Die Celtoitugenden

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Re: Die Celtoitugenden

Beitragvon Sedocoinios » So 4. Okt 2015, 22:40

Unser heutiges Wort "Tugend" leitet sich vermutlich von einer protogermanischen Wurzel *duganą mit der Bedeutung "bereit sein, erfüllen, genügen" ab, eng verwandt ist unser heutiges Wort "Taugen".Es entstammt also urprünglich dem Bedeutungshorizont "etwas gut erfüllen", bekam aber schon früh die Nebenbedeutungen "dienen", "stark ein" und "gut sein" (auch im Sinne "Gute Qualität haben"). Das lateinische Virtus hingegen, und davon abgeleitet das englische Virtue, bedeuteten ursprünglich "Männlichkeit", vor allem bezogen auf Kraft und Stärke, später auch auf "männliche" Eigenschaften, Güte, Stärke bzw. als männlich besetzte Ideale.

Entsprechend ist es schwierig das Wort "Tugend" in den keltischen Sprachen treffend zu übersetzen.Das altirische buaidh wird oft als "Tugend" übersetzt, leitet sich aber von altkeltisch *boudon ab, Beute, und entstammt dem Kontext von "Krieg, Schlacht, Krähe" etc., diese Form von "Tugendhaftigkeit" gehörte also am ehesten zur "kriegerischen Tugend", ähnlich wie das lateinische Virtus.

Eine engere Entsprechung zu unserer heutigen Vorstellung von Tugend bietet altirisch "subhailc,Sualig" (*su-alich) abgeleitet von altkelt. *Su-alon, "Gut sein, gut wachsen, gut nähren, gut altern", welches das Gute, reiche, volle oder erfüllte auf das Gebiet von Leben und Entwicklung bezieht.Das Gegenteil von Subhailc, auch übersetzt als Moral, ist dubhailc (von *dubualon ?), treffend übersetzt als "Verdorbenheit, Durchtriebenheit" faktisch aber mit der Bedeutung "Dunkel gewachsen, düster leben etc.".

Ein weiterer Wortzusammenhang besteht zum gallischen "Suratus", "Gnade haben, begnadet sein, begünstigt sein", welches Tugend oder Heil als Geschenk, Gabe und Glück auffasst.
"Ich will Zwietracht sähen zwischen den Königen, den Anführern, den tugendhaften Helden und den freien Bauern bis sie sich gegenseitig töten Mann für Mann wenn sie nicht mit mir kommen um mein Fest zu teilen."
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Re: Die Celtoitugenden

Beitragvon Vanatrix » Mi 7. Okt 2015, 18:56

Vailos hat geschrieben:Unsere Wertvorstellungen entstehen weniger aus Mythen, sondern aus unseren Überzeugungen heraus. Sie sind auch nicht "keltisch" in dem Sinne, sondern Celtoi.

Ist es nicht so, dass gerade die Überzeugungen die Erzählung und Auslegung der Mythen bestimmen? Natürlich funktioniert der Prozess auch umgekehrt, aber die Überlieferung deutet darauf hin, dass gerade die (zumindest kontinentalen) Mythen so erzählt wurden, dass sie die bereits vorhandenen Tugenden konkretisieren.

Im Germanischen ist das anders, dort sind sie weitgehend aus der Havamal.

Wie schon gesagt, die Tugenden werden aus mehreren Quellen "gezapft" - im Gegensatz zu den ritterlichen sind die nordischen auch nicht als Codex überliefert und stellen eine Art angelsächsische Quintessenz aus den Heldensagen und Sittengedichten dar. Das ist aber auch nur eine Möglichkeits-Rekonstruktion, welche Tugenden man heute haben kann.
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Re: Die Celtoitugenden

Beitragvon Sedocoinios » Mi 7. Okt 2015, 20:49

So ist es.

Unsere eigenen heutigen Überzeugungen führen dazu wie wir Mythen oder heilige Texte interpretieren. Das gilt so für Christen, Moslems und auch Celtoi.
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Re: Die Celtoitugenden

Beitragvon Sucher » Mi 7. Okt 2015, 21:44

Alles, was Celtoi-Tugenden, Celtoi-Weisheit, Celtoi-Anstand, Celtoi-Sozialverhalten und Celtoi-Zusammenhalt anbelangt, muss ausnahmslos im Kontext mit unserer aktuellen Zeit betrachtet werden. Damit ist unter Umständen jeder Tag gemeint.

Was heute Gültigkeit hat, muss somit übermorgen vielleicht revidiert oder angeglichen werden.

Dennoch gibt es Grundtugenden und ein Verhalten, welches grundsätzlich aus Weisheit schöpft. Das sollte Richtschnur bleiben. Dennoch kann es irgendwann notwendig sein, dass ich jemandem, der im Übermaß besitzt, etwas klauen muss, um meine Nächsten nicht verhungern zu lassen. Das kann ausgesprochen weise sein. Vor der Zeit zu sterben ist nicht tugendhaft und an Idealen festzuhalten, muss nicht weise sein.
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Re: Die Celtoitugenden

Beitragvon Sedocoinios » Do 8. Okt 2015, 10:49

Guter Punkt Sucher. Ich denke was wir hier zu finden hoffen ist nicht weniger als die idee einer art "Ur-Weisheit" die uns hilft die richtigen Entscheidungen zu treffen...
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Re: Die Celtoitugenden

Beitragvon Sucher » Do 8. Okt 2015, 11:42

Samonios hat geschrieben: "Ur-Weisheit" die uns hilft die richtigen Entscheidungen zu treffen...


Ja. So sehe ich das auch. Und Vailos vielleicht ebenfalls.
Das wäre dann etwas, was auch unseren keltischen Vorfahren nützlich war. Und den Steinzeitmenschen. Und den Kurgan-Leuten. Und überhaupt allen, die sich daran gehalten haben.
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Re: Die Celtoitugenden

Beitragvon Sedocoinios » Do 8. Okt 2015, 12:47

Celtoi Tugend: Sei Klug Sei Clever aber bleib dabei anständig
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Re: Die Celtoitugenden

Beitragvon Sucher » Do 8. Okt 2015, 13:11

Die schwierigsten Dinge lassen sich oft sehr einfach ausdrücken. :^^:
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Re: Die Celtoitugenden

Beitragvon Sirona » Fr 9. Okt 2015, 10:12

Gefällt mir auch. ^^
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Re: Die Celtoitugenden

Beitragvon Sucherkind » Mi 29. Jun 2016, 21:02

In letzter Zeit ging mir immer wieder ein Gedanke durch den Kopf.
Es hat viel mit politischen und religiösen Entwicklungen zu tun und damit, wie man sich selbst und andere einordnet und auch eingeordnet wird, ohne etwas tun zu können.
Wie man sagt "ich bin links" und sofort jeder zu wissen glaubt, welche Familienpolitik man vertritt, welche Flüchtlingshaltung man hat und wie man zum Lokführerstreik steht.
Wie man sagt "ich bin Moslem" und schon weiß jeder gleich, welches Frauenbild man propagiert, wie man zum Fortschritt allgemein steht und dass man Schweinefleischesser verachtet.
Ich versteh's nciht, mehr als einmal ging mir in letzter Zeit der Satz durch den Kopf "links, rechts, jüdisch... Ist doch egal, aber könnt ihr euch nicht einfach mal anständig verhalten???
Ich frage mich manchmal, ob es sinnvoller gewesen wäre, sämtliche Weltreligionen an dem Punkt zu bremsen, als sie darüber hinausgingen, nur eine Handlungsanweisung für ein gutes Miteinander zu sein.
10 Gebote... Ende der Bibel. Keine Ahnung.
Die Celtoi-Tugenden sind eigentlich das, was uns in diesem Chaos einordnen sollte, weshalb es wichtig ist, dass sie auch auf jeden Celtos und jede Celta zutreffen. Aber vielleicht sind sie jetzt gerade wichtiger denn je...
Touta der Nemeter

Zu Hause in den Wäldern des Nemeterlandes



Bei keinem Volke ist der Glaube an Unsterblichkeit stärker gewesen als bei den Kelten;
man konnte Geld bei ihnen geliehen bekommen, um es in der anderen Welt wiederzugeben.

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