Buchkritik: Celtic Curses von Bernard Mees

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Buchkritik: Celtic Curses von Bernard Mees

Beitragvon Sedocoinios » Mi 7. Okt 2015, 14:56

Ich habe ewig gebraucht bis ich dazu kam das Buch fertigzulesen und vernünftig durchzuarbeiten.Danke an den Celtoi e.V. der es mir ermöglicht hat mir das Buch zu leihen... als kleines Dankeschön, hier eine , hoffentlich aufschlussreiche, Buchbesprechung meinerseits:

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Celtic Curses ,vom australischen Doktor in Ideengeschichte Bernard Mees, ist die erste groß angelegte Untersuchung zu magischen Praktiken der Kelten.Hauptaugenmerk Mees liegt hierbei darin festzustellen ob und falls ja in wie weit es einen Zusammenhang gibt, zwischen den uns bekannten Praktiken der altkeltischen Magie, den magischen Praktiken welche in der mittelalterlichen inselkeltischen Literatur beschrieben werden und neuzeitlichen folkloristischen Bräuchen.

Zu diesem Zweck unterzieht Mees zunächst den gesamten überlieferten Corpus spätantiker Defixiones und anderer keltischer Texte und Textbruchstücke einer Untersuchung und widmet sich daraufhin den mittel- und altirischen Quellen.

Anhand genauer Vergleiche mit den bekannteren Defixiones des mittelmeergebietes römischer und griechischer Herkunft weist Mees nach ,daß die gallischen und britannischen Zaubertafeln keine reinen Imitationen mediterraner Vorbilder sind sondern zumindest in Teilen auf höchstwahrscheinlich einheimische Traditionen zurückgreifen, welche Mees in magischen Liedern oder Gedichten vermutet.Diese haben die Kelten der Spätantike in Bruchstücken bewahrt und mit der, von den Römern übernommenen Praxis der Defixiones, verbunden, wodurch uns einige ihrer altertümlich magischen Vorstellungen erhalten geblieben sind.Inhaltlich hält Mees einige Verbindungen zu gewissen Reimschemata und stilistischen Mitteln altirischer Dichtkunst sowie auch inhaltliche mythologische Zusammenhänge für durchaus möglich, jedoch höchstens in Indizien erkennbar und nicht zweifelsfrei nachweisbar.

In seiner Betrachtung der überlieferten inselkeltisch-mittelalterlichen Magie vermag Mees aufzuzeigen ,daß die meisten der, in der irischen Literatur, christlichen Missionaren und irischen Druiden in den Mund gelegten Flüche auf Psalmen des alten Testaments und Excommunicationsformeln beruhen und gelehrte Nachbindungen darstellen und keinesfalls als Quellen für altirische Fluchpraktiken herangezogen werden können, allerdings gelingt es ihm eine enge Verwandtschaft zwischen gälischen Lorica-Schutzgebeten und antiken Zauberformeln, hauptsächlich Flüchen und Liebeszaubern, nachzuweisen.Die Loricas seien demnach im Kern "umgedrehte" Zauber, welche die Form von Schutzgebeten angenommen haben.Auch die glossenhaften Beschreibungen altirischer Zauberpraktiken wie dem imbas forosnae oder glam dicinn hält Mees für wenig glaubwürdig und vermutet ,daß mittelalterliche Kompilatoren diese eher aus Bruchstücken von Sage oder Mythologie erschlossen als ,daß sie noch existente und nachvollziehbare Praktiken beschrieben hätten.Ebenso verwehrt sich Mees einer Deutung der zahlreichen altirischen Traumvisionen, wahnsinniger Zauberer oder Tierverwandlungen als Überbleibsel schamanoider Riten, sondern verweist auf Verwandtschaft zur gängigen antiken Vorstellung von Schlaf als Reise und Liebe als Fieber oder Krankheit, wie sie auch für antike Bindungszauber üblich sind.Auch Beschwörungen wie das Lied des Amergin oder die Prophezeiung der badb deutet er als beschreibende Gedichte, deren Ursprünge in der Literatur der mittelalterlichen Schriftsteller Lägen und trotz ihrer Archaik keine reellen Zauberformeln oder Anrufungen repräsentierten sondern Werke wenig anspruchsvoller späterer Dichter seien.Hohe Glaubwürdigkeit hingegen spricht Mees der Beschreibung altirischer Losorakel sowie dem Konzept des Geis zu, in welchem er eine womöglich mythologisch überformte tatsächliche ehemalig heidnische Praxis vermutet.Grössere Authentizität spricht er allerdings jenen im anspruchsvolleren Retoiric oder roscad Stil verfassten Texten welche ihm zufolge durchaus altertümliche, eventuell sogar heidnische, Inhalte bewahrt haben.Gegen Ende seines Buches kommt er schließlich noch auf frühneuzeitliche Fluchbrunnen und Puppenmagie zu sprechen, deren Auftreten er als neuzeitliches Phänomen innerhalb christlichen Aberglaubens b aufdeckt.Seine Schlußfolgerung letztendlich lautet: Die ursprünglichen magischen Ideen der Kelten waren im frühen Mittelalter bereits in Vergessenheit geraten und stehen, bis auf wenige einzelne Phänomene, in keinem engeren Zusammenhang mit dem magischen Brauchtum des irischen Mittelalters.


Fazit: Bernard Mees legt mit seinem Buch das neue gültige Standartwerk über keltische Magie vor und bietet die zeitgemäßesten und genauesten Übersetzungen alter gallischer Zaubertexte die zur Zeit verfügbar ist sowie eine gründliche und gewissenhafte Aufarbeitung und aufschlussreiche Vergleiche mit mittelalterlicher walisischer und irischer Literatur auf.Ich möchte sein Buch jedem Menschen wärmstens ans Herz legen, der sich für keltische Magie und mittelalterliche irische Dichtung interessiert. -Samonios
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Re: Buchkritik: Celtic Curses von Bernard Mees

Beitragvon Sucher » Mi 7. Okt 2015, 17:40

Herzlichen Dank, Samonios.
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