder "heil" . "Heilige" sind für mich diejenigen, die wieder "heil" geworden sind. Dadurch können sie auch anderen auf dem Weg dahin helfen.

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Re: Der Gedanke des Heils

Beitragvon Vailos » Do 20. Mär 2014, 05:33

@ Samonios Sehr interessant - da muss ich mal drüber nachdenken...

@ Schneewölfin
Lebt man wieder in Harmonie (zB durch "Schattenarbeit") wird man wieder "heil" .


Offengestanden ist mir persönlich das zu eingeschränkt. Heil kann durchaus auch bedeuten, dass man sich für Disharmonie entscheidet. Wenn man zum Beispiel eine notwendige Auseinandersetzung sucht, um etwas aufzubrechen. Oder sich für seine Sippe streitet, gar in die Schlacht zieht. Jemanden tötet, der einen oder seine Angehörigen bedroht.

Entscheidend ist die Akzeptanz, dass alles, was man tut, eine Konsequenz hat. Und in den KONSEQUENZEN seines TUNS das Heil sucht. Wie man das tut, bleibt einem selbst überlassen - schließlich haben uns die Götter ja den freien Willen gelassen.
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Re: Der Gedanke des Heils

Beitragvon Sirona » Do 20. Mär 2014, 08:32

Man könnte das Töten (und wohl auch generell) aber auch anders interpretieren das es kein Heil ohne Unheil gibt.
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Re: Der Gedanke des Heils

Beitragvon Schneewoelfin » Do 20. Mär 2014, 10:51

Vailos hat geschrieben:@ Schneewölfin
Lebt man wieder in Harmonie (zB durch "Schattenarbeit") wird man wieder "heil" .


Offengestanden ist mir persönlich das zu eingeschränkt. Heil kann durchaus auch bedeuten, dass man sich für Disharmonie entscheidet. Wenn man zum Beispiel eine notwendige Auseinandersetzung sucht, um etwas aufzubrechen. Oder sich für seine Sippe streitet, gar in die Schlacht zieht. Jemanden tötet, der einen oder seine Angehörigen bedroht.

Entscheidend ist die Akzeptanz, dass alles, was man tut, eine Konsequenz hat. Und in den KONSEQUENZEN seines TUNS das Heil sucht. Wie man das tut, bleibt einem selbst überlassen - schließlich haben uns die Götter ja den freien Willen gelassen.


Vailos, ich habe keine Ahnung, wie Du darauf kommst, dass für mich Auseinandersetzungen, Verteidigung von Eigentum, Familie, Angehörigen, in eine notwendige Auseinandersetzung rein zu gehen, bedeuten, in Disharmonie mit sich selbst zu sein :?

Wenn jemand "als Jäger, Krieger ... geboren ist" und dann seiner Aufgabe nicht nachkommt, Wild zu erlegen, Feinde zu töten....lebt er in Disharmonie mit sich selbst *etwas übertreib, um meine Gedanken zu verdeutlichen*
In Disharmonie mit sich zu sein, bedeutet für mich: nicht authentisch, nicht man selbst zu sein und nicht zum baumknutschenden "Let the sunshine in " singenden Peace&Love& Harmony Hippie zu mutieren ;)

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Re: Der Gedanke des Heils

Beitragvon Vailos » Fr 21. Mär 2014, 20:48

@ Schneewölfin

Ich denke, dann habe ich dich etwas falsch verstanden. Das geschriebene Wort... :roll: Dem, was du sagst, kann ich voll zustimmen.
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