Multikelturelles Recon

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Multikelturelles Recon

Beitragvon Vanatrix » Di 27. Sep 2016, 21:36

Die Kalenderdiskussion brachte mich da auf einen Gedanken:

Ich selbst komm ja was meine Tradition betrifft eher vom germanischen Ufer. Allerdings finden sich dort durchaus keltische Bestandteile, nämlich wo:
1. sich galloromanische Relikte im Brauchtum oder der Mythologie der Heimat finden
2. die inselkeltische Prägung des Neodruidentums deutlich wird
3. durch das Christentum aufgenommen Artus- oder Feenerzählungen in das Erzählgut fließen

Das Celtic Recon geht ja im Grunde den umgekehrten Weg, indem es von einem keltischen Kontext ausgeht und erst dort, wo die rekonstruierte Überlieferung (die ja meist selbst schon Patchwork aus verschiedenen pan-keltischen Quellen und Kontexten ist) an ihre Grenzen stößt, trans-keltische Inhalte aufnimmt.

Also:
Woran orientiert ihr euch bevorzugt? Römische, germanische, christliche Quellen, oder gar die vedisch-indogermanischen Ansätze?
Spielen die christlichen Interpretationen z.B. der Artussagen für euch eine spirituelle Rolle, oder geht ihr da lieber einen Schritt oder auch zwei zurück?
Implizieren die vielen germanischen Stammesnamen (Nemeter, Ubier, Sachsen) für euch auch eine entsprechende Nähe zu den betreffenden Traditionen?
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Re: Multikelturelles Recon

Beitragvon Vailos » Di 27. Sep 2016, 23:41

Vanatrix hat geschrieben: die vielen germanischen Stammesnamen (Nemeter, Ubier, Sachsen)


Bei den Nemetern ist es recht schwierig, aufgrund einer Behauptung Cäsars und Tacitus, sowie der archäologisch nichtverifizierbaren Ariovistthese automatisch von einem "Germanenstamm" auszugehen. Bei den Ubiern sieht es ähnlich aus. Das müsstest du als "Druide" aber wissen. Und nicht alles bei Wikipedia abschreiben.

Und auf die Sachsen bezieht sich hier keiner - nicht mal jene, die mal irgendwann eine Touta mit entsprechender Regionalbezeichnung eingerichtet haben.
Die Sicht, die wir auf die Kelten haben, sagt mehr über uns aus, als über die Kelten selbst.


Ich bin glücklich. So einfach ist das.
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Re: Multikelturelles Recon

Beitragvon Sedocoinios » Mi 28. Sep 2016, 06:38

Ich finde den Multikulturalismusbegriff hier auch fehl am Platz... das ist ein modernes liberales Konzept
und trifft nicht historische Zusammenhänge die eher von antikem Klientelwesen geprägt waren.
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Re: Multikelturelles Recon

Beitragvon Vanatrix » Mi 28. Sep 2016, 13:15

Vailos hat geschrieben:Bei den Nemetern ist es recht schwierig, aufgrund einer Behauptung Cäsars und Tacitus, sowie der archäologisch nichtverifizierbaren Ariovistthese automatisch von einem "Germanenstamm" auszugehen.

Dass die erwähnten Stämme zu einem ganz erheblichen Teil auch keltisch waren (egal welchen Keltenbegriff wir verwenden), steht ja außer Frage.

@Samonios: Ich schrieb multi-kelt-urell. Sollte nur ein Wortspiel sein, um auf die innerkeltische Vielfalt anzuspielen.
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Re: Multikelturelles Recon

Beitragvon Sedocoinios » Mi 28. Sep 2016, 18:53

sorry mein Fehler :D
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Re: Multikelturelles Recon

Beitragvon Mac » So 9. Okt 2016, 14:33

Beschrieben wird hier in diesem Thread die wissenschaftliche Methode des Vergleichs, gefragt wird nach den bevorzugten Quellen...

Aus meiner Erfahrung gehen die meisten über kurz oder lang diesen Weg. Die Forschung bedient sich ja auch des Vergleichs.

Indogermanistik schließt ALLE Sprachen und Kulturen der indogermanischen Sprachfamilie ein und vergleicht sie untereinander. Vergleichende Sprach- und Kulturwissenschaft weitet das über die Grenzen der Sprachfamilien hinaus aus. Vergleichende Religionswissenschaft ist grundsätzlich übergreifend und global angelegt. Und auch die anderen Disziplinen (Archäologie, Alte Geschichte, Mittelalterliche Geschichte, Ethnologie...) gehen spätestens diesen Weg, wenn irgendwo ein Berührungspunkt zwischen zwei Kulturen auftaucht.

Da nun die meisten hier wissenschaftliche Methodik und Richtlinien bevorzugen, ist weniger die Frage OB und WELCHE Quellen man aus nicht-keltischem Umfeld aufgreift, sondern WANN, WIE und WARUM man sie heranzieht.
Außerdem ist davon auszugehen, dass man chronologisch wie räumlich besser möglichst nah am betrachteten Bereich dran bleibt.

Ein Beispiel:

Man will was über Votivopfer im gallo-römischen Raum wissen.

Verwendet man nicht-keltische Quellen dazu? (OB) Ja.

An welchem Punkt kommen diese Quellen ins Spiel? (WANN) Sobald die archäologischen Funde nicht mehr für sich interpretierbar sind.

Auf welche Art und Weise verwendet man diese Quellen? (WIE) Vergleichend und/oder daher argumentativ unterstützend/entkräftend. Oder sie werden als nicht aussagekräftig erkannt.

Welche Quellen verwendet man? (WELCHE) Prinzipiell: Grundlegend nur Archäologische Befunde inklusive Inschriften. Außerdem: Römische Quellen vom 2.Jh. BC bis 5.Jh. AD sind als grundsätzlich aussagekräftig zu betrachten.

Warum verwendet man diese Quellen? (WARUM) Weil sie räumlich und zeitlich der betrachteten Zeit und Räumlichkeit am Nächsten sind.


Fazit
Welche Quellen man heranzieht hängt vom expliziten Thema ab und ist nicht pauschal zu beantworten.
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