Einzug der Wintergeister/Andreasnacht

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Einzug der Wintergeister/Andreasnacht

Beitragvon Sirona » Di 24. Nov 2015, 19:43

Hier im Moselfränkischen kennt man die sogenannte Andreasnacht, als Vorabend des 30. Novembers. Sie markierte für die katholische Bevölkerung das alte Kirchenjahr mit dem Untergang der Sonne sowie den Beginn des neuen Kirchenjahres mit dem Aufgang der Sonne am folgenden Morgen. Das mit dem Sonnenuntergang als Festmarkierung kennen wir auch von den Kelten.

Schwellenzeiten waren oft auch Orakeltage. Der Andresasabend war auf dem Land der bedeutendste Orakeltag vor der Jahreswende. Besonders unverheiratete Frauen übten entsprechende Bräuche aus um zu erfahren, ob sie im kommenden Jahr heiraten werden. Die Bräuche wurden interessanterweise oft nackt ausgeübt. Martin Luther vermerkte über den Andresasbrauch folgendes:

"In der Andresasnacht beteten die Mädchen und wollten erforschen, was für einen Mann sie haben sollten. Sie warfen sich nackt auf die Erde und beteten: Gott, mein Gott, du lieber St. Andreas, gib mir einen frommen Mann, zeige mir hinte den an, der mir zugeteilt werden soll."

Die christliche Kirche hatte so einige Probleme mit den Orakelbräuchen der mitteleuropäischen Bevölkerung, die nicht so recht davon lassen wollten.

Ein beliebtes Orakel war auch das Schälen eines selbstgeflückten Apfels. Das Mädchen musste dazu stehen und den ganzen Apfel mit einer einzigen Schale schälen. Die Schale fiel zu Boden und daraus versuchte das Mädchen einen Hinweis auf den Namen dessen zu erkennen, der sie im folgenden Jahr heiraten würde.

Beim Schuhorakel mußte das Mädchen auf einem Stuhl sitzen mit dem Rücken zur Zimmertüre. Sie nahm dann einen ihrer Schuhe und warf ihn mit einem Orakelspruch nach hinten rechts über die linke Schulter. Wenn die Schuhspitze in Richtung Türe wies, so bedeutete es, das sie als Braut das Haus verlassen würde. Zeigte der Schuh in eine andere Richtung mußte sie noch 1 Jahr warten. Orakelsprüche habe ich keine finden können.

Der Andreasabend markierte auch den Tag, an dem die Wintergeister wiederkamen.

Auch dazu ist im moselfränkischen einiges an Brauchtum überliefert wie "den Bimbam mache gehn". Diesen Brauch gab es bis ins 20. Jahrh. als Burschenspaß. Durch einen Feldstein mit natürlichem Loch wurde eine Schnurr gezogen. Diese lief über einen Ast im Hausbaum oder wurde sonstwo in der Nähe der Haustüre des "Opfers" befestigt. In den Abendstunden wurde durch ruckartiges Bewegen, der Stein so lange hin und her bewegt, bis er begann, an die Haustüre zu klopfen. Erlebare Wintergeister. ;)

Ich denke schon das in diesen Bräuchen noch ältere Motive durchschimmern. Mir täte gefallen dieses Brauchtum ein bissel zu paganisieren. Besonders das Motiv "Wiederkehr der Wintergeister" gefällt mir gut. Vorstellbar wäre mit gebührendem Respekt (und vllt auch Schabernack) die Wiederkehr zu begehen und die Geister milde zu stimmen.

Der Winter war zumindest für die Altvorderen keine angenehme Zeit in Bezug auf Nahrungseinschränkung, Kälte und Dunkelheit. Heutzutage bin ich froh bei Schnee und Eis sicher mit dem Auto zur Arbeit zufahren oder das Haus und Dach keinen Schaden nehmen je nach Schneelast usw. Ansonsten genieße ich den Luxus einer warmen Stube, Kerzen und gutes Essen.

Hat vllt jemand Lust ein paar Gedanken oder Ideen beizusteuern wie eine paganisierte Form aussehen könnte? Oder was gibt es in Eurer Region so für überlieferte Winterbräuche?
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Re: Einzug der Wintergeister/Andreasnacht

Beitragvon Sucher » Di 24. Nov 2015, 20:05

Ich könnte mir für den Einzug der Wintergeister ein Feuer vorstellen, an dem gemeinsam ein leckeres dampfendes Getränk (ohne oder mit Alkohol) genossen wird. Das könnte ein würdiger Rahmen dafür sein, sich innerlich auf die kalte und dunkle Zeit und auf die kommenden Rauhnächte einzustimmen.
Damit das für die kommenden Tage in Erinnerung bleibt, könnte ich mir auch vorstellen, Tannen-, Mistel- und Stechapfelzweige im Haus anzubringen, die vielleicht noch mit natürlichen Materialien geschmückt werden. Diese Zweige könnten dann vielleicht zu Lichtmess in einem anderren Feuer verbrannt werden, damit man sich auf das Frühjahr einstimmen kann.
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Re: Einzug der Wintergeister/Andreasnacht

Beitragvon Vailos » Do 26. Nov 2015, 20:16

Ich hab mal ein wenig herumgegoogelt. Die Andreasnacht ist tatsächlich sehr weit verbreitet. Ich habe Berichte aus Tirol, Bayern bis nach Polen gelesen. Allen gemein ist, neben dem Bezug zum hl. Andreas, der der biblischen Legende nach ein Bruder Petrus sein soll, dass dieser Tag überall im Volksbrauchtum als eine Losnacht beschrieben wird. Wo die jungen Mädels den Zukünftigen oder ihre Heirat erfahren.

Neben den oben im moselfränkischen beschriebenen Volksbräuchen findet man in Polen zum Beispiel das Wachsgießen. Ähnlich wie beim Sylvesterbleigießen wird heisses Wachs in kaltes Wasser getropft, das Ergebnis hält man dann ins Licht, und am Schattenwurf erfährt man dann die Zukunft.

Genaue Bezüge zu irgendwelchen ganz alten heidnischen Geschichten habe ich nicht gefunden. Was aber ja sowieso schwierig ist, da sich viele heidnische Bräuche vermischt und verselbstständigt hatten. Ich denke, das heidnische an diesem Tag ist das Orakeln, welches bekanntermaßen nicht Bestandteil von kirchlichen Lehren ist....

Mir gefällt der Gedanke des Winteranfangs sehr gut, auch im Zusammenhang mit den Wintergeistern...
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Re: Einzug der Wintergeister/Andreasnacht

Beitragvon Sedocoinios » Do 26. Nov 2015, 20:47

St andrews night, burn night, hogmanay.fuer den slawischen raum findet sich uch viel.
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Re: Einzug der Wintergeister/Andreasnacht

Beitragvon Sucher » Do 26. Nov 2015, 21:31

Sirona hat geschrieben:
Hat vllt jemand Lust ein paar Gedanken oder Ideen beizusteuern wie eine paganisierte Form aussehen könnte? Oder was gibt es in Eurer Region so für überlieferte Winterbräuche?


Ich gestatte es mir, auf diese interessante und Kreativität hervorlockende Frage von Sirona dezent hinzudeuten...... :^^:
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Re: Einzug der Wintergeister/Andreasnacht

Beitragvon Schneewoelfin » So 29. Nov 2015, 00:10

Hi Sirona,

was genau willst Du denn paganisieren? ^^ das (nackte ;) ) Orakeln wegen des "Zukünftigen", die Wiederkehr der Wintergeister , oder....? stehe etwas auf der Leitung...auch frage, was Du mit "paganisieren" meinst...?

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Re: Einzug der Wintergeister/Andreasnacht

Beitragvon Sirona » So 29. Nov 2015, 01:16

Nackig ist immer gut. ;)

Aber hier interessiert mich die Sache mit dem "Einzug der Wintergeister". Reizvoll ist dabei auch ein bissel, das in diesem regionalen Brauchtum wahrscheinlich noch ältere Winterbräuche durchschimmern. Allerdings findet sich das Motiv "Wintergeister" nicht überall wo die Andresasnacht verbreitet ist bzw. war. Das schien eher eine Lokalvariante gewesen zusein. Führend für die Andreasnacht war eher das Orakeln und das Schicksal ergründen zu wollen. Das hat den Menschen wohl schon immer bewegt.

Christlich sind diese Bräuche mit Sicherheit nicht und genau das interessiert mich deswegen auch. Das ganze Thema Brauchtum in der Region finde ich gerade sehr spannend und ja, vllt spinniere ich da auch viel. Aber ich mags und finde es lädt geradezu ein sich ein paar Gedanken zumachen.

Interessant in meiner Region waren auch die sogenannten Vermummungen und "Geistererscheinungen" zur Adventszeit, die bis ins 19.Jahrh. dokumentiert sind. Sie begannen mit der Andreasnacht. Manche erinnern an die "germanische" Mythologie wie die Habergeiß oder die Spinnfrau. Die Habergeiß oder die Himmelsgeiß könnte im Zusammenhang mit Donars/Thors Geißböcken stehen. Auch wenn das nicht mehr bewußt erinnert wurde. Die Kirchen mochten dieses Vermummungsbrauchtum nicht besonders und führten auch Kirchenstrafen in Form von Bußgeldern ein wer bei einer Vermummung erwischt wurde.

Diese Vermumungen waren bestimmt auch sehr gruselig bes. wenn sie Spätheimkehrern im Dunkeln auflauerten. Ich hätte bestimmt eine Herzattacke erlitten. Verkleidet haben sich oft die jungen Burschen. Vllt war es auch mehr als nur ein Verkleiden. Der zu einem "dämonischen" Wesen Verkleidete spielte nicht nur den Dämon sondern er war es (in gewisser Art und Weise)?
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Re: Einzug der Wintergeister/Andreasnacht

Beitragvon Schneewoelfin » So 29. Nov 2015, 02:46

Sirona hat geschrieben:Nackig ist immer gut. ;)


:roll: jou!

Sirona hat geschrieben:Aber hier interessiert mich die Sache mit dem "Einzug der Wintergeister".


erinnert mich an die Rauhnächte, bzw die Wilde Jagd

Sirona hat geschrieben:. Führend für die Andreasnacht war eher das Orakeln und das Schicksal ergründen zu wollen. Das hat den Menschen wohl schon immer bewegt.


ja, ich kann mir vorstellen, dass die Menschen, die damals eben noch sehr von der Jahreszeit abhängig waren, dann orakelten, was sie eben bewegte und wenn junge Frauen bewegte eben "der Zukünftige", bzw ob der Zeitpunkt der Hochzeit nahte

Sirona hat geschrieben:Interessant in meiner Region waren auch die sogenannten Vermummungen und "Geistererscheinungen" zur Adventszeit, die bis ins 19.Jahrh. dokumentiert sind.


das wiederum erinnert mich daran, dass pagan davon ausgeht, dass die Schleier zwischen den Welten sich lichten, bzw die Tore zur Anderswelt offenstehen

das Verkleiden passt für mich zum Fasching, hier mal ein Link zu eiem Artikel, in dem Infos zum Faschingsbrauchtum gesammelt sind

http://www.jahreskreis.info/files/fasching.html


bzw hier

http://www.jahreskreis.info/files/rauhnaechte.html

steht etwas zum Orakeln, der Wilden Jagd und ich kann mich jetzt nicht erinnern, woher ich das habe, dass man sich vermummte, um eben von der Wilden Jagd nicht für einen Menschen, sondern für einen der ihren gehalten und so von Unglück und Krankheit verschont zu werden.

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Re: Einzug der Wintergeister/Andreasnacht

Beitragvon Vailos » So 29. Nov 2015, 08:16

Schneewoelfin hat geschrieben:ja, ich kann mir vorstellen, dass die Menschen, die damals eben noch sehr von der Jahreszeit abhängig waren, dann orakelten, was sie eben bewegte und wenn junge Frauen bewegte eben "der Zukünftige", bzw ob der Zeitpunkt der Hochzeit nahte


Ich denke nicht dass die sog. "Lostage" von der Jahreszeit abhängig waren. Lostage wie die Andreasnacht findet man das komplette Jahr über...

Schneewoelfin hat geschrieben:das wiederum erinnert mich daran, dass pagan davon ausgeht, dass die Schleier zwischen den Welten sich lichten, bzw die Tore zur Anderswelt offenstehen


Das kann man m.M. nicht auf alle Pagans übertragen, eher nur auf keltophile Neuheiden. Bei Germanen, Römern und Griechen sieht diese Vorstellung etwas anders aus - da gehen die Toten in Totenreiche und bleiben dort. Die Andersweltvorstellung ist schon ziemlich gallisch/keltisch.

Schneewoelfin hat geschrieben:das Verkleiden passt für mich zum Fasching, hier mal ein Link zu eiem Artikel, in dem Infos zum Faschingsbrauchtum gesammelt sind


Interessant ist ja eben, dass nicht nur zum Austreiben von Winter- oder Wilde Jagd Geistern Mummenschanz betrieben wurde - sondern allen Anschein nach auch an anderen Zeitpunkten....
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Re: Einzug der Wintergeister/Andreasnacht

Beitragvon Sucher » So 29. Nov 2015, 09:45

Im Zusammenhang mit Andreasnacht habe ich ebenfalls sofort an die Wilde Jagd und an Bräuche wie das Perchtenlaufen denken müssen.
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