Mythen und ihr Kern: Drachen

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Re: Mythen und ihr Kern: Drachen

Beitragvon Werdandi » Di 26. Nov 2013, 10:17

Danke, Erinn. Homo symbolius gefällt mir.
Ich vermute da auch eine starke Beziehung zu den Trance praktizierenden Vorfahren. Wenn man den Weltenbaum besteigt (um mal mit schamanischen Worten zu sprechen), dann bekommt man eine tiefe Verbindung zu der anderen Welt. Zu dem, was die Dinge im Wesen sind. Gerade was die Erneuerung betrifft so ist in vielen Dingen vielleicht ein "Schlangen- oder Drachenanteil " gesehen worden. Das in Beziehung mit dem Glauben und der Natur lässt vermuten, daß der Trancetreibende (was ein doofes Wort) dann Schlangenähnliche Wesen beschrieb. Vielleicht auch, weil es für viele Dinge in der Anderen Ebene keinen Namen gibt. Jedenfalls keinen, den die Zuhörer kennen oder mit etwas Bekannten in Beziehung setzen können.
Mir fällt dabei das "Hohelied Salomos" ein. Einfach, weil es ein Liebeslied ist, daß mit Vergleichen arbeitet, die uns heute eher suspekt bis lächerlich vorkommen. Aber in Gegenden, wo keine Rosen wachsen, kann man die Geliebte wohl nur mit den glänzenden Fellen von Ziegen vergleichen...
Erkläre einem Menschen von vor 500 Jahren, wie ein Fernseher oder ein PC funktioniert... da kann man eben nur Worte und Sachen benutzen ,die Derjenige kennt.
Will der (ich sags jetzt doch) Schamane aber den Zuhörern ein Krafttier erklären, daß er gesehen hat, so kann er nur Symbole/Dinge/Worte benutzen, die auch allen bekannt sind.

Ich hoffe das war jetzt nicht zu wirr.

Anál nathrach, orth’ bháis’s bethad, do chél dénmha
das wyrd schon
Ich bewahre meinen Glauben, bis der Himmel auf mich fällt und mich zerschmettert, bis die Erde sich öffnet und mich verschlingt, bis das Meer über mir zusammenschlägt.
Erst wenn die Drachen wieder frei fliegen ist mein Tun in dieser Welt beendet. Dann kehre ich heim zu Dir um die Fäden des Schicksals neu zu weben.
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Re: Mythen und ihr Kern: Drachen

Beitragvon Sedocoinios » Di 26. Nov 2013, 18:40

Erinn Graureiher hat geschrieben:Um nochmal das Motiv Drachentötung in der christlichen Mythologie aufzugreifen, gibt es auch in den vorchristlichen europäischen Mythen Darstellungen solcher Kämpfe zwischen Menschen und mythischen Schlangen. Sie wurden hier schon genannt. Wie Thor und die Midgartschlange, die er erschlägt, und besonders die Griechen und ihre Götter und Helden, die zig Schlangen erdrosseln, erschlagen oder enthaupten. Wenn also Drache und christliche Heilige für die Verdrängung des "Heidentums" stehen sollten wie hier bereits vermutet, dann drücken vllt einige solcher Mythengruppen im besonderen Veränderungen von Ordnungen aus und begleiten die Menschen schon als ein sehr altes Symbol..


gabs da nichtmal die Theorie ,daß Delphi ursprünglich kein Apollon Heiligtum war sondern eher eines einer äkteren Gottheit? IIRC war es gerade dort wo Apoll den Drachen Python erschlug, die Seherinnen dort hießen ja "Pythia".
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Re: Mythen und ihr Kern: Drachen

Beitragvon Sirona » Di 26. Nov 2013, 22:19

Also ich habe da im Kopf das es eine Göttin gewesen sei, habe aber gerade gelesen, das es mehrere Versionen gibt. Auf wiki wird besagte Göttin Themis genannt und Python als ihr heiliger Wächter bezeichent. Apollon fordert die Macht über das Orakel und tötete Python, der sie verteidigt. Femis mögen diese Version sehr als mythischen Hinweis auf matrilineare Strukturen und Verdrängung durch das Patriarchat.

Was ich persönlich ganz spannend finde ist die Idee, das Apollon und Python ein und die selbe Gestalt sein könnten. Oder zwei gegensätzliche Aspekte eines Mythos. Interessant auch das in manchen Versionen, Apollo nach der Tötung des Python diesem ein Fest zu Ehren stiftet und seine Erinnerung bewahrt. Bedeutet der Tod Pythons an Wissen zu gelangen? Wenn es eine symbolische Selbsttötung wäre erinnert das auch an Einweihung und Initation. Und Python oder eine Abwandlung war auch ein Beiname des Apollon?

Letzteres wenn auch etwas krude, wäre für mich auch ein Wechsel von Ordnung im Sinne von Erneuerung und Übergang zu etwas. Vllt hier mehr im Sinne von persönlicher Entwicklung.

Im religiösen Mythos sagt Micea Eliade findet die Begegnung und Wiedervereinigung des Menschen mit dem Göttlichen statt und erneuert ihn spirituell.
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Re: Mythen und ihr Kern: Drachen

Beitragvon Sedocoinios » Sa 30. Nov 2013, 10:45

hmm... diese Deutung ist mir neu.

Die Erzähglungen wie bei Wiki beschrieben gehen anscheinend stark auseinander, Python ein Kind Gaias, Python ein Diener der eifersüchtigen Hera, Python ein überbleibsel der Sintflut... Python ist ein Übeltäter der von Apoll getötet wird, Apoll tötet Python um die Verfolgung seiner Mutter zu rächen, Apollo tötet Python weil der ihm den Zutritt zum Heiligtum verwehrt...

interessant finde ich diese Deutung: "This myth has been described as an allegory for the dispersal of the fogs and clouds of vapor which arise from ponds and marshes (Python) by the rays of the sun (the arrows of Apollo)."
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Re: Mythen und ihr Kern: Drachen

Beitragvon Sirona » Mo 2. Dez 2013, 13:27

Das ist eine schöne Allegorie, die Naturerscheinungen in Beziehung bringt.
(Ich mag aber auch abstraktere Interpretationen, die Mythen bieten können. So haben sie vllt auch immer mit tiefere Schichten umfasst.)
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Re: Mythen und ihr Kern: Drachen

Beitragvon Sedocoinios » Mo 2. Dez 2013, 16:42

Ich versuche immer Träume anhand z.B. Symbolen aus der Psychoanalyse zu fassen...

Da kann die Schlange/Drache z.B. für Sexualität stehen, aber auch für Chaos im Sinne einer problematischen Umwelt, Die scheinbare Nacktheit der Schlange steht für Wahrheit, ihre Häutungen für die notwendigkeit permanenter Veränderung, ihre Fähigkeit sich zu verstecken und plötzlich aufzutauchen steht für das Unterbewußtsein, die Schlange kann auch für Krankheit stehen oder eine Person die als nicht vertrauenswürdig d.h. als Schlange verstanden wird.

Das alles ist sehr interessant wenn man bedenkt was Apollonms Reich ist: Licht, Sonne, Wissenschaft, die schöne Kunst aber auch der erfinderische Geist...
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Re: Mythen und ihr Kern: Drachen

Beitragvon Sirona » Mo 9. Dez 2013, 23:11

Ja, das sind interessante Gegensätze vllt in etwa Intuition vers Kognition, die mit das Orakel beeinflusst haben?

Gestern abend war auf 3sat eine kurze Doku über das Orakel von Delphi zusehen. Es war sehr beeindruckend zuhören, das dieses Kultzentrum über 1000 Jahre existierte. Es war gemeinsamer Mittelpunkt der verschiedenen Volksgruppen im Mittelmeerraum, auch wenn diese immer wieder untereinander im kriegerischen Konflikt lagen.

Das Orakel hatte dabei immer auch politische Ordnungsfunktion. Die Priesterschaft unterhielt zu diesen Zweck ein gut ausgebautes Informationsnetzwerk. Mit Sicherheit ging es hier nicht nur um intuitive Tranceerkenntnisse allein, sondern auch um die Analyse und Reflexion in der Beurteilung einer Situation. Umfasste das mit den Gott und entsprach so der Denkweise dieser Zeit?

Besondere Persönlichkeiten unter der Priesterschaft sind nicht bekannt, als Titel auch nur die "Pythia" in wechselnder Person. Das finde ich interessant. Solcher Art zu führen bzw. zu beraten, setzt m.M. voraus neutral bleiben zu können sowie eigene Bedürfnisse, persönliche Verführbarkeiten und Anschauungen etc. ein Stück weit hintenan zustellen. Oder besser ganz einer Sache verschrieben zu sein. Vllt auch deshalb die Worte nicht nur für die Besucher, die sich lt. antiken Autoren am Tempeleingang befunden haben sollen? "Erkenne dich selbst", "Halte Maß" und "Du bist" (das mit auch das göttliche Apollons bezeugen sollte? = Apollo, Du bist.)
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Re: Mythen und ihr Kern: Drachen

Beitragvon Sedocoinios » Di 10. Dez 2013, 13:15

Plutarch war ein Priester in Delphi...
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Re: Mythen und ihr Kern: Drachen

Beitragvon Sirona » Di 10. Dez 2013, 20:33

Ups, ich dachte das wäre ein antiker Autor gewesen, der über Delphi gschrieben hat.
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Re: Mythen und ihr Kern: Drachen

Beitragvon Sedocoinios » Mi 11. Dez 2013, 15:27

stimmt ja auch beides.
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