Die Götter wie ich sie verstehe

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Die Götter wie ich sie verstehe

Beitragvon Sucher » Di 1. Nov 2016, 19:36

Als Nachtrag zum Samoniosritual 2016:

Götter halte ich für Verkörperungen von Landschaften, Bergen, Tälern, Quellen, Bächen, Flüssen und Strömen. Und von Naturereignissen.
Durch diese Erscheinungsform erweisen sie uns einen sehr wertvollen Dienst. Sie erlauben uns, mittels Kommunikation ein Einvernehmen zwischen der uns umgebenden Natur und uns selbst herzustellen.
Wer mit seiner Umgebung im Einvernehmen ist, kann auch mit sich selbst in Frieden leben.
Und wer mit sich selbst zurechtkommt, kann auch Einvernehmen mit seinen Mitmenschen herstellen.

Das erlaubt uns, auch in solchen Fällen Hilfestellung zu geben, in denen das nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig ist. Nämlich dann, wenn es gilt, einen Mitmenschen auf sein Fehlverhalten hinzuweisen. Aber ohne ihm die Hosen herunterzuziehen.
Fast immer ist es einfacher, Stillschweigen zu bewahren. Aber dadurch lassen wir unsere Mitmenschen im Glauben, dass alles in Ordnung sei. Das bedeutet, die vorhandenen Ängste, Sorgen, Zwänge und Befürchtungen noch zu verstärken.

Unsere Götter versetzen uns aber in die Lage, konstruktiv die Bekämpfung der Angst aufzunehmen. Eindeutig Stellung zu beziehen im Schildwall des täglichen Lebens. Bei der Bekämpfung unserer eigenen Angst genauso wie an der Bekämpfung der Ängste von Menschen, die uns wichtig sind. Die unsere Familienangehörigen, unsere Freunde, unsere Gefährten oder unsere Partner sind.

Voraussetzung ist Einvernehmen. Gleichgewicht. Stabilität.

Wer ein Einvernehmen mit den Göttern herstellen kann, kann mit sich selbst in Frieden leben. Und wer mit sich selbst in Frieden leben kann, kann auch zur Zufriedenheit seiner Mitmenschen da sein.

Den Göttern sei Dank.

Eines aber sollte vor diesem Hintergrund nicht vergessen werden: Die Götter sind für nichts verantwortlich und sie übernehmen auch keine Verantwortung für uns oder unser Tun und Handeln.

Michael Seidt (Sucher)
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Re: Die Götter wie ich sie verstehe

Beitragvon Sirona » Di 1. Nov 2016, 22:48

Danke Sucher!

Da ich mich in verschiedenen Paradigmen bewege und in einer modernen polytheistischen Religionskultur Platz für vielfältige Ansichten und Annahmen über Göttervorstellungen sein sollte, sehe ich Götter manchmal als:

-jungianische Archetypen
-personifizierte Wesen
-personifizierte Naturgewalten
-Naturerscheinungen
-Ideale/Vorbilder
-Prinzipien

und manchmal finde ich es recht tröstlich sie schlicht als Götter meiner Ahnen zu verehren, an die ich nicht glauben muss wie das die Gottesvorstellung meiner christlichen Ahnen vorsieht, aber denen ich mich anvertrauen kann (je nach Paradigma). Wahrscheinlich haben meine vorchristlichen Leuts das ja auch lange Zeit getan und schienen nicht schlecht damit gefahren zu sein.
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Re: Die Götter wie ich sie verstehe

Beitragvon Sedocoinios » Mi 2. Nov 2016, 22:43

hmm... ich sehe nicht alle Gottheiten als Verkörperungen von Landschaften... was ist mit den Göttern der Künste oder den Kriegsgottheiten?

Viele kann man in der Landschaft finden... aber nicht alle!
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Re: Die Götter wie ich sie verstehe

Beitragvon Vailos » Do 3. Nov 2016, 06:31

Ich denke, das ist eine persönliche Gnosis, Es ist ja auch die Frage - kommen in einem persönlichen Pantheon wirklich reine Kriegsgötter oder Götter der Künst vor. Das tut es bei mir nämlich auch nicht, auch wenn ich für mich die Götter auch anders umschreibe und wahrnehme. Nämlich als "Geist" und Kraft dessen, was wir selber sind.
Die Sicht, die wir auf die Kelten haben, sagt mehr über uns aus, als über die Kelten selbst.


Ich bin glücklich. So einfach ist das.
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Re: Die Götter wie ich sie verstehe

Beitragvon Sucher » Do 3. Nov 2016, 20:30

Ja, Samonios. Das ist nicht so einfach. Aber ich versuch's mal:

Kriegerischen Auseinandersetzungen räume ich nicht diesen Stellenwert ein. Ich leugne sie nicht. Aber wenn es dazu kommt, dann muss ich mich vor allem auf mich selbst verlassen. Und da erbitte ich wiederum den Schulterschluss meiner Ahnen und der oben angeführten Gruppen von Gottheiten.

Mit der Kunst hast Du mich eiskalt erwischt. Ich bin kein Künstler.
Ich bin eher Handwerker. Und dafür brauche ich Holz (Abnoba, Vosegos), Werkzeug (Gobannos) sowie Geduld, Demut und Geschick (Rhenos). Damit komme ich zurecht.
Für Dich gelten da andere Sphären. Aber ich bin sicher, dass Du Dir zu helfen weißt. :knuddel:
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Re: Die Götter wie ich sie verstehe

Beitragvon Mac » Fr 4. Nov 2016, 01:27

Krieg... immer ein schweres Thema. Durch meine Arbeit mit Flüchtlingen komm ich wahrscheinlich näher an das Thema heran als jeder andere, sofern er nicht beim Amt für Migration oder bei der Bundeswehr ist... Well... Ja, Kriegsgötter haben bei mir einen gewissen Stellenwert. Wenn du Frieden willst, besänftige die Götter des Krieges. Kann man schlecht drumherum reden, was es da an "Zuständigkeiten" gibt.

Kunst... *hüstel* Sucher, darf ich drauf hinweisen, dass die meisten Künstlergötter AUCH Handwerksgötter sind und unsere werten Vorfahren da auch wenig Unterschied gemacht haben? Noch kälter erwischt. ;) Außerdem ist auch eine gewisse Kunst darin einen Gegenstand mit Zweck zu seiner Form zu bringen und Funktionalität und Design zu verbinden. Kunst und Können und so. ;) Ich bewundere Leute, die wirklich was bauen, schmieden, schnitzen oder *hier beliebiges passendes Verb einsetzen* können. Ich kann's meistens nicht.

Zu meiner Göttervorstellung: Gemischt. Manche, besonders die die anthropogene Bereiche (Kunst, Handwerk, Krieg, Recht, Gemeinschaft, Landwirtschaft) haben, sind tendentiell eher anthropomorph (also wie in jedem indogermanischen Pantheon), während natürliche Phänomene (Wetter, Gewässer, Berge, div. Landschaften, Sonne, Mond, Jahreszeiten, Leben an sich usw.) zwar mal mehr, mal weniger diffus eine anthropomorphe Gestalt hinter sich haben, aber dennoch eher in Form eben dieser Phänomene erscheinen. Bestimmte Bereiche (Tod, Zorn, Liebe, Fruchtbarkeit, Jagd, Rausch) wiederum seh ich als so archaisch, dass da zwar Tendenzen zum Animismus sind, aber es bleibt dabei, ich folge da einem ziemlich menschlichen Weg. Die Götter sind eben auch fehlbar, was sie uns ähnlicher macht. Wieso sie sich nicht ähnlich vorstellen? Da folg ich ganz gut der späteren vor-römischen und gallo-römischen Sicht, soweit ich sie deuten kann.
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Re: Die Götter wie ich sie verstehe

Beitragvon Sedocoinios » Mo 7. Nov 2016, 15:39

@Vailos

da sind wir recht nahe beeinander...

Kunst/Handwerk... geschenkt. Ich sehe definitiv nicht alles göttliche nur in der Landschaft, höchstens einen kleinen Teil.
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Re: Die Götter wie ich sie verstehe

Beitragvon Sedocoinios » Di 7. Mär 2017, 16:22

mir ist gerade etwas aufgefallen...

als ich eine statue des gottes interabus betrachtete fühlte ich mich an jemanden etinnert und tatsächlich scheint der gott von seinen gesichtszügen her jemandem zu gleichen den ich mal in frankreich traf. bereits zu meiner schulzeit hatte ich im kunstunterricht darauf hingewiesen. dass eine statue der göttin kore sehr stark einer türkischen mitschülerin von uns ähnelte...



da kam mirein alter gedanke wieder: wenn die gottheiten die landschaft der oukumene repräsentieren oder mit ihr evtl sogaridentusch sund...

sind sie auch mit den menschen die diese landschaft bewohnen identisch? und wurde dies von den künstlern damals vielleicht mit völliger absicht so gewählt dass die gottheiten den typischen menschen ihres einflussgebietes ähneln weil sie diese repräsentierensollen? die gottheit als ideeller gesamteinwohner?
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Re: Die Götter wie ich sie verstehe

Beitragvon Sucher » Di 7. Mär 2017, 18:18

Sedocoinios, das, was Du da schreibst, halte ich für einen wundervollen Gedanken. Zumal bestimmte Landschaften einen ganz bestimmten Menschentypen hervorgebracht haben. Das ist vielleicht heute nicht mehr so ausgeprägt, aber immer noch vorhanden.

Die Gottheit als ideeller Gesamtbewohner sowie als verknüpfendes Element zwischen den Menschen, die eine Landschaft bewohnen und der Landschaft selbst.

Vielen Dank für diesen Impuls, alter Gefährte!
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