Bilwis der Korngeist

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Bilwis der Korngeist

Beitragvon Freyja » Sa 7. Sep 2013, 17:59

Ich bin heute über Bilwis den Korngeist gestolpert und fand das sehr interessant.


Bilwis - vom Korngeist zum Dämon

Ich möchte hier mal einen Geist unserer sagendurchwobenen Welt vorstellen, der - wie so viele unserer Geister - vor allem durch das Christenvolk einen schädigenden Ruf erlitten hat. Und das zu Unrecht.

Der Korngeist Bilwis
-Bilwiß oder Bilwiz im Mittelhochdeutschen
-Belewitte im Mittelniederdeutschen
-Belewit im Altsächsischen
-bilewit als altenglisches Adjektiv, bedeutet so viel wie gütig
-Pilwis, Pilfas, Bilmesschnitter, Bilweis oder Willeweis sind weitere Namensbeispiele der neueren Zeit

Der Geist ist mal männlich und mal weiblich, gleich den Elfen, die ja auch unterschiedliche Geschlechter haben. Der Einfachheit halber spreche ich nun aber mal von dem Bilwis. Der Bilwis stammt von der Mond-Magd Bil ab. Ihre Kraft geht vor allem dann durch das Land, wenn der Mond abnimmt. Und so wird auch der Bilwis mit dem abnehmenden Mond in Verbindung gebracht.
Er ist ein Geist des Korns - er sorgt für reiche Ernte und güldene Ähren. Während er des Tages auf Bäumen und Bergen haust, kommt er des Nachts hervor und zieht im Mondschein durch die Felder, wobei er magische Sprüche raunt.
Der Geist kann einem armen Bauern, der im Dunkel noch über seine Äcker geht, wohl gesinnt sein oder auch gefährlich. Wer seinen Segen will, der stelle dem Bilwis eine Opfergabe aus Getreide-Produkten hinaus oder stelle eine Puppe - gebunden aus Getreide - auf das Feld. So dankt man ihm die gute Ernte.
Wer ihm allerdings nicht dankt, der bekommt den Zorn des Bilwis zu spüren. Dann nimmt der Geist seinen magischen Pfeil und Bogen und lähmt den törichten Bauern für eine Weile mit seinem "Bilwis-schuss".

Als der Christ kam, ging es schlechter mit dem Bilwis. Während er heute noch in England und Norddeutschland als wohltätiger Erntegeist gilt, wurde er seit dem Mittelalter im Süddeutschen Raum immer mehr verdammt zum Dämon. Schon Wolfram von Eschenbach, der große Dichter des Mittelalters, erzählte vom Bilwis als einen Kobold, der nachts manchmal reife Ähren abschneidet und Leute angreift mit seinen Pfeilen. Oft wurden befeindete Bauern, die bei ihrem Nachbarn nachts aufs Feld gehen und die Ernte zertören oder okkulte Flüche setzen als Bilwise beschuldigt. Unerklärliche Furchen oder Schnitte im Feld wurden Bilwisschnitt genannt und ebenso verdammt. Hans Sachs nahm bilbitzen als Synonym für das Verknoten der Haare und der Pilmitz ist ein wirrer Lockenkopf.
Mit der Zeit wandelte er sich dann zwischen Schlesien und Kärnten immer weiter zur Schreckgestalt. So soll er mit eisernen Fußfesseln, an denen Sensen befestigt sind, durch die Felder streifen und den Leuten ihre Ernte zerstören. Selbst Jacob Grimm berichtet in seinem Werke "Deutsche Mythologie" von der Verunholdung des Bilwis. So stellte man ihn sich im Volksglauben als Teufel mit verfilztem Haar und Bart vor. Er verfilze die Haare der Menschen oder spiele Streiche mit ihnen. Dabei ist er noch öfters eine sie, eine Art Hexe, die mit der Hölle im Bunde steht, womit an der Bilwis auch die Spuren der Hexenverfolgung haften.
So wurde im Süden der/die Bilwiz Synonym für Hexen, Huren, lebendig Begrabene und Wiedergänger, Wahrsagerinnen, Flüche, Dämonen und Zwietracht, ja in Kärnten gar gilt er als Personifikation des Wirbelwindes.

Es ist schade um den armen Bilwis. Während unsere heidnischen Ahnen ihn noch als Geist der Ernte ehrten, ward er unter christlicher Propaganda verunholdet zu allem dem, was auf dem Lande nicht gern gesehen wurde. Ob Hurerei, Streit oder Teufel. (Quelle: germanische Götterwelt in FB)

Und das sagt Tante Wiki:

Bilwis, auch Bilwiß, Bilwiz (mittelhochdeutsch) oder Belewitte (mittelniederdeutsch), Beeldwit (niederländisch), altenglisch Adjektiv "bilewit" (gütig, milde), Pilwis, Pilfas, Bilmesschnitter, Bilweis, Willeweis stellte einen "Korndämon" dar.

Bei Wolfram von Eschenbach ist der Wilwis ein elfisches Wesen, das Menschen mit einem magischen Pfeil, dem "Bilwizschuß", lähmen kann. In Nordostdeutschland stellt der Bilwis einen wohltätigen Dämonen der Kornfelder dar, in Bayern hingegen ist er als "Bilwes-" oder "Bilmesschnitter" ein schädigender Erntedämon. In Kärnten wird der Bilwis auch als Personifikation des Wirbelwindes angesehen.

Vermutlich ist der Bilwis eine volkstümliche Variante eines älteren germanischen Fruchtbarkeitswesens und wird auch mit den schadenbringenden Kräften des abnehmenden Mondes in Verbindung gebracht. Der Name Bilwis hängt vermutlich mit Bil zusammen, die ursprünglich eine alte nordische Mondgöttin war.
Freyja
 

Re: Bilwis der Korngeist

Beitragvon Sedocoinios » Sa 7. Sep 2013, 18:44

Also ob der Korngeist Bilwis etwas mit der altnordischen Sage von Bil und Hjuki zu tun hat bezweifle ich irgendwie...

mein Lexikon des Aberglaubens sagt" Bilwis, ursprpnglich ein menschenfeindlicher Korngeist, der Menschen wie Diana mit Pfeilen Krankheiten bringt.Ab dem 14. Jhd. eine Art Hexe und Kinderschreck , Bilwesschnitter oder Kornschnitter, der einen gewissen Anteil an der Ernte bekommen muss".

auch interessant:
http://idiome.deacademic.com/316/Bilwis

Ich hab auch schon Leute gehört die ihn mit Belenus und Balder verbinden. Evtl. Belisama, die wurde ja mit Diana gleichgesetzt?
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Re: Bilwis der Korngeist

Beitragvon Sucher » Sa 7. Sep 2013, 19:55

Ich werde morgen einige übriggebliebene Halme mit Ähren suchen und em Bilwis eine Garbe binden. Er soll mir willkommen sein und seine Ehrung erfahren.

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Re: Bilwis der Korngeist

Beitragvon Freyja » Sa 7. Sep 2013, 21:03

Sucher hat geschrieben:Ich werde morgen einige übriggebliebene Halme mit Ähren suchen und em Bilwis eine Garbe binden. Er soll mir willkommen sein und seine Ehrung erfahren.

Sucher


Wunderbar :hug:

Das gleiche werde ich zur Herbst-Tag-und-Nachtgleiche tun :^^:

@Samonios, das war erstmal das, was ich gefunden hatte. Bin auch nur über den Bilwis bei Fazebuck gestolpert (hatte vorher noch nie etwas von ihm gehört). Interessant finde ich, dass Bilwis mit Belenos vergleichbar wäre. Muss ich mal bissi recherchieren ;)
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Re: Bilwis der Korngeist

Beitragvon Sedocoinios » Sa 7. Sep 2013, 22:25

Das mit Belenos ist bestimmt eine Laienetymologie, genau wie mit Bil.

"Im 16. Jahrhundert begann die Umwandlung des Bilwis zu einem Korndämon. Der Name wurde volksetymologisch zu ›Bilsen- und Binsenschneider‹ umgewandelt, indem man an Binsen und Bilsenkraut dachte."

Bilsenkraut=Belenuntia hat ja wirklich mit Belenos zu tun... passt auch zur Identifizierung des Bilwis mit der Hexe, da Bilsenkraut ja Bestandteil der Hexensalbe ist.Aber die Bräuche gehen eher in Richtung Getreidegeist und Erntesegen...

wann wird meist Getreide geerntet? Juli-August? Den Brauch einem Korngeist oder der Kornmutter die letzte Garbe zu überlassen ist ja weit verbreitet, im Siegerland bekommt sie der Hl. Bartholomäus, in Irland Partholan, oder die Cailleach wie auch in Schottland -oder Bride.In Wales ist der Korngeist die Gwrach oder "Hexe"... passt wieder gut Zum Bilwis!

Wiki hat einige schöne Bilder von Kornpuppen:
http://en.wikipedia.org/wiki/Corn_dolly ... rn_Ireland

Es ist ein Korngeist, Suchers Ansatz ist da schon genau der richtige :D
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Re: Bilwis der Korngeist

Beitragvon Vanatrix » So 8. Sep 2013, 18:35

Das mit Belenos ist bestimmt eine Laienetymologie, genau wie mit Bil.


Nicht zu vergessen auch mit berühmten Sagengestalten wie der SiBYLLe von der Teck, die von einem weiblichen Bilwis kommen soll (wahrscheinlich Sie-Bilwis oder sowas) und die ja auch mit Korn zu tun hat, weil ihr Katzenwagen so eine fruchtbare Spur hinterlassen hat.

Meistens hat das ganze seine Wurzeln im Zuge des "Mythologie-Pilz", den Jacob Grimm damals losgetreten hat... da gibt es sicher noch eine sehr größere Liste.
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Re: Bilwis der Korngeist

Beitragvon Werdandi » So 8. Sep 2013, 19:42

Noch bis ca 1956 war es in meiner Heimat üblich, die letzte Garbe auf dem Feld zu lassen. Bis dahin wurde noch meistens von Hand oder mit einfachen Mähmaschinen geerntet.
Mama hat gesagt,das ist die Garbe der Kornmuhme. Die wohnt dadrin und hat dort ihr Winterquartier.

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Re: Bilwis der Korngeist

Beitragvon Sedocoinios » Mo 9. Sep 2013, 16:34

Ja, die Kornmuhme... das ist auch so eine örtliche Figur.

Bei uns ists wiegesagt der Hl. Bartholomäus... oder der "Kornritter" wie mein Opa gesagt hat.
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Re: Bilwis der Korngeist

Beitragvon Werdandi » Mo 9. Sep 2013, 19:29

Finde ich spannend. Das witzige an Mamas Aussage ist, daß sie ja garnicht aus der Prignitz stammt sondern sie ist in Ostpreußen geboren..dort gab es aber diesen Brauch auch. Er scheint also weit verbreitet zu sein.

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Re: Bilwis der Korngeist

Beitragvon Sedocoinios » Mo 9. Sep 2013, 20:11

Ja, sehr weit...
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