Weissagung heute?

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Weissagung heute?

Beitragvon Vailos » So 28. Apr 2013, 18:56

Von unseren Vorfahren, den Kelten, ist ja überliefert, dass die Weissagung eine wichtige Rolle im religiösen und allgemeinen Leben gespielt hat (wie bei den anderen antiken Gesellschaften auch).

So wird wie bei den Römern von Vorraussagen durch den Vogelflug berichtet (natürliche Mantik), jedoch wurden sie anders, teilweise gegensätzlich zu den römischen Auguren gedeutet Cicero schreibt beispielsweise über Deiotaros, dem Galaterkönig, der nichts unternahm, ohne vorher den Vogelflug beobachten zu lassen.
Auch gibt es Berichte zu „unnatürlichen“, also zu Mantiken mit menschlicher Beeinflussung. Einmal natürlich die grausamen Rituale, in denen aus den Zuckungen von Todeskandidaten gelesen wurde, dann aus Eingeweideschauen geopferter Tiere, aber auch so lustige wie das Rabenorakel. Welches laut Strabon in einer westgallischen Hafenstadt gepflegt wurde. Man legte auf ein Brett beiderseits Stücke Kuchen und beobachtete, welche Seite die Raben zuerst leerfraßen, schloss daraus auf die Antwort gestellter Fragen oder Entscheidungen.

Zuletzt gibt es auch Berichte von Traumdeutungen oder nekrophilen Mantiken. Nikandros von Kolophon berichtet um -150 von einem Brauch der Kelten, an Gräbern zu nächtigen, um so die Gedanken der Verstorbenen im Traum aufzugreifen und auch dadurch in die Zukunft zu schauen. (Über den Wahrheitsgehalt kann ich keine Aussage treffen)

Wie sieht das nun heute aus. Welche Rolle spielen für Euch Weissagungen, spielen sie überhaupt eine Rolle, und welche Arten von mantischen Techniken benutzt Ihr?
Die Sicht, die wir auf die Kelten haben, sagt mehr über uns aus, als über die Kelten selbst.


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Re: Weissagung heute?

Beitragvon Sucher » Mo 29. Apr 2013, 08:44

Meine Meinung zu Weissagungen?

Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass zu allen Zeiten der Menschheit Weissagungen praktiziert wurden.
Ich bin ebenso fest davon überzeugt, dass dabei weder Fressverhalten noch Innereien von Tieren noch sonst etwas eine andere als eine dekorative Rolle spielte.
Ich bin mir darüber hinaus sicher, dass immer nur weise Frauen oder weise Männer einigermaßen seriös weissagen konnten.

Was aber befähigt einen Menschen dazu, Weissagungen zu machen? Denkt einfach in Ruhe darüber nach und ihr werdet zuverlässig herausfinden, was es mit Weissagungen in der Vergangenheit, in der Gegenwart und in der Zukunft auf sich hatte, hat und haben wird.


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Re: Weissagung heute?

Beitragvon Dai » Mo 29. Apr 2013, 09:29

Weissagungen können auch aus der Wahrscheinlichkeit gesetzmäßiger Momente rekursiver Entwicklungen heraus begründet werden. So kann man beispielsweise Wettervorhersagen anhand des Vogelfluges bestimmen, was ja nach klassischen Quellen gleichsam bei den gallischen Stämmen wie den Etruskern und Römern eine Methode der Weissagung darstellte. Die Mathematik des 20 Jahrhunderts zeigt darüber hinaus, das komplexe Systeme in ihrer Strukturgebung Hinweise auf zumindest kurzfristige Entwicklungen zulassen, welche anhand von Erfahrungen natürlich ebenso nachvollzogen werden könnten. Übermittelte Weissagepraktiken anhand von Strudeln im Wasserlauf und ähnliches sind damit also in gleicher Weise, aus heutiger Sichtweise, nachvollziehbar. Wissenschaftliche Erkenntnismöglichkeiten übersteigende Formen der Weissagung ergeben sich darüber hinaus aus der Traumdeutung, Tranceerfahrung sowie gew. Meditationstechniken, dessen Wissen bei religiösen Kulturen meiner Meinung (mehr oder weniger) immer vorausgesetzt werden kann.

Daher denke ich, das der Weissagepraxis eine entscheidene Bedeutung zu ihrer Beurteilung zugemessen werden sollte.
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Re: Weissagung heute?

Beitragvon Artheduin » Mo 29. Apr 2013, 20:27

Sucher hat geschrieben:Meine Meinung zu Weissagungen?
Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass zu allen Zeiten der Menschheit Weissagungen praktiziert wurden.
*
*
*
Ich bin mir darüber hinaus sicher, dass immer nur weise Frauen oder weise Männer einigermaßen seriös weissagen konnten.
Was aber befähigt einen Menschen dazu, Weissagungen zu machen? Denkt einfach in Ruhe darüber nach und ihr werdet zuverlässig herausfinden,
was es mit Weissagungen in der Vergangenheit, in der Gegenwart und in der Zukunft auf sich hatte, hat und haben wird.
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Meiner Ansicht nach (und auch der Meinung meiner besseren Hälfte - Reiki-Meisterin; sie legt mit großem Erfolg und relativ hoher Trefferquote Tarot-Karten) bedarf es bei der Weissagung eines engen Kontaktes zur göttlichen Kraft/Energie. Mit den menschlichen Sinnen ist dies definitiv nicht leistbar, denn es ist mehr als nur menschliche Intuition. Meiner Überzeugung nach ist es auch nicht annähernd mathematisch zu lösen, denn hierbei handelt es sich um Dinge im Übernatürlichen und diese sind mit unseren bescheidenen fünf Sinnen und auch nicht bei einer potentiellen höchstmöglichen Ausnutzung unseres Gehirnes oder eines Hochleistungsrechners voraussehbar. Ich bleibe dabei; nur mit Hilfe der Gottheit(en) empfängt der Mensch diese göttlichen Fähigkeiten - nur mit Hilfe der Gottheit(en) erfahren wir wirkliche Weisheit. Die Kraft der Gottheit(en) macht weise Frauen und/oder weise Männer befähigt diese göttlichen Dinge zu tun. Selbst die Vorausberechnung von Wettervorhersagen oder Strömungsverläufen anhand theoretischer Modelle sind nur Näherungswerte. Wirkliche Weissagung ist mehr als nur Näherungen! Just my humble persuasion ;-)
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Re: Weissagung heute?

Beitragvon Vailos » Di 30. Apr 2013, 06:15

Spannende Antworten - Dank Euch!

Sucher hat geschrieben:Ich bin mir darüber hinaus sicher, dass immer nur weise Frauen oder weise Männer einigermaßen seriös weissagen konnten.

Was ist es denn, was weise Leute dazu befähigen könnte?

Dai hat geschrieben:Die Mathematik des 20 Jahrhunderts zeigt darüber hinaus, das komplexe Systeme in ihrer Strukturgebung Hinweise auf zumindest kurzfristige Entwicklungen zulassen, welche anhand von Erfahrungen natürlich ebenso nachvollzogen werden könnten.

Ich vereinfache es mal: mathematische Orakel? Interessant...

Meine persönliche Meinung zu Orakeln ist bisher etwas zwiegespalten. Auf der einen Seite weigert sich mein rationeller Verstand, Vorhersagen aufgrund natürlicher oder gemachter Ereignisse und Situationen Glauben zu schenken. Ich würde prinzipiell eher Prognosen, die wie Dai schreibt, aufgrund von Erfahrungsgrundlagen entstehen, bevorzugen.
(Interessant hier übrigens, dass die momentan "sichersten" Prognosen, also die mit der höchsten Trefferquote, von einer in Irland betriebenen Wettbüroseite erreicht wird. Die Trefferquote liegt bei über 80 %, egal ob es sich um Börsenentwicklungen oder Wahlergebnisse handelt. Die hohe Trefferquote war für die USA so ärgerlich, dass sie dort abgeschaltet wurde!)

Und bin natürlich, wie vermutlich viele hier, abgeschreckt von der üblichen Scharlatanerie, die mit Kartenlesen und weiteren Methoden, die man so beispielsweise im TV "bewundern" kann, auf Kriegsfuß. Weiterhin sehe ich auch die Gefahr, dass mit den Mitteln betrügerischer Weissagungen Menschen manipuliert werden können - was ja durchaus auch schon in der Antike Gang und Gebe war. Man denke nur an das Orakel von Delphi, wo die Truppe der Vaten dort höchstwahrscheinlich aktive Politik betrieb, indem sie "passende" Orakelsprüche veröffentlichte, die die Politiker zu diesem oder jenem Handeln trieb. Bekanntes Beispiel der Athener Themistokles, dem Gegenspieler von dem Perserkönig Xerxes. Themistokles passte ein Orakel nicht, also marschierte er los und holte sich kurzerhand ein zweites, passenderes ein. Ein Schelm, wer da nicht an Manipulation denkt.

Deswegen bin ich sehr kritisch - wenn da eben nicht immer wieder verblüffende Ergebnisse herauskämen. Schönes Beispiel die Weissagung der Druidin von Tongeren:
"Dem späteren Kaiser Dioctian wurde, als er noch in der niederen Charge diente, weissgesagt, dass er die Herrschaft erlange, sobald er den Eber getötet habe. Von einer Druidin in einem Wirtshaus in Tongeren. Daraufhin hat er bei keiner Jagd versäumt, Eber zu jagen.
Kaiser ist er geworden, nachdem er einen Konkurrenten namens Aper erschlug. Pikant: Aper ist die lateinische Bezeichnung für Keiler / Eber. Die Prophezeiung hat sich also erfüllt."


Und auch in der heutigen Zeit erlebt man immer wieder Erstaunliches.

Meine Überlegung gehen da in die Richtung, was Herr Thorvald schreibt: Sind Ergebnisse von "seriösen" (mir fehlt hier das bessere Wort) Weissagungen ein Wink der Götter? Können Orakel auch das Mittel in unserer religiösen Praxis sein, den Göttern noch ein bisserl besser zuzuhören?

Ich bin ja wirklich drauf und dran, da mal ein wenig herum zu experimentieren. Mit beispielsweise dem Rabenorakel. Was bei mir am Flüsschen eher ein Entenorakel würde...
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Re: Weissagung heute?

Beitragvon Sucher » Di 30. Apr 2013, 07:38

Vailos hat geschrieben:
Was ist es denn, was weise Leute dazu befähigen könnte?




Ich bin mir nicht sicher, ob es weise ist, darüber zu schreiben....... ;)

Weisheit resultiert gewiss aus mehreren Faktoren. Dazu gehört zum Einen eine gehörige Portion Wissen (hat in der Wortverwandtheit wohl auch mit Weisheit zu tun). Dieses umfangreiche Wissen muss natürlich durch viel Erfahrung ergänzt werden. Damit haben wir also erworbenes Wissen und erlebte Erfahrung als Grundstock. Das kann sich durchaus auch auf ein ganz bestimmtes Thema konzentrieren.

Es gibt auf der Welt eine ganze Menge Menschen, die sowohl über Wissen, als auch über Erfahrung verfügen und trotzdem nicht als weise angesehen werden können.

Was ist also noch notwendig, damit dieses Prädikat zutrifft?
Ich denke, dass es die Fähigkeit ist, selbst mit der eigenen Angst vor einer möglichen Blamage fertigzuwerden. Alle Menschen, die in irgendeiner Form weissagen, lehnen sich dabei mehr oder weniger riskant aus dem Fenster. Sie greifen auf ihr Wissen, ihre Erfahrung und auf aus der Situation resultierende Intuition zurück, um in ein Geschehen lenkend einzugreifen. Damit übernehmen sie auch eine unter Umständen ungeheure Verantwortung.

Weisheit ist also die Summe vieler Faktoren. Dies in sich vereinen zu können heißt wohl, das "Göttliche im Menschen" lebendig werden zu lassen.


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Re: Weissagung heute?

Beitragvon Artheduin » Di 30. Apr 2013, 08:49

Sucher hat geschrieben:
Vailos hat geschrieben:
Was ist es denn, was weise Leute dazu befähigen könnte?




Ich bin mir nicht sicher, ob es weise ist, darüber zu schreiben....... ;)

Weisheit resultiert gewiss aus mehreren Faktoren. Dazu gehört zum Einen eine gehörige Portion Wissen (hat in der Wortverwandtheit wohl auch mit Weisheit zu tun). Dieses umfangreiche Wissen muss natürlich durch viel Erfahrung ergänzt werden. Damit haben wir also erworbenes Wissen und erlebte Erfahrung als Grundstock. Das kann sich durchaus auch auf ein ganz bestimmtes Thema konzentrieren.

Es gibt auf der Welt eine ganze Menge Menschen, die sowohl über Wissen, als auch über Erfahrung verfügen und trotzdem nicht als weise angesehen werden können.

Was ist also noch notwendig, damit dieses Prädikat zutrifft?
Ich denke, dass es die Fähigkeit ist, selbst mit der eigenen Angst vor einer möglichen Blamage fertigzuwerden. Alle Menschen, die in irgendeiner Form weissagen, lehnen sich dabei mehr oder weniger riskant aus dem Fenster. Sie greifen auf ihr Wissen, ihre Erfahrung und auf aus der Situation resultierende Intuition zurück, um in ein Geschehen lenkend einzugreifen. Damit übernehmen sie auch eine unter Umständen ungeheure Verantwortung.

Weisheit ist also die Summe vieler Faktoren. Dies in sich vereinen zu können heißt wohl, das "Göttliche im Menschen" lebendig werden zu lassen.


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Weisheit und Wissen gehören zusammen; ohne Wissen kann es sehr unwahrscheinlich Weisheit geben. Was du geschrieben hast trifft meine Zustimmung in Bezug auf die Weisheit der Menschen - ungeteilt. In Bezug auf Weissagung erscheint mir dies als Grundvoraussetzung. Aber ob allein menschliches Wissen und Weisheit zur Weissagung befähigen? Ob allein Wissen und Weisheit das in uns wohnende Göttliche wecken können? Bedarf es nicht auch einer engen Verbindung mit der göttlichen Kraft - der göttlichen Weisheit?

Auch wenn es vlt. hier verpönt ist, so möchte ich doch Paulus zitieren, der folgenden Satz schrieb: "Die sich für Weise hielten sind zu Narren geworden". Das ist jetzt selbstverständlich ganz neutral und nicht personenbezogen, lässt mich aber erahnen, dass die Weisheit nicht aus uns Menschen allein kommt.
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Re: Weissagung heute?

Beitragvon Ishtar » Di 21. Mai 2013, 18:59

Ich glaube es ist tief in der Natur des Menschen verwurzelt zur Reduktion der Unsicherheit allerlei Dinge zu tun und wissen zu wollen. In der Mathematik heißt es Wahrscheinlichkeitsrechnungen, aus der Wirtschaft kennen wir „Börsengurus“ und allerlei Wissenschaftler und Ärzte müssen in ihren Berufen Aussagen über zukünftige Entwicklungen treffen. In meinem Beruf muss ich auch immer eine Prognose erstellen. Klingt halt „fundierter“ als Weissagung, praktisch mache ich aber auch Aussagen über die Zukunft, halt ohne „Ritualbrimbramborium“. Tatsächlich muss ich meine beruflichen „Weissagungen“ auch begründen und Schlüsse ziehen und natürlich ist nebst meinem Studium und Ausbildung Berufserfahrung mit dabei und etwas „Bauchgefühl" (wobei genau genommen kann ich meist sogar das "Bauchgefühl" begründen, wenn ich ganz genau meine Sinne einsetze).

Welche Rolle spielen Weissagungen für mich im Ritual?

Ich halte mich bei vielen Ritualen an die ADF Struktur und deute somit in jedem Ritual ein Omen. Ganz grob: Wir bringen den Göttern Gaben dar und bitten dann um einen Segen. Das Weissagen wird dazwischen benutzt um zu sehen wie die Gaben angekommen sind oder was für eine Art Segen wir erhalten oder beides. Ist sehr variabel wie man das im Einzelnen dann handhabt.

Beim öffentlichen Ritual frage ich persönlich mit einem Pendel (ja- nein) (könnte ich aber auch weglassen, da mir meist schon vorher klar ist ob sie angenommen wurden oder nicht, ich mache es aber, damit es für die anderen nicht „willkürlich“ erscheint). Danach frage ich meist welcher Art der Segen ist den wir / ich erhalten. Ich persönlich nutze meist Tarot, weil es das Orakelmedium ist mit dem ich immer und sicher eine klare Antwort innerhalb einer angemessenen Zeit erhalte. Irgendwann wird’s vielleicht „Keltischer“ im Aussehen ;-) Bei privaten Ritualen experimentiere ich viel mehr. In der Gruppe haben wir auch eine Schamanin, die benutzt die Runen wenn sie die „Seherposition“ übernimmt – was sie bisher immer getan hat, wenn sie dabei war, da sie das einfach viel geiler macht als ich und ich froh bin wenn ich "delegieren" darf, grad die Seherposition finde ich nicht einfach bei gleichzeitiger Ritualleitung.

Was aber befähigt einen Menschen dazu, Weissagungen zu machen?

Sehr spannende Frage!

Natürlich ist es sehr viel mehr als nur die Karte sehen und interpretieren, sondern im Ritual ist es ja auch eine Kommunikation mit den Göttern. Kommunizieren kann jede/r. Zuhören, verstehen, mitteilen ist die andere Seite….. häufig genug missverstehen wir ja auch andere Menschen.

Ich finde das Wichtigste in der Seherposition ist sich selbst zu kennen, damit man weiß, wo die eigenen Werte, Wünsche, Ängste etc. reinspielen und wie man auf was reagiert (Ähnliches gilt auch bei meinen beruflichen Prognosen).

Macht mich das zur weisen Frau? Nein, definitiv nicht!
Manchmal ist es eben einfach der Bedarf, der Eignung schafft ;)

Ich betone gerne, dass dies auch ein Moment zur eigenen Kommunikation mit den Göttern ist und manche Karten eine „Allgemeine“ Bedeutung haben die ich mehr oder weniger Treffe, aber manche auch eine persönliche, für die man in sich hineinspüren sollte. Manche Aussagen sind aber einfach für andere bestimmt.

Können Orakel auch das Mittel in unserer religiösen Praxis sein, den Göttern noch ein bisserl besser zuzuhören?


Ich war zuerst skeptisch mit dieser „Orakelsache“ im Ritual, weil ich nicht zu den Menschen gehöre, die häufig Tarotkarten legen oder Ähnliches machen. Mittlerweile weiß ich das aber sehr zu schätzen und obwohl es schon so oft passiert ist, ist es immer wieder aufs Neue spannend, für wie viele Menschen so ein Omen so treffend war, dass ich Wochen später noch darauf angesprochen werde (Theorien der sich selbst erfüllenden Prophezeihung inbegriffen). Oder die Götter zeigen ihren Humor indem sie uns statt lang erhofften Frühling „Ausdauer“ schenken. Oder wir haben Ingwaz für Beltane und mehrere andere Gruppen erhalten auch Ingwaz. Seit ich das mache, finde ich, ist ein Teil der Kommunikation irgendwie „greifbarer“ geworden. Ich kann also nur empfehlen es zumindest mehrmals auszuprobieren.

Liebe Grüße
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Re: Weissagung heute?

Beitragvon Vailos » Di 21. Mai 2013, 20:50

Das ist sehr interessant Ishtar. Danke. Ihr orakelt nur während einem Ritual, einer Götteranrufung?

Mich persönlich lässt das Thema nicht los. Ich persönlich erforsche erst einmal einen rekonstruistischen Ansatz, also versuche mich in diesen Praktiken, die von den Kelten tatsächlich überliefert sind. Und lasse die germanischen Runen, Pendel und Karten erst einmal aussen vor.

Was mir aufgefallen ist, dass ich seit der Beschäftigung damit auch sonst aufmerksamer geworden bin, für alles, was ein Zeichen darstellen könnte. Bin mal gespannt, was da so wird.
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Re: Weissagung heute?

Beitragvon Ishtar » Mi 22. Mai 2013, 21:14

Hi Vailos

Wen genau meinst du jetzt mit "ihr"?

Im ADF wird bei den Hochfesten (neuheidnische Jahreskreisfeste) immer ein Omen geschaut. Nach der Götteranrufung und den Opfergaben. Das Omen fungiert sozusagen als Stimme für die Götter. Für Feste außerhalb der neuheidnischen Jahreskreisfeste oder Rituale gibt es keine Struktur an die man sich halten sollte - also jede/r (Hain) wie er / sie will. Ach so, der ADF ist eine Kirche, rekonstruktionistisch und indoeuropäisch orientiert, die gemeinsame Ritualstruktur vereint uns in unserem Tun (nicht im Denken :D ). Es wird auch nicht gesagt "wie" man das Omen erhält, nur dass man "orakeln" sollte.
Meine "Gruppe" ist ein loser Kreis von Leuten die ich jeweils zu den Hochfesten einlade. Da gehört das Weissagen auch meist dazu.
Privat..... außerhalb eines Rituals mache ich das höchst selten, teilweise weniger als einmal im Jahr. Obwohl ich natürlich schon manchmal "Hinweisen" folge - aber da habe ich nicht immer gezielt um ein Omen gebeten. Ich glaube aber, dass es auch eine ganz persönliche Sache ist. Manchmal ist eine schwarze Katze, einfach nur eine schwarze Katze.

An welche "Keltische" Methode hast du denn gedacht? Ogham wird häufig benutzt, ist aber auch nicht wirklich authentisch. Aber es wirkt natürlich erst mal "keltischer" :D und ich bin auch dabei es mir deshalb auf einem Niveau anzueignen wo ich mir öffentliche Weissagungen damit zutraue. (ja, ja, man merkt bestimmt, dass ich aus dem Revival komme ;) ) Vogelschau ist ja immer die Frage ob einer auftaucht, Opferschau nicht so dolle..... Trauminkubation im Ritualablauf wie ich es mache nicht sehr praktikabel.... eine Idee die "Moderne" und Vogelschau verbindet ist ein Huhnorakel von dem ich kürzlich gehört habe...... in einen Kreis von Oghamschriften wird ein Huhn gesetzt. Da wo es aus dem Kreis "rausrennt" wird gelesen. Ich habe darüber nachgedacht das mit meinem Hund mal auszuprobieren :^^: Authentisch ist es wohl nicht, vielleicht valide. Experimentiert habe ich mit dem Dunkelspiegel, Rauchschau, Glutschau, Wasserschau. Aber im Grunde nutze ich dabei mehr die äußeren Zeichen als Impulse für das was ich im "inneren" "höre". Vielleicht kannst du ja dann von deinen Erfahrungen berichten. Wäre bestimmt sehr spannend.

Liebe Grüße
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